Betreuung, Pflege, Kosten

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Betreuung, Pflege, Kosten; Bild: Africa Studio/Shutterstock.com

Mittlerweile bieten viele Agenturen und Organisationen eine 24-Stunden-Betreuung für Menschen an, die nicht in ein Pflegeheim ziehen, sondern in ihrer gewohnten Umgebung betreut und gepflegt werden wollen. Wir haben 26 Agenturen unter die Lupe genommen, die eine solche Betreuung anbieten. Zudem informieren wir, welche Betreuungsmöglichkeiten zur Verfügung stehen, welche Voraussetzungen für staatliche Unterstützung erfüllt sein müssen und wie hoch die Kosten für Betroffene und Angehörige kommen.

 

Vorkehrungen für die Pflege

In Österreich sind laut Angaben der Wirtschaftskammer rund 800 Agenturen tätig, die Betreuungskräfte vermitteln. Für Betroffene ist es, insbesondere wenn ein Pflegefall überraschend, beispielsweise nach einem Unfall eintritt, kaum möglich, zu erkennen, ob ein Unternehmen seriös ist, welche Leistungen es anbietet und was die Betreuung kostet. Wir haben 26 Agenturen unter die Lupe genommen. Lesen Sie in unserem kostenpflichtigen Test mit welcher Wartezeit bis zur Vermittlung, zu rechnen ist, welche Bundesländer die getesteten Agenturen betreuen, wie es mit der Qualifikation der Betreuer aussieht und mit welchen Kosten zu rechnen ist.

Details, wie Sie eine 24-Stunden-Betreuung finden, welche Modelle es gibt und worauf Sie insbesondere bei Vertragsabschlüssen achten müssen, finden Sie im Pflegeratgeber.

Was tun, wenn ein Pflegefall eintritt?

Was alle befürchtet hatten, war eingetreten: Frau Vogl war gestürzt. Dabei wollte sie doch nur …, ja, was nur? Sie kann sich daran ebenso wenig erinnern wie an die strikte Anweisung, nicht alleine, nicht ohne Begleitung zu gehen. Nun liegt sie auf dem Küchenboden, unfähig, ihre unbequeme Position auch nur ein bisschen zu verändern.
Ihre Schwiegertochter eilt herbei und redet beruhigend auf sie ein. „Ich bin gar nichts mehr wert“, jammert Frau Vogl. Blut fließt über ihre Stirn.

Der Notruf wird gewählt und die Rettung verständigt. Frau Vogl kommt ins Krankenhaus, wo ihre Wunde versorgt wird. Sie hat Schwierigkeiten, sich in den Spitalsbetrieb einzufügen, darum wird eine Psychiaterin beigezogen. Die Diagnose lautet: schwere demenzielle Störung.

Diagnosen wie diese stellen Menschen immer wieder vor die Herausforderung, Vorkehrungen für die Pflege für sich selbst oder einen Angehörigen zu treffen. Erfolgt die Diagnose im Krankenhaus, bietet das Entlassungsmanagement eine erste wichtige Hilfestellung.

Entlassungsmanagement im Krankenhaus

Das Entlassungsmanagement im Krankenhaus soll eine adäquate Weiterversorgung der Patienten sicherstellen, Versorgungslücken vermeiden und so Wiederaufnahmen reduzieren.

Wenden Sie sich an die Pflegedienstleitung der Station oder den behandelnden Arzt!

Aufgaben des Entlassungsmanagements

  •     Heimtransport, Infos und Beratung. Die Entlassungsmanager klären, ob ein Heimtransport erforderlich und der Zugang zur Wohnung (Wohnungsschlüssel) sichergestellt ist, und sie bieten Information und Beratung zu mobilen und stationären Betreuungs- und Versorgungsmöglichkeiten.
  •     Organisation weiterer Pflege und Rehabilitation. Bei Bedarf organisieren sie auch die Hauskrankenpflege, eine Heimhilfe oder andere Dienste, weiterführende Rehabilitation oder eine Übergangspflege. Sie helfen bei der Versorgung mit Hilfsmitteln und Heilbehelfen und bei Wohnungsadaptierungen. Außerdem bereiten sie die Mitgabe von bewilligten Rezepten vor.
  •     Betreuung außerhalb der eigenen Wohnung. Wenn pflegebedürftige Patienten nicht mehr in ihrer Wohnung betreut werden können, unterstützen sie diese und deren Angehörige dabei, einen geeigneten Wohn- und Pflegeplatz zu finden.
  •     Hilfe bei sozialen Notlagen. Auch hier beraten sie die Patienten und bemühen sich um individuelle Lösungen. Sie leisten außerdem Hilfestellung bei Pflegegeld- und Pflegegelderhöhungsanträgen. (Höhe des Pflegegeldes 2018)
  •      Informationen zu Anlaufstellen. Zur Entlassungsvorbereitung gehört auch, dass der Patient und die Vertrauenspersonen auf Selbsthilfegruppen und andere Anlaufstellen hingewiesen werden. Weiters werden sie beim Erlernen praktischer Fähigkeiten, die nach der Entlassung hilfreich sein können, unterstützt.
  •     Vorbereitungen zu Hause. Der Entlassungstag soll so festgelegt sein, dass die Pflege zu Hause komplikationslos fortgesetzt werden kann, also zum Beispiel das Pflegebett und die Zimmertoilette bereits geliefert, die Hauskrankenpflege und die Heimhilfe bewilligt und einsatzbereit sind.

