Neben einem grünen Pflänzchen steckt eine Glühbirne in der Erde und leuchtet Maxenergy wirbt mit "Biostrom" informiert aber nicht über die Herkunft des Stroms Bild: Lovelyday12/Shutterstock

Greenwashing: "Biostrom" von Maxenergy

Der Energieanbieter Maxenergy ist ein Paradebeispiel dafür, wie Unternehmen mit vagen Aussagen und Intransparenz Greenwashing betreiben.

Was uns stutzig gemacht hat: Ein ­Konsument stieß sich an der Facebook-­Werbung des Strom- und Gasanbieters ­Maxenergy: „Your energy is great. But ours is Greta“ oder „Ein kleiner Klick für Dich, ein großer Schritt für den Planeten. Greta wird stolz sein. Jetzt auf 100 % Biostrom wechseln.“ Auch wir waren überrascht. Über die sehr unübliche Verwendung des Begriffs „Biostrom“. Und über die Dreistigkeit, ­Greta Thunberg als Testimonial zu missbrauchen. Um die Klimaschutzaktivistin zu zitieren: „How dare you?“

Werbung auf Facebook

Maxenergy wirbt mit Arnold Schwarzenegger und Greta Thunberg auf Facebook Maxenergy wirbt mit Arnold Schwarzenegger und Greta Thunberg. Ob die beiden davon wissen? Bild: Screenshot Facebook

Fotomontage von Maxenergy: Greta Thunberg und Arnold Schwarzenegger als Testimonial zu missbrauchen ist dreist.

Wer ist Eigentümer?

Der Check. Ökostromanbieter sind qua ihrer Natur über alle Kritik erhaben. Oder etwa doch nicht? Es lohnt in einem ersten Schritt der Blick auf die Eigentümerver­hältnisse. Maxenergy war bis Juli 2021 ein Tochterunternehmen der im Mineralöl­bereich fest verankerten bayrischen Sailer Gruppe. Seither ist die Firma in der Hand von Erdgas Schwaben. Öko-Puristen rümpfen da zu Recht die Nase. Wer das weniger streng sieht, könnte sich damit abfinden, wenn zumindest die Werbe- und PR-Abteilungen korrekt arbeiten und bei den Produkten Transparenz an den Tag gelegt wird. Doch leider ist das nicht (immer) der Fall.

Was ist "Biostrom"?

Fangen wir beim vagen Begriff „Biostrom“ an. Am österreichischen Energiemarkt wird er de facto nicht verwendet. Üblich sind die Termini Grünstrom oder Ökostrom. ­Potenziellen Kunden soll wohl suggeriert werden, dass sie bei Abschluss das grünste aller grünen Energieprodukte erhalten. Ein recht plumper Versuch, ein Alleinstellungsmerkmal zu kreieren.

Maxenergy verweigert Infos

Aber welchen Strom bekommen Maxenergy-Kunden tatsächlich? Der Energieanbieter verweigert mit Verweis auf Betriebsgeheimnisse eine Auskunft darüber, aus welchen Bezugsquellen der von ihm vertriebene Strom stammt. Transparenz sieht anders aus. Transparenz, die übrigens nur Umweltzeichen-zertifizierter Ökostrom (UZ) bietet – siehe KONSUMENT 11/2021, „Grüner Strom, aber echt“. Wie dort beschrieben, ist Ökostrom nicht gleich Ökostrom. Denn der z.B. von einem Windrad erzeugte grüne Strom und der im Gleichklang generierte Erzeugungsnachweis (Zertifikat) werden auf Strombörsen meist getrennt voneinander gehandelt. Mit diesen Zertifikaten ­können somit Strommengen undefinierter Herkunft grüngewaschen werden. Bei ­Maxenergy ist es zwar offenkundig inzwischen so weit, dass die Strom-Herkunftsnachweise zu 100 Prozent aus Österreich stammen (in der Vergangenheit war dem nicht so). Doch infolge der mangelnden Transparenz bei Maxenergy kann lediglich gesichert gesagt werden, dass die Nach­weise aus erneuerbaren Quellen stammen – nicht aber zwangsläufig die Energie selbst.

Es gibt "grünere" Stromanbieter

Kurzum: Es gibt am heimischen Energiemarkt eine beachtlich lange Liste an Strom­anbietern, die „grüner“ agieren als Max­energy, und da sprechen wir gar nicht mal nur von UZ-zertifizierten Unternehmen. Im Vorjahr haben z.B. Global 2000 und WWF einen Stromanbieter-Check veröffentlicht, in dem sich Maxenergy als „Nachzügler“ im untersten Drittel des Rankings wiederfand. Da ist es umso dreister, wenn Max­energy sich auf der eigenen Homepage als „Österreichs Nr. 1 Ökostrom“ bezeichnet. Genauer gesagt: bezeichnet hat. Denn ­diesen „Hinweis“ hat das Unternehmen nach unserer Intervention von der Homepage entfernt.

Screenshot der Maxenergy-Website Welchen Strom bekommen Maxenergy-Kunden tatsächlich? Das Unternehmen verweigert die Auskunft. Bild: Screenshot Maxenergy-Startseite, 16.11.2021

Was sagt Maxenergy dazu?

Somit war das Unternehmen mit Sitz in Dornbirn zumindest bei einem Punkt einsichtig. Hinsichtlich des Begriffes „Biostrom“ schon nicht mehr. Dieser treffe den Kern des Produkts viel ­geeigneter als z.B. Ökostrom, ließ uns Maxenergy wissen. Warum dem konkret so ist, konnte allerdings nicht schlüssig argumentiert werden. Im Detail sind die Antworten im Download unten nachzulesen.

Fazit: Hält das grüne Versprechen?

Fazit: Hält das grüne Versprechen? Maxenergy angelt noch mit weiteren Öko-Schmähs nach potenziellen Kunden: im Wärmebereich z.B. mit angeblich „klimaneutralem“ Gas. Dass eine fossile Energiequelle nicht „klimaneutral“ gemacht werden kann, und winkt man noch so emsig mit CO2-Kompensations-Zertifikaten, haben wir exemplarisch bereits im Greenwashing-Check zum klimaneutralen Erdgas von Verbund (KONSUMENT 6/2021) dargelegt. Auch Maxenergy bedient sich dieses Taschenspielertricks – ein weiteres Indiz dafür, dass sich der Energieanbieter grüner darstellt, als es gerechtfertigt wäre.

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