Traditionsschmäh bei Lebensmitteln

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Traditionsschmäh bei Lebensmitteln, Oma macht's anders (Bild: acarapi/Shutterstock.com)

Im Supermarkt werden viele Produkte mit Attributen wie "traditionell" oder "wie hausgemacht" beworben. Wir haben uns angeschaut, ob es sich dabei wirklich um Produkte handelt, die nach alten, überlieferten Rezepten hergestellt werden.

Kunden, die sich im Supermarkt für einen klassischen Nussstrudel aus "Omas Backstube", Primana "Pure Tradition" Gefüllte Paprika oder "Das Original Linzer Stangerl" von Gaber entscheiden, haben bestimmte Erwartungen. Aufgrund solcher Anpreisungen denken viele Verbraucher, es handle sich um weniger stark verarbeitete Lebensmittel. Was unter Auslobungen wie „nach traditioneller Rezeptur“, „alt“, „traditionell“ oder „Originalrezept“ zu verstehen ist, das ist allerdings rechtlich nicht definiert.

Derartige Angaben dürfen jedoch gemäß der EU-Lebensmittelinformationsverordnung nicht täuschend für den Konsumenten sein. Hinweise auf eine traditionelle Herstellung oder ein altes Hausrezept dürfen keine leeren Werbeaussagen sein. So könnten Kunden etwa erwarten, dass beispielsweise keine Zutaten verwendet werden, die es früher nicht gab. Wir haben einige solcher "traditioneller" Lebensmittel unter die Lupe genommen. 

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Traditionsschmäh bei Lebensmitteln, Oma macht's anders (Bild: acarapi/Shutterstock.com)

Omas Backstube klassischer Nuss-strudel. Feiner Germteig mit Nussfülle 

Auslobung

Omas Backstube, schmeckt wie selbstgemacht

Zutaten

60 % Nussfülle (Wasser, Zucker, Weizenmehl, 16 % Walnüsse, Speisesalz, Hefe, Vollmilchpulver, Maisstärke, Zimt, natürliches Walnuss-Aroma mit anderen natürlichen Aromen, Konservierungsstoff: Sorbinsäure), Strudelteig (Weizenmehl, Wasser, Hefe, Zucker, Eier, Rapsöl, Palmfett, Invertzuckersirup, Milchpulver, Laktose, Emulgator: Mono- und Diglyceride von Speisefettsäuren, Säureregulator: Calciumphosphate, Speisesalz, Aromen, Ethylalkohol, Konservierungsstoff: Sorbinsäure).

FAZIT. Wir bezweifeln, dass Oma Palmfett, Aromen und einige der anderen ­Zusatzstoffe wie den Konservierungsstoff Sorbinsäure oder den Säureregu­lator Calciumphosphate zum Backen verwendet hat.

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Omas Backstube Klassischer Nuss-Strudel: Oma hätte kaum Palmfett, Aromen oder andere Zusatzstoffe verwendet. (Bild: VKI)

Primana Gefüllte Paprika

Auslobung

Pure Tradition, hergestellt in Österreich

Zutaten

Sauce 55 % (Wasser, Tomatenfruchtfleisch, Zucker, Tomatenmark, Sonnen­blumenöl, Weizenmehl, modifizierte Stärke, Magermilchpulver, Gewürze, Speisesalz, Verdickungsmittel: E412 und E407a; Aroma), Gefüllte Paprika 45 % [Paprika 46 %, Schweine- und Rindfleisch 31 %, Reis, ­Semmelbrösel (Weizenmehl, Wasser, Hefe, Speisesalz), Zwiebeln, Sonnenblumenöl, Gewürze, Dextrose].

FAZIT. Zusatzstoffe wie die Verdickungsmittel E412 und E407 sowie Aromen ­lassen sich mit „purer Tradition“ kaum in Einklang bringen.

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Primana Gefüllte Paprika: Verdickungsmittel und Aromen passen kaum zu "purer Tradition"; (Bild: VKI)

Zutatenliste und Zusatzstoffe

In der Zutatenliste sind alle Zutaten zum Zeitpunkt ihrer Verwendung in der Reihenfolge ihres Gewichtsanteiles auf­gelistet. Am Anfang der Liste finden Verbraucher die Hauptzutaten des Produktes. Am Ende finden sich meist Gewürze, Aromen und Zusatzstoffe, die oft nur in geringer Menge enthalten sind. Auch Lebensmittel, die häufig zu Unverträglichkeiten führen, sind in der Zutatenliste anzuführen und optisch hervorzuheben, z.B. „Gewürze (mit Sellerie)“ oder „Emulgator Sojalecithine“.

Bei unverpackt angebotener Ware gibt es in der Regel keine Zutaten­liste. Eine Information über die Hauptallergene ist allerdings verpflichtend. Sie kann schriftlich (z.B. als Aushang) oder mündlich erfolgen. 

Die Verbraucher haben sich  daran gewöhnt hinsichtlich Aussehen, Form, Farbe, Konsistenz und Geschmack "perfekte" Lebensmittel einzukaufen. Das wird durch den Einsatz von Zusatzstoffen erreicht. Viele der verwendeten Substanzen sind unbedenklich, doch einige stehen im Verdacht, bestimmte Symptome auszulösen, sie zu verstärken oder Erkrankungen zu fördern. Grundsätzlich dürfen nur ausdrücklich zugelassene Verbindungen eingesetzt werden. 

Derzeit sind 320 Lebensmittelzusatzstoffe zugelassen. Dazu gehören beispielsweise Antioxidantien, die das schnelle Braunwerden von angeschnittenen Oberflächen bei Obst verhindern. Ein anderes Beispiel: Konservierungsmittel. Sie sollen ein schnelles Verderben durch Bakterien und Schimmelpilze unterbinden.

 

MEHR ZUM THEMA

Lesen Sie den gesamten (kostenpflichtigen) Artikel - https://www.konsument.at/lebensmittel-aus-dem-supermarkt-teil-2-102019 - mit Infos zu den Zutatenlisten aller weiteren Produkte, die wir uns angeschaut haben:

  • Ölz Linzer Torte
  • Omas Backstube Linzeraugen
  • Spitz Mignon Wafers
  • Blaschke Kokoskuppel
  • Gaber Linzer Stangerl

Außerdem im Artikel: weiteres Wissenwertes rund um Zutatenliste und Zusatzstoffe

Lesen Sie auch folgende Konsument-Artikel:

Lebensmittel aus dem Supermarkt (Teil 1) 9/2019

Lebensmittelverschwendung 8/2019

Plastikverpackungen bei Obst und Gemüse 7/2019 

Supermärkte: Preisvergleich Österreich/Deutschland 10/2018

 


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