Sozialministerium

Nicht nur das Entlassungsmanagement im Krankenhaus hilft weiter. Das Sozialministerium hat auf sozialministerium.at eine eigene Rubrik „Pflege und Betreuung“ eingerichtet. Dort finden pflegende Angehörige  Basisinformationen und erhalten Antworten auf häufig gestellte Fragen.

Bundesländer

Die Bundesländer stellen auf ihren Webseiten die jeweiligen sozialen Dienste und die anbietenden Organisationen vor und informieren über Förderungen. Weiters können kostenlos Broschüren bestellt werden.
Informationen von Beratungsstellen

Außerdem gibt es eigens eingerichtete Beratungsstellen sowie Beratungen durch die anbietenden Organisationen. In einem persönlichen Gespräch, auch im Rahmen eines Hausbesuchs, wird der Betreuungs- und Pflegebedarf der jeweiligen Person erhoben und es wird über die entsprechenden Unterstützungsmöglichkeiten informiert.

Adressen von Institutionen und Kontaktinfos finden Sie im Pflege-Ratgeber.

Quelle: Pflege-Ratgeber

 

24-Stunden-Betreuung zu Hause: Kosten

Mittlerweile bieten viele Agenturen und Organisationen eine 24-Stunden-Betreuung für Menschen an, die nicht in ein Pflegeheim ziehen, sondern in den eigenen vier Wänden betreut und gepflegt werden wollen.

Modelle und Verträge

Details, wie Sie etwa eine 24-Stunden-Betreuung finden, welche Modelle es gibt und worauf Sie insbesondere bei Vertragsabschlüssen achten müssen, erfahren Sie im Pflegeratgeber.

Wie viel kostet eine 24-Stunden-Betreuung?

Pflege und Betreuung daheim ist nicht günstig. Man sollte sich daher über die mögliche Kostenbelastung im Klaren sein und dabei auch die sonstigen Fixkosten nicht vergessen.

Die Tageshonorare der vermittelten Betreuungspersonen hängen vom Pflegeaufwand, der Pflegeeinstufung, von der Qualifikation der Betreuungspersonen sowie von deren Sprachkenntnissen ab und bewegen sich bei den großen Trägerorganisationen um die 60 bis 90  Euro pro Tag.

Für eine zweite zu betreuende Person wird meistens ein Zuschlag verrechnet. Zusätzlich zu den Vermittlungsgebühren und den Tageshonoraren der Betreuungsperson sind noch die entfernungsabhängigen Fahrtkosten sowie die Kosten für Kost und Unterkunft der Betreuungskräfte zu berücksichtigen. Bei Verträgen mit selbstständigen Betreuungskräften ist der Auftraggeber zwar nicht gesetzlich verpflichtet, diese Kosten zu übernehmen, es wird aber üblicherweise so vereinbart.

Kostenbeispiel

Herr Fröhlich bezieht monatlich eine Nettopension von 1.000 Euro und Pflegegeld in der Höhe von 451,80 Euro (Stufe 3). Er wird von zwei selbstständigen polnischen Betreuerinnen, die sich im 14-Tage-Rhythmus abwechseln, in seinem Einfamilienhaus betreut. Die Betreuerinnen erhalten pro Monat neben einem Honorar von 1.950 Euro (65 Euro pro Tag) 100 Euro Fahrtkosten sowie Kost und Quartier. Die Vermittlungsagentur verlangt für die laufende Betreuung zusätzlich 130 Euro im Monat. Daneben fallen weiterhin die monatlichen Hausbetriebskosten in Höhe von 600 Euro an.

