JETZT TESTE ICH: Gewinner 2015/16

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Umweltzeichen-Preis für die Mittelschule Hollenstein (Foto: Josef Katzensteiner)

Viel Phantasie, Liebe und Arbeit steckten Mädchen und Burschen in den Schülerwettbewerb „Jetzt-teste-ich“ 2015/16. Die Ergebnisse können sich sehen lassen.

Mitten im Leben

Sie sind fleißig, mutig und originell. Sie kaufen, probieren, verkosten und messen. Sie zählen, tragen Daten in Tabellen ein und sprechen für Umfragen wildfremde Menschen an. Und sie machen dieselben Erfahrungen wie unsere Profi-Tester: Etwa, dass der Preis von Flüssigsseifen nichts über die Qualität aussagt oder dass sich viele Unternehmen ungern in die Karten sehen lassen.

Als die 3B des Gymnasiums St. Rupert eine Molkerei anrief und wissen wollte, woher denn die Vanille aus dem untersuchten Joghurt stamme, holten sie sich kalte Füße. „Der Anruf“, so vermerkt ihr Untersuchungsbericht, „wurde sehr unfreundlich entgegengenommen und nach kurzem Gespräch von der Molkerei abgebrochen.“ Schülerinnen der HTL Mödling untersuchten Lacke – es ging um Inhaltsstoffe und Kennzeichnung. Sie fragen in ihrem Bericht: „Bezüglich der Inhaltsstoffe wie z.B. Füll-, Trocken-, Konservierungsstoffe und Tenside werden oft keinerlei Angaben gemacht. Über den Grund kann man nur spekulieren. Versteckt sich dahinter ein Firmengeheimnis oder werden umweltbelastende Stoffe verwendet?“ Sehr verwundert waren diese Testerinnen, dass Lacke, die den „Blauen Engel“ tragen, Stoffe enthalten, die Haut und Augen reizen.

Eine Klasse der HTL Villach verglich Beratungsgespräche zu Jugendkonten und geriet („Mitten im Leben“) an einen Bank-Mitarbeiter, „welcher uns nicht ernst nahm und auf Fragen wie z.B. nach einem Eröffnungsgeschenk zu lachen begann. Weiters wurden wir (…) fehlinformiert.“

Hut ab vor den Mädchen

Alles der Reihe nach: 780 Schülerinnen und Schüler hatten sich 2015/16 an unserem Schülerwettbewerb „Jetzt-teste-ich“ beteiligt und 170 Arbeiten eingereicht. Hut ab vor den Mädchen. Sie reichten mit Abstand die meisten Projekte ein und waren unter den Siegerprojekten stark vertreten.

Die methodische Bandbreite war groß. Wir erhielten dunkle Videos (Bestellung im Fastfood-Restaurant), PowerPoint-Präsentationen, Excel-Listen, lange Berichte mit Fotos und Tabellen aber auch dünne Blättchen von knapp zwei Seiten. Wir erhielten Projekte, die die Werbebotschaft von Katzenfutter einem Realitätscheck unterzogen, Einreichungen, die in Blindverkostung den Unterschied zwischen Markenprodukten und Handelsmarken zu ergründen suchten. Uns erreichten Projekte, die mit Umfragen die Verschuldung von Jugendlichen analysierten (wieviel Geld haben sie zur Verfügung, wofür geben sie es aus?). Solche, die mittels Mystery-Shopping die in der Schule beliebtesten Textilketten eruierten. Und viele von der Art: „wir haben … verglichen. Am besten gefällt uns …“.

Ein Team hatte in einer Umfrage die Nutzung von Video-on-demand und TV unter Jugendlichen erhoben und wagte die Prognose: Wenn sich dieser Trend zu Video-on-Demand „so weiter entwickelt, könnte es durchaus passieren, dass das "normale“ Fernsehen in Vergessenheit gerät.“

Küchen-Komposter

Viele der eingereichten Projekte zeigten sich sehr lebensnahe. So etwa der Heim-Komposter der Neuen Mittelschule Hollenstein/Ybbs. Wie wäre es, so fragte sich das Team rund um Gruppensprecherin Carina Jagersberger, einen Komposter für Städter ohne Garten zu bauen – also einen für drinnen (Küche und Keller)? Zwar macht das Zerkleinern der Küchenabfälle Mühe, trotzdem kann sich das Ergebnis sehen lassen: Drei Behälter, ein Gehäuse, viel Holz, kein High-Tech. Der Ventilator, der die Belüftung verbessert, läuft mit Solarzellen. Kräuterextrakte begünstigen die Verrottung. Der Prototyp funktioniert. Zitat: „Auch der von vielen Menschen befürchtete Gestank war nach einem Monat nicht eingetreten.“ Die Schüler überlegen eventuell eine größere Ausgabe ihres Komposters für den Schulbetrieb aufzustellen.

Steine in die Windel

Wirklich beachtlich auch die professionelle Vorgangsweise des Teams der Bundesbildungsanstalt für Kindergartenpädagogik in Wien 8 – ein Test von Wegwerfwindeln. Die Qualität des Klettverschlusses prüften die Mädchen, indem sie ihn 20, 30, 60 … Mal öffneten und wieder verschlossen. Die Tragfähigkeit testeten sie, indem sie so lange Kieselsteine unterschiedlichen Gewichts in die Windel füllten bis der Verschluss nachgab. Das alles im Rahmen einer anstrengenden 37-Stunden-Woche. Unsere jungen Testerinnen in der BAKIP8 schreiben in der Zusammenfassung wörtlich: „Wir sind geschockt, dass nirgendwo alle Inhaltsstoffe einer Windel für den Verbraucher aufliegen. (…) Wir sehen das als einen sehr groben Missstand (…). Gibt es etwas zu verheimlichen?“

Shishas in der Analyse

Das sogenannte Oktopus-Team der HTL Braunau untersuchte das trendige Shisha-Rauchen (Wasserpfeifen). Schließlich kursiere schon seit langem „das Gerücht, dass Shisha rauchen vollkommen gesund sei.“ Davon könne keine Rede sein. Es würde, so das Projektteam, abhängig machen und die Bildung von Lungenkrebs begünstigen. Konkret untersuchten sie u.a. Geruch bzw. Geschmack der einzelnen Tabaksorten und die Verbrennungstemperatur der Kohle. In ihrer Zusammenfassung schreiben sie: Sowohl Tabak als auch Kohle geben Schadstoffe frei, die der Konsument trotz Wasserfilter in die Lunge einatme. Die jungen Tester legten den Finger auf eine andere offene Wunde: Shisha-Tabak ist erst ab 16 erlaubt. Trotzdem mussten die 14-, 15jährigen Tester nur in einer von fünf getesteten Trafiken den Ausweis zeigen. „Wir waren erschrocken, wie einfach Jugendliche den Tabak, welcher entgegen vielen Meinungen sehr wohl Teer und Nikotin enthält, erwerben konnten.“

Eine Bildergalerie der Preisträger sowie einen Bericht zur Preisverleihung finden Sie auf konsument.at.


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