Österreichisches Münzkontor 10/2017

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Münzkontor; Bild: allstars/Shutterstock.com

Franz H. (Name der Redaktion bekannt) findet in seiner Post ein an ihn adressiertes Prospekt des Österreichischen Münzkontors. Darin wird ihm – als angeblich einem von drei Einwohnern Wiens – eine „einzigartige Jubiläumsprägung Maria Theresia“ zum Vorzugspreis von 9,95 Euro statt regulär 74,95 Euro angeboten. Beworben wird die Medaille als „mit kostbarem Feingold, edler Farbauflage und echtem Swarowski Element veredelt“, hergestellt in „höchster Münz-Prägequalität Polierte Platte“ und „streng limitierter“ Auflage von 9.999 Stück. Herr H. nimmt an, dass es sich um eine wertvolle Münze handle, ruft aber sicherheitshalber, da er kein Sammler ist,  bei der Münze Österreich an. Er will sich über den wahren Wert der Münze informieren. Nachdem dort niemand abhebt, füllt der Pensionist kurz entschlossen den Bestellschein aus. Herr H. erhält die Ware und wird in der Folge im Wochenrhythmus Schreiben mit Gutschriften erhalten, mit denen er zu weiteren Käufen bewegt werden soll. 

Franz H. scheint einer von vielen zu sein, die sich mit unverlangten Zuschriften des Österreichischen Münzkontors konfrontiert sehen.

Verstöße gegen das UWG

Für Ulrike Docekal, unsere UWG-Expertin, ist die Geschäftspraxis des Österreichischen Münzkontors gleich in mehrfacher Hinsicht ein Verstoß gegen das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG): „Das unerwünschte und hartnäckige Ansprechen, etwa via Telefon oder Postsendungen, ist verboten. Außerdem erschleicht sich die Firma im Kleindruck die Zustimmung geradezu. Dort steht, dass etwa alle vier Wochen ,unverbindlich‘ Prägungen zugeschickt würden. Das ist unserer Ansicht nach intransparent und diese Zustimmungserklärung daher nichtig.“

Außerdem glaubt der Kunde, ein Schnäppchen zu machen, in Wahrheit zahlt er drauf, wie etwa bei der Prägung Österreichische Kaiserkrone. Diese wurde um 10 Euro „statt später 74,95 Euro“ angeboten.

Wert weniger als 10 Cent

„Wir haben dem Dorotheum in Wien sechs Prägungen des Österreichischen Münzkontors zur Belehnung vorgelegt, darunter auch die Österreichische Kaiserkrone. Die Expertise ist vernichtend, der Wert wurde mit unter 10 Cent pro Stück geschätzt“, sagt Ulrike Docekal. Das Dorotheum schreibt: „Diese Medaillen haben keinen belehnbaren Materialwert, ein historischer Wert ist ebenfalls nicht vorhanden. Ein künstlerischer Wert ist [...] ebenfalls nicht gegeben [ ] diese Medaillen sind allenfalls als Souvenirs zu bezeichnen.

Mehr zum Thema

Ein Interview mit Michael Beckers, einem Experten für Münzen und Medaillen im Dorothem, sowie den vollständigen, kostenpflichtigen Bericht finden Sie unter www.konsument.at/sammlermuenzen102017

Außerdem:  Der VKI sucht Betroffene

Wir prüfen rechtliche Schritte gegen das Österreichische Münzkontor. Betroffene können sich an die Rechtsabteilung des Vereins für Konsumenteninformation wenden: Linke Wienzeile 18, 1060 Wien, Tel. 01 588 77-320, E-Mail udocekal@vki.at


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