Beispiel für Kosten der 24-Stunden-Betreuung (Stand: 21.11.2018)

Einkommen netto x 14

14.000,00

Pflegegeld Stufe 3 x 12

5.421,60

Förderung 2 selbstständige Betreuungskräfte

12 x € 550

6.600,00

Einnahmen gesamt (pro Jahr)

26.021,60

Monatliches Honorar für zwei Betreuungspersonen x 12

– 23.400,00

Fahrtkosten € 100 x 12

– 1.200,00

Kost und Logis pauschal

– 4.000,00

Agenturkosten € 130 x 12

– 1.560,00

Monatliche Hausbetriebskosten € 600 x 12

– 7.200,00

Kosten gesamt (pro Jahr)

–37.360,00

 

Der Differenzbetrag von 11.338,40 jährlich wird aus dem Vermögen von Herrn Fröhlich oder von seinen Kindern zu bezahlen sein.

Fakten und Zahlen zur 24-Stunden-Betreuung

Pflegende Angehörige

In Österreich sind mehr als 900.000 Menschen informell in die Pflege und Betreuung eines anderen Menschen involviert.  Etwa 450.000 Menschen beziehen Pflegegeld in Österreich, über 80% davon werden zu Hause versorgt, davon rund 42% ausschließlich von Angehörigen. Um einen tieferen Einblick in die Situation pflegender Angehöriger zu erhalten, beauftragte das BMASGK das Institut für Pflegewissenschaft in Kooperation mit dem Institut für Soziologie mit der Durchführung einer Studie.

Die meisten Betreuungskräfte kommen aus Rumänien oder der Slowakei. 94 Prozent der weiblichen Personenbetreuerinnen stehen nur 6 Prozent männlichen Pflegekräften gegenüber. Über Alter, Herkunftsländer und Art der Leistungen, die BetreuerInnen verrichten dürfen, informiert die folgende Grafik (bitte anklicken).

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Infografik Personenbetreuer: Fakten und Zahlen; Bild: VKI

Personenbetreuung: Verträge und Leistungen

In Österreich gibt es derzeit 738 Vermittler von Personenbetreuung. Bitte klicken Sie die nachstehende Grafik an. Sie zeigt, wie die Vermittlerleistungen aussehen können, welche Verträge es gibt und  was für Konsumenten zu beachten ist.

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24-Stunden-Betreuung: Verträge und Leistungen; Bild: VKI

Staatliche Unterstützung

Die 24-Stunden-Betreuung kann unter gewissen Voraussetzungen zusätzlich zum Pflegegeld durch einen Zuschuss vom Bundessozialamt gefördert werden. Die Bundesländer Vorarlberg und Niederösterreich sehen zusätzliche Förderungen für ihre Landesbürger vor. Allen Förderungen ist gemeinsam, dass darauf kein Rechtsanspruch besteht und dass sie (derzeit) unabhängig vom Vermögen der betreuungsbedürftigen Person ausgezahlt werden.

Förderung durch das Bundessozialamt

Der Zuschuss gemäß § 21b BPGG (Bundespflegegeldgesetz) für eine selbstständig erwerbstätige Betreuungskraft (wenn ein Werkvertrag abgeschlossen wurde) beträgt maximal 275 Euro monatlich, bei zwei selbstständig erwerbstätigen PersonenbetreuerInnen wird eine Förderung von maximal 550 Euro pro Monat gewährt. Bei der Beschäftigung unselbstständiger Betreuungskräfte werden für zwei Personen maximal 1.100 Euro monatlich zuerkannt. Die Förderung wird zwölfmal jährlich ausbezahlt.

Voraussetzungen für die Förderung

  •     Die Betreuung der betreffenden Person muss in deren Privathaushalt im Rahmen einer selbstständigen oder unselbstständigen Erwerbstätigkeit erfolgen.
  •     Die Betreuungskräfte müssen entweder eine theoretische Ausbildung (vergleichbar der Heimhilfe-Ausbildung) nachweisen oder seit mindestens sechs Monaten die Betreuungstätigkeit fachgerecht ausgeübt haben oder durch Delegation pflegerischer oder ärztlicher Aufgaben dazu befugt sein.
  •     Die betreute Person muss Anspruch auf Pflegegeld mindestens der Stufe 3 haben.
  •     Zudem ist die Notwendigkeit einer 24-Stunden-Betreuung durch eine begründete (fach-)ärztliche Bestätigung oder durch eine begründete Bestätigung anderer zur Beurteilung des Pflegebedarfs berufener Experten nachzuweisen. Bei Beziehern von Pflegegeld ab der Stufe 5 wird die Notwendigkeit angenommen, darunter wird die Notwendigkeit von Amts wegen geprüft.
  •     Das Einkommen der betreuten Person darf nicht mehr als 2.500 Euro netto monatlich betragen. Nicht zum Einkommen zählen unter anderem Pflegegeld, Sonderzahlungen, Familienbeihilfe, Kinderbetreuungsgeld und Wohnbeihilfe. Eingerechnet werden (derzeit) aber z.B. Renten aus einer privaten (Pflegegeld-)Versicherung. Diese Einkommensgrenze erhöht sich um 400 Euro für jeden unterhaltsberechtigten Angehörigen bzw. um 600 Euro für jeden unterhaltsberechtigten Angehörigen mit Behinderung.

