Online-Shopping: "do it fair"

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Petra Etzelstorfer ist eine Hälfte des Gründerduos von Doitfair. Gemeinsam mit Judith List hat sie Anfang 2020 die Online-Plattform für nachhaltige und faire Produkte ins Leben gerufen. 

Wie sind Sie auf die Idee eines "fairen Online-Kaufhauses" gekommen, wie es auf der Website heißt?
Ich habe vor einigen Jahren mit einem eigenen Label für Tragetücher und faire Bekleidung begonnen. Das ergab sich aus meiner dama­ligen Tätigkeit als Familienbegleiterin und Trageberaterin. 2018 habe ich meine Marke "Wiener Label" gelauncht und im selben Jahr die Bloggerin Judith List getroffen. Uns war relativ schnell klar, dass wir gemeinsam etwas machen wollen. Da wir sehr gut vernetzt sind, haben wir im Laufe der Zeit viele Anfragen bekommen, Produkte auf unserer Website online zu stellen. Daraus resultierte die Idee, eine Plattform für regionale und nachhaltige Produkte zu bieten. Meine Marketing-Ausbildung hat mir dabei geholfen. Zurzeit arbeiten wir mit über 100 Produzenten mit ca. 600 Produkten zusammen, und es werden laufend mehr.

Was unterscheidet Doitfair von anderen Onlineplattformen?
Wir ver­stehen uns nicht als reiner Onlineshop, sondern auch als Unterstützungsplattform, auf der Produzenten und Dienstleister wie Coaches, Physiotherapeuten oder Foto­grafen die Gelegenheit bekommen, sich vorzustellen. Auch Influencer – also bekannte Persönlichkeiten, die für Nachhaltigkeit stehen – und Händler sollen hier zusammengebracht werden. Nicht zuletzt sehen wir uns auch als Wissensbotschafter und Aufklärer rund um das Thema Konsum. 

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Was ist damit gemeint?
Wir wollen Bewusstsein dafür schaffen, warum wir so viel konsumieren. Brauche ich wirklich 25 Jeans zu 30 Euro oder leiste ich mir drei, die mehr kosten und dafür nachhaltig produziert sind? Wir werfen die Frage auf, ob wir mit unserem Konsumverhalten etwas kompensieren, zeigen Zusammenhänge zwischen Konsum und Psychologie auf. Dazu gibt es einen Blog, den wir nach und nach mit ­Inhalten füllen. Man kann sich fragen, ob es gesund ist, immer alles sofort und mit einem Klick zu bekommen – oder ob es nicht besser wäre, wieder Zeit zu haben, sich zu fragen, brauche ich das jetzt wirklich? Meine Großeltern sind 1956 von Ungarn nach Österreich gekommen. Für sie ist es heute noch etwas Besonderes, eine Orange oder Banane zu essen. Sie haben hier ein Damenmodengeschäft aufgebaut, doch mit dem Aufkommen von großen Kaufhäusern wie Gerngross oder Herzmansky hatten kleine Läden keine Chance mehr. Wir wollen sowohl große als auch kleine Anbieter ins Boot holen und ­eine Plattform bieten – daher auch die Bezeichnung Online-„Kaufhaus“. Unser Fokus liegt aber auf EPU (Ein-Personen-Unter­nehmen) sowie KMU (kleinen und mittleren Unternehmen). 

Nachhaltige Produkte sind meist teurer als konventionell hergestellte. Gerade jetzt müssen viele Menschen aber sparen.
Nicht nachhaltige Produkte sind teuer, sondern Billigprodukte sind zu billig! Wie kann es sein, dass ich einen ­Mantel bei einer großen Kaufhauskette um 70 Euro bekomme, der im Sale nur noch 20 Euro kostet und trotzdem ist immer noch eine Marge drin? Wie geht sich das aus? Wir sind der Meinung, dass es dazu mehr Informationskampagnen bräuchte. Konsum und Korruption ist ein Thema, bei dem man sich, wenn man etwas Faires ­aufbauen möchte, gänzlich machtlos fühlt. Wie kann es sein, dass eine große Online-Plattform wie Amazon keine oder kaum Steuern zahlen muss? 

Stichwort Amazon: Ihr erklärtes Ziel ist es, eine nachhaltige Alternative zum Online-Riesen zu bieten. Ist das nicht sehr ambitioniert?
Tat­sache ist, dass es für viele Produkte bereits ­Online-Anbieter gibt, z.B. am Elektronikmarkt. Wir werden wahrscheinlich auch keine Autoreifen auf unserer Plattform ­anbieten. Die Frage lautet immer: Was brauchen die Leute wirklich? Ich muss nicht das Rad neu erfinden. Dennoch wollen wir auch global tätig sein, dafür gibt es einen Zehn-Jahres-Plan. Jeder hat schließlich einmal klein begonnen. 

Den Rest des Interviews lesen Sie auf konsument.at.


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