Palmöl in Weihnachtskeksen

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Eier, Mehl, Zucker, ... Palmöl? Wir haben 208 Kekspackungen untersucht. Das Ergebnis: Palmöl in jedem dritten Weihnachtsgebäck. (Bild: VKI)

Eier, Mehl, Zucker … Palmöl? Selbst vor Lebensmitteln, die traditionell ohne Fett auskommen, macht die Industrie nicht halt. Wir haben bei sieben Supermarktketten erhoben, welche beliebten Weihnachtskekse ohne das exotische Öl auskommen.

Vanillekipferl, Lebkuchen, Spekulatius: Bereits lange vor Weihnachten stapeln sich in den Supermarkt-Regalen wieder die Weihnachtsleckereien. Kekse ohne langwieriges Backen? Ein verlockendes Angebot! Doch industriell hergestellte Süßigkeiten enthalten oft Palmfett. Und das, obwohl beispielsweise Lebkuchen, Kokosbusserl oder Zimtsterne ganz ohne Fett auskommen sollten. Wir wollten es genau wissen und haben bei 208 Kekspackungen in sieben Supermarktketten die Zutatenliste studiert. Unsere Untersuchung zeigt: In jedem dritten Weihnachtsgebäck ist Palmöl enthalten. Warum eigentlich?

Billig und beliebt

Fett gehört wie Zucker, Eier und Mehl neben Zeit und Hingabe zu den wichtigsten Dingen beim Backen. Es sorgt je nach Teigart für die richtige Konsistenz und das nötige Volumen. In traditionellen Rezepten kommt hier oft Butter zum Einsatz. Doch Palmöl besitzt ähnliche Eigenschaften: Es ist hitzestabil, lange haltbar und bei Zimmertemperatur streichfest. Zudem ist das Öl in der Industrie sehr begehrt, da sein Anbau ausgesprochen ertragreich und billig ist. Produzenten setzen Palmöl in durchschnittlich jedem zweiten Lebensmittelprodukt ein. Wir vom VKI warnen schon seit geraumer Zeit vor den negativen Aspekten.

Ökologisch bedenklich und ungesund

Zum einen gilt Palmöl, das einen hohen Anteil an gesättigten Fettsäuren hat, als ungesund. Ein übermäßiger Verzehr von Palmöl, zum Beispiel in Fertiggerichten, kann sich negativ auf die Blutfettwerte und damit auf die Wirkung von Insulin im Körper auswirken. Dadurch erhöht sich das Risiko, an Diabetes zu erkranken. Doch Palmöl gilt auch aus einem weiteren Grund als schädlich: Bei seiner Verarbeitung - bei hoher Hitze - können krebserregende Stoffe entstehen. Bereits im Mai 2016 hat die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) eine Studie zu Schadstoffen in Pflanzenölen veröffentlicht. Konkret wurden dabei die Schadstoffe 3-MCPD- und Glycidyl-Ester untersucht. 3-MCPD wird als möglicherweise krebserregend eingestuft, Glycidol (das bei der menschlichen Verdauung von Glycidyl-Ester frei wird) als wahrscheinlich krebserregend. Zusätzlich ist Glycidol auch gentoxisch: Es kann das Erbgut der menschlichen Zellen schädigen. Die Schadstoffe entstehen bei der Herstellung der Pflanzenöle. Die EFSA untersuchte verschiedene Produkte, die Pflanzenöle beinhalten. Das Ergebnis: Die höchsten Werte der Fettsäureester befanden sich in Palmölen und Palmfetten.

Am Institut für Biomedizin in Barcelona kam der Mediziner Salvador Aznar Benitah zu einem ähnlichen Schluss, nämlich, dass Palmöl eine Energiequelle für Krebstumore ist, um Metastasen zu bilden. Die Forscher impften Mäuse mit frischen Tumorzellen und fütterten sie mit verschiedenen Diäten. Ergebnis: Nur die Tumore der Mäuse mit Palmöldiät entwickelten die gefährlichen Metastasen. Zum anderen ist das Öl aus Sicht der Menschenrechte bedenklich. Denn was uns das Warten auf Weihnachten versüßen soll, hat verheerende Auswirkungen auf einem anderen Teil des Planeten. Die Hauptanbaugebiete sind derzeit Indonesien und Malaysia, wo riesige Flächen Regenwald Palmöl-Plantagen weichen müssen. Die Anbaupraktiken stehen in der Kritik: Umweltzerstörung, Landraub und Menschenrechtsverletzungen prägen den Palmölanbau. Wir haben berichtet:

Zertifizierung von Palmöl

Wir haben bei unserer Erhebung bewusst auf die Unterscheidung zwischen zertifiziertem und herkömmlichem Palmöl verzichtet. Zwar gibt es Versuche, Palmöl nachhaltiger zu machen, allerdings reichen diese noch nicht weit genug und weisen erhebliche Mängel auf. Das bedeutendste Beispiel ist der RSPO (Runder Tisch für nachhaltiges Palmöl). Er zertifiziert anhand bestimmter Kriterien „nachhaltig“ gewonnenes Palmöl und soll zum Beispiel Rodungen eindämmen. Inzwischen ist rund ein Fünftel der weltweiten Produktion RSPO-zertifiziert. Der Standard hat aber einige Schwächen: Eine Vielzahl von Quellen belegt, dass selbst zertifizierte Unternehmen die Kriterien des RSPO nur unzureichend oder gar nicht einhalten. Grund dafür ist, dass die Überwachung große Lücken aufweist und wirksame Sanktionsmechanismen fehlen. Damit wird der Nachhaltigkeitsanspruch relativiert. Wir setzen uns deshalb für eine drastische Reduktion von Palmöl ein. 

Der große Palmöl-Check: 208 Kekspackungen

Wir haben uns gefragt: In wie vielen Keksen ist Palmöl enthalten? Welche können wir Ihnen als palmölfreie Alternativen empfehlen? Dazu überprüften wir im November 2019 insgesamt 208 Kekspackungen bei sieben Supermarktketten: Billa, denn’s, Hofer, Interspar, Lidl, Merkur und Penny. 141 Produkte, das entspricht 68 %, kommen ohne die Zugabe von Palmöl aus. Der hohe Gesamtanteil an palmölfreien Keksen ist v.a. durch Lebkuchen bedingt. Sie benötigen in der Zubereitung kein Fett und werden in großer Zahl angeboten. Doch auch hier konnten wir Ausreißer ermitteln, die trotzdem Palmfett verwenden.

Kekssorte

Packungen insgesamt

ohne Palmöl

in %

Lebkuchen

99

84

85

Dominosteine

6

5

83

Teegebäck und Hauskekse

23

14

61

Sonstiges (Weinbeißer, Florentiner, Linzeraugen etc.)

40

22

55

Kokosbusserl

8

4

50

Vanillekipferl

10

4

40

Spekulatius

18

7

39

Zimtsterne

4

1

25

Lebkuchen 

Lebkuchen zählt in seinen verschiedenen Variationen zum klassischen Gebäck der Weihnachtszeit. Je nach Lebkuchenart werden verschiedene Zutaten verwendet - zu den wichtigsten Zutaten zählen: Mehl, Gewürze, Natron bzw. Backpulver und Honig. Für die Zubereitung wird traditionell kein Fett benötigt. Trotzdem konnten wir Palmöl in 15 % der 99 Produkte feststellen.  

Die Detailergebnisse finden Sie hier: PDF - Lebkuchen

Vanillekipferl 

Ganz anders ist die Situation zum Beispiel bei Vanillekipferl – der Teig benötigt neben Mehl, Vanillezucker, Nüssen und etwas Salz auch Fett. Hier können Hersteller zwischen Butter und (palmölhaltiger) Margarine wählen. Von 10 Produkten enthalten 60 % Palmöl. 

Die Detailergebnisse finden Sie hier: PDF - Vanillekipferl

Kokosbusserl 

Bei einem klassischen Rezept für Kokosbusserl benötigt man kein Fett. Lediglich Eier, Kokosraspel, Zitronensaft und etwas Zucker sind hier enthalten. Trotzdem kommt nur die Hälfte der im Supermarkt angebotenen Kokosbusserl ohne Palmöl aus. 

Die Detailergebnisse finden Sie hier: PDF - Kokosbusserl

Zimtsterne 

Eiklar, Mandeln, Staubzucker, Vanillezucker, Zitronensaft und Zimt – fertig sind die Zimtsterne. Sie kommen ohne Fett aus. 75 % der von uns angeschauten Produkte enthalten trotzdem Palmöl.  

Die Detailergebnisse finden Sie hier: PDF - Zimtsterne

Spekulatius

Spekulatius besteht aus einem klassischen Mürbeteig, der mit besonderen Gewürzen wie Zimt, Kardamom und Nelken sowie Mandeln verfeinert wird. Mürbteig benötigt Fett für die Herstellung. 61 % verwenden Palmöl.

Die Detailergebnisse finden Sie hier: PDF - Spekulatius

Dominosteine 

Bei Dominosteinen handelt es sich um Schichtpralinen, die unter anderem Lebkuchen, Konfitüre und Marzipan enthalten. Fett ist eventuell für den Schokoguss nötigt. 83 % der überprüften Produkte kommen ohne Palmöl aus. 

Die Detailergebnisse finden Sie hier: PDF -Dominosteine

Teegebäck und Hauskekse 

Meist handelt es sich um Kekse aus Mürbteig, der Fett benötigt. Hier wird allerdings doch bei einigen Produkten Butter verwendet. 39 % der erhobenen Produkte enthalten trotzdem Palmöl.