Die staatliche Förderung der 24-Stunden-Betreuung zu Hause wird – im Unterschied zu einer Heimunterbringung – unabhängig von der Höhe des Vermögens der betreuten Person gewährt. (Unterhaltspflichtige) Angehörige werden nicht zum Kostenersatz herangezogen.

Quelle: Der Pflege-Ratgeber. Hier finden Sie Informationen zu weiteren Möglichkeiten der Betreuung, wie teilstationäre Dienste, mobile Dienste, etc.

Pflegeregress: Was bedeutet die Abschaffung?

Die Abschaffung des Pflegeregresses erfolgte kurzfristig, die Auswirkungen für Heimbewohner sind bedeutend: Rund 40.000 Menschen sollen von der Abschaffung des Pflegeregresses profitieren!

Kein Vermögenszugriff

Seit 1.1.2018 ist ein Zugriff auf das Vermögen von in stationären Pflegeeinrichtungen aufgenommenen Personen, deren Angehörigen, Erben sowie Geschenknehmern im Rahmen der Sozialhilfe zur Abdeckung der Pflegekosten unzulässig. Unter Vermögen sind beispielsweise Barvermögen, Guthaben auf Sparbüchern, Bausparkonten, Lebensversicherungen, Häuser, Wohnungseigentum, Liegenschaften zu verstehen.

Einsatz wiederkehrender Einkünfte

Weiterhin eingesetzt werden müssen alle wiederkehrenden Einkünfte wie Eigenpensionen, Pflegegeld, Kapitalerträge, Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung sowie gesetzlich bestehende oder vertraglich vereinbarte Unterhaltsansprüche (z.B. Ehegattenunterhalt, Leibrentenzahlungen). Das Sozialministerium geht davon aus, dass nicht nur Pflegeheime, sondern auch alternative Wohnformen (z.B. Wohngemeinschaften) mit zumindest nachts bestehender Rufbereitschaft in den Anwendungsbereich fallen.

Antrag auf Kostentragung

„Selbstzahler“, die sich bereits im Pflegeheim befinden und für die Heimkosten ihre Ersparnisse aufwenden, sollten umgehend einen Antrag auf Kostentragung durch die Sozialhilfe stellen. Eine positive Entscheidung bewirkt, dass nur mehr die Einkünfte zur Finanzierung des Heimplatzes eingesetzt werden müssen.

Die Länder dürfen seit 1.1.2018 keine Ersatzansprüche mehr geltend machen, laufende Verfahren sind einzustellen. Anderslautende landesgesetzliche Bestimmungen wurden außer Kraft gesetzt.

Quelle: Der Pflege-Ratgeber

Heimplatz: Kosten

Die Kosten für einen Heimplatz sind unterschiedlich hoch und nach oben hin offen. Sie sind vom Leistungsangebot des Heims und vom individuellen Pflegebedarf abhängig. Es spielt aber auch eine Rolle, ob es sich um einen staatlichen oder privaten Heimträger handelt, nicht zuletzt gibt es regionale Preisunterschiede.

Kostenbeispiel für einen Heimplatz

Herr Meisenbach tippt die Internetadresse www.infoservice.bmask.gv.at ein und startet die Suchabfrage für Alten- und Pflegeheime. Er erfährt, dass für das örtliche Landesheim eine monatliche Grundgebühr von circa 2.000 Euro verrechnet wird. Da seine Großmutter Pflegegeld der Stufe 4 bezieht, würde ihr zusätzlich ein Pflegezuschlag in Höhe von 1.000 Euro im Monat vorgeschrieben werden. Sollte sie auch noch ein Einzelzimmer bevorzugen, würden ihr 350 Euro monatlich in Rechnung gestellt werden. Er zählt die Beträge zusammen und erschrickt: „Aber ihr Pflegegeld beträgt doch nicht einmal 700 Euro im Monat! Wie soll sie sich das leisten können? Das geht sich unmöglich aus! Muss sie jetzt ihr Haus verkaufen oder muss ich für den Restbetrag aufkommen.“

Regelung nicht gedeckter Heimkosten

In den Sozialhilfegesetzen der Bundesländer wird die Übernahme der nicht gedeckten Heimkosten, aber auch die Vorsorge für Alters- und Pflegeheime geregelt. Dafür zuständig ist das jeweilige Bundesland als Sozialhilfeträger und daneben – durchwegs im Rahmen der Privatwirtschaftsverwaltung – die Gemeinden, die Sozialhilfeverbände, die eigens dafür eingerichteten Gemeindeverbände und die Statutarstädte sowie in Wien der Fonds Soziales Wien.

Hilfe zur Sicherung des Lebensbedarfs

Kann der Lebens- und Pflegebedarf einer Person in häuslicher Umgebung nicht mehr sichergestellt werden und reicht ihr laufendes Einkommen nicht aus, die Heimkosten zu bezahlen, ist in den Sozialhilfegesetzen die stationäre Unterbringung und Pflege als eine Form der „Hilfe zur Sicherung des Lebensbedarfs“ vorgesehen. Darauf besteht ein Rechtsanspruch. Das bedeutet, dass auf die Bedarfsdeckung (nicht aber auf eine bestimmte Leistung oder Leistungsform) ein subjektives Recht eingeräumt wird, über das in einem hoheitlichen Verwaltungsverfahren mit Bescheid zu entscheiden ist. Gegen einen abweisenden Bescheid kann ein Rechtsmittel erhoben werden.

Kein Rechtsanspruch in Kärnten und Tirol

Nur in Kärnten und Tirol besteht kein solcher Rechtsanspruch. Die Heimunterbringung erfolgt im Privatrechtsweg und liegt im Ermessen des jeweiligen Sozialhilfeträgers.
Abgesehen davon kann in allen Bundesländern eine stationäre Unterbringung und Pflege im Rahmen der sogenannten „sozialen Dienste“ als Leistung ohne Rechtsanspruch gewährt werden.

Ausschöpfen aller Möglichkeiten

Eine Aufnahme in ein Heim soll erst dann erfolgen, wenn die Möglichkeiten der mobilen (z.B. Heimhilfe, Hauskrankenpflege) und teilstationären Dienste (z.B. Tagesbetreuung) ausgeschöpft sind („mobil vor stationär“). Die Pflegebedürftigkeit wird ab einer bestimmten zuerkannten Pflegegeldstufe (3 oder 4) als gegeben angenommen.

Quelle: Der Pflege-Ratgeber; Weitere Informationen zur Suche nach Alten- und Pflegeheimen sowie die gesetzlichen Rahmenbedingungen finden Sie ebenfalls in diesem Ratgeber.

Medizinische Hauskrankenpflege

Eine Krankenbehandlung muss nicht unbedingt im Krankenhaus erfolgen. Die medizinische Hauskrankenpflege ist als Sozialversicherungsleistung konzipiert worden, mit deren Hilfe eine sonst erforderliche Anstaltspflege vermieden, aufgeschoben oder verkürzt werden kann. Auf die Gewährung der medizinischen Hauskrankenpflege besteht ein Rechtsanspruch.

Wer leistet medizinische Hauskrankenpflege?

Medizinische Hauskrankenpflege ist ausschließlich durch Angehörige des gehobenen Dienstes für Gesundheits- und Krankenpflege zu erbringen. Sie kann nur auf ärztliche Anordnung erfolgen und umfasst medizinische Leistungen und qualifizierte Pflegeleistungen (Verabreichung von Injektionen, Sondenernährung, Dekubitusversorgung etc.).

Die Grundpflege und die hauswirtschaftliche Versorgung der Kranken gehören nicht zur medizinischen Hauskrankenpflege, diese werden als Sozialhilfeleistung erbracht.

Kosten für die Betroffenen

Während für die „einfache Hauskrankenpflege“ im Rahmen der Sozialhilfe eine zumutbare Beitragsleistung zu erbringen ist, haben Betroffene für die „medizinische Hauskrankenpflege“ keinen Beitrag zu leisten.

Wer verordnet die medizinische Hauskrankenpflege?

Eine medizinische Hauskrankenpflege wird auf Anordnung des behandelnden Arztes für die Dauer von längstens vier Wochen gewährt. Danach muss der Chef- oder Kontrollarzt prüfen, ob tatsächlich noch der Versicherungsfall der Krankheit vorliegt.

Quelle: Der Pflege-Ratgeber

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