Die Detailergebnisse finden Sie hier: PDF - Teegebäck und Hauskekse

Sonstiges 

Ein buntes Sammelsurium von unterschiedlichen Keksen wie Weinbeißer, Florentiner, Linzeraugen oder Pfeffernüsse. Hier kommen nur 55 % der Produkte ohne Palmöl aus. 

Die Detailergebnisse finden Sie hier: PDF - Sonstiges

Palmölfreie Alternativen

Die größte Chance auf palmölfreie Weihnachtskekse haben Sie bei Lebkuchen und Dominosteinen – siehe Übersichtstabellen. Trotzdem am besten immer die Zutatenliste kontrollieren!

Alternative Kokosfett?

Zunehmend mehr Konsumentinnen und Konsumenten wollen von Palmöl nichts wissen. Sie studieren die Zutatenlisten und suchen nach Alternativen. Bei der Suche stoßen Konsumenten oft auf Kokosöl. Hier ist allerdings Vorsicht geboten, denn es handelt sich um keine nachhaltige Alternative. Die größten Anbauflächen der Kokospalmen liegen in Indonesien, auf den Philippinen, in Indien, Tansania, Sri Lanka, Brasilien sowie Papua Neuguinea. Der WWF hat 2016 beim Institut Agripol eine Studie in Auftrag gegeben. Sie wollten herausfinden, wie sich ein Verzicht auf Palmöl auswirken würde. Das Ergebnis: Auch die Alternativen zur Ölpalme würden die großen sozialen und ökologischen Probleme beim Anbau nicht lösen. Kokosöl stammt aus den gleichen oder ökologisch ähnlich sensiblen Regionen. Dadurch würden die Probleme nicht gelöst, sondern nur verlagert.  

Würde man versuchen, die große Nachfrage nach Palmöl durch Kokosöl zu decken, bräuchte man dafür mehr Fläche. Es entstünden ähnliche Treibhausgas-Emissionen und Arten würden davon ebenfalls bedroht. Denn: Aus einem Hektar Anbaufläche lassen sich zirka 3 Tonnen Palmöl gewinnen. Auf der gleichen Fläche ließen sich allerdings nur 0,7 Tonnen Kokosöl erwirtschaften, wofür man man noch dazu Unmengen von Wasser braucht. Produkte auf Kokos-Basis sind somit wirtschaftlich und ökologisch nicht wirklich eine sinnvolle Alternative zu Palmöl-Produkten.

Saisonale und regionale Produkte

„Wer seinen persönlichen Palmölverbrauch nachhaltig zurückfahren möchte, muss im wahrsten Sinn des Wortes selbst Hand anlegen. Für die tägliche Praxis heißt das: nicht nur gezielt, sondern vor allem weniger einkaufen. Statt fertiger Kekse, vermehrt selbst backen – nur so hat man die Kontrolle über den eigenen Fettverbrauch; saisonale und regionale Produkte bevorzugen, am besten in Bio-Qualität. Klingt anstrengend und ist es auch – vor allem, wenn man nach einem langen Tag müde nach Hause kommt. Es ist trotzdem einen Versuch wert, weil nur eine Umstellung des Ernährungsverhaltens auf Dauer wirkt“, sagt VKI-Ernährungsexpertin Birgit Beck. 

Irreführende Auslobungen

 „Nach traditionellem Rezept“, liest man auf den Plastik-Verpackungen der Weihnachtskekse und denkt ganz nostalgisch an die eigenen Backerlebnisse. An Palmöl denkt man dabei nicht. Während unserer Recherche sind wir auf viele ärgerliche Beispiele wie diese gestoßen. Lassen Sie sich von Auslobungen wie „mit echter Butter“ oder „echte Backtradition aus Tirol“ nicht täuschen! Leider sind Werbesprüche wie diese noch lange keine Garantie für palmölfreie Kekse. Solche Auslobungen sind rechtlich nicht definiert. Damit beworbene Produkte können also durchaus auch für die industrielle Lebensmittelproduktion typische Zutaten wie Palmöl enthalten. Erst ein Blick in die Zutatenliste verschafft Konsumenten endgültige Klarheit.

VKI-Tipps

  • Auslobungen wie „mit Butter“ oder Hinweise auf eine traditionelle Zubereitung können täuschen – sie sind keine Garantie für palmölfreie Kekse.
  • Zutatenliste genau lesen – Palmöl steckt auch in Produkten, in denen man es nicht erwartet. Andere exotische Fette wie Kokosöl oder Sheabutter sind auch nicht wirklich nachhaltiger. 
  • Am größten ist die Chance auf palmölfreie Produkte bei Lebkuchen und sogenannten Dominosteinen
  • Will man Palmöl beim Selberbacken vermeiden, sollte man entweder mit Butter backen oder mit einer palmölfreien Margarine – oder Sorten machen, die ohne Fett auskommen, wie Lebkuchen, Kokosbusserl oder Zimtsterne.
     

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