Quetschies: Zuckersüßes aus dem Beutel

quetschies-anrissbild-vki.at_1060px.jpg

Quetschies enthalten extrem viel Zucker. Sie sind keine gesunde Zwischenmahlzeit für Babys und Kleinkinder.  Bild: VKI

Quetschies – Obstbreie in bunten Kunststoffbeuteln – werden als gesunde Zwischenmahlzeit für Babys und Kleinkinder beworben. Doch für die Kleinen ist das Püree aus dem Beutel alles andere als ideal.

Bei vielen Erwachsenen punkten Quetschies zunächst mit Komfort. Sie sind vor allem für unterwegs praktisch. Der Obstbrei im Kunststoffbeutel kann ungekühlt in der Tasche mitgenommen werden. Ist der Nachwuchs hungrig, braucht man lediglich die Verschlusskappe zu öffnen und dem Sprössling den Beutel in die Hand zu drücken. Da die Kleinen das Mus direkt aus dem Beutel saugen können, erübrigt sich auch das Mitnehmen von Löffel und Teller. 

Quetschies gibt es in so gut wie allen Super- und Drogeriemärkten, und bei Fastfood-Ketten werden sie mitunter auch als Dessert angeboten. Die Produktpalette wird immer größer. Längst wird nicht mehr nur einfaches Obstmus eingetütet. Mittlerweile finden sich auch Obstbreie mit Getreide und Zerealien, aber auch Gemüse-, Joghurt- oder Schokopudding-Quetschies in den Regalen. Die Hersteller umwerben zudem immer weitere Zielgruppen. Nach Babys, Kleinkindern und Schulkindern wird jetzt versucht, Schwangeren und Stillenden die Quetschbeutel schmackhaft zu machen. 

quetschies-fliesstext-vki.at_1000px.jpg

Quetschies enthalten extrem viel Zucker. Sie sind keine gesunde Zwischenmahlzeit für Babys und Kleinkinder.  Bild: VKI

Extrem hoher Zuckergehalt

Obst ist gesund. Also ist Obstbrei aus dem Beutel ebenfalls gesund? Nein, heißt es aus Fachkreisen wie von der Ernährungskommission der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin. Für Quetschies werden häufig sehr süße Obstsorten verarbeitet, und diesen werden noch Fruchtsaftkonzentrate (z.B. Apfelsaftkonzentrat) und konzentrierte Fruchtzubereitungen zugegeben. Das bedingt einen extrem hohen Zuckergehalt (und einen dementsprechend hohen Energiegehalt).

Stammt der Zucker ausschließlich aus der verwendeten Fruchtzubereitung, können auch solche zuckerreichen Produkte auf dem Etikett mit dem Hinweis „ohne Zuckerzusatz“ beworben werden. Diese Auslobung legt beim flüchtigen Blick auf die Packung nahe, dass es sich um ein Produkt mit wenig Zucker handelt. Um zu erfahren, wie viel Zucker der Brei tatsächlich enthält, muss man erst die Nährwerttabelle auf der Packung lesen. 

Der Obstbrei wird zur Süßigkeit

In Obstbreien mit weiteren Zutaten, z.B. bei den Sorten „mit Cookies“ oder „mit Keksen“, sind zusätzlich noch „normaler“ Zucker, Mehl und teilweise auch Palmfett verarbeitet. Aus dem vermeintlichen Obstbrei ist somit nichts anderes als eine Süßigkeit geworden. Joghurt und Pudding im Quetschbeutel enthalten genauso viel Zucker und Fett wie Produkte im Becher und sind ebenfalls als Süßigkeiten einzustufen.

Kinder nicht an süßen Geschmack gewöhnen

Zuckerreiche Lebensmittel können Krankheiten wie Adipositas und Diabetes fördern. Am besten ist es daher, Kinder gar nicht erst an einen starken Süßgeschmack zu gewöhnen. Obstbreie im Quetschbeutel für Schwangere und stillende Mütter haben übrigens einen ebenso hohen Zuckergehalt wie jene für Babys; auch sie sind daher nicht als Zwischenmahlzeit zu empfehlen.

Nährwertkennzeichnung mit Nutri-Score

Einige Hersteller kennzeichnen Quetschies vorn auf der Packung mit dem Nutri-Score. Diese Art der Nährwertkennzeichnung zeigt über eine 5-stufige Skala – von einem grünen A (gesund) bis zu einem roten E (ungesund) –, wie gesund ein Produkt ist. In die Bewertung fließen nicht nur einzelne Komponenten ein, z.B. die enthaltenen Mengen an Zucker oder Fett, sondern auch der Obst- oder Gemüseanteil im gesamten Lebensmittel. 

Für die Bewertung von Getränken und Speisen gelten bei der Berechnung des Nutri-Scores unterschiedliche Regeln. Quetschies werden im Allgemeinen genuckelt, sie sind in diesem Sinne also ein Getränk. Würden sie mit einem Löffel gegessen, so würde das Püree aber als Speise gelten. Hersteller machen sich dies zunutze und stufen die Breie im Quetschbeutel in der Regel als Speise ein.

Nutri-Scores: Einstufung als Speise ergibt bessere Produktbewertung

Die Verbraucherzentrale Bremen verglich die Nutri-Scores von Quetschies bei der Einstufung als Speise und bei der Einstufung als Getränk. Als Speise wurden die Pürees im Bereich der Stufen „A" bis „C" bewertet. Je höher der Fruchtanteil, desto besser die Beurteilung. Bei zuckerreichen Produkten (z.B. Pudding) war sie entsprechend schlechter. Bei der Einstufung als Getränk schnitten die Produkte deutlich schlechter ab (überwiegend mit „D" und „E"). Mit der Einstufung als Speise schummeln sich die Hersteller also quasi zu einer besseren Bewertung. 

Löffeln statt nuckeln

Das Saugen von Breien aus dem Quetschbeutel ist für Säuglinge und Kleinkinder aus mehreren Gründen schlecht. 
Beim Nuckeln bleibt der zuckerhaltige Brei lange im Mund – dadurch wird der Zahnschmelz angegriffen und die Entstehung von Karies gefördert. 

Babys und Kleinkinder sollten zudem generell nicht nebenbei mit Essen versorgt werden. Wird der Brei in einem Teller angerichtet, lernen die Kleinen schneller, mit dem Löffel zu essen. Beim Füttern wenden sich die Erwachsenen dem Kind zu, sprechen mit ihm – das ist wichtig für die Entwicklung. Die Kleinen sehen außerdem, was sie vorgesetzt bekommen. Durch das Kauen von weichem, frischem Obst wird die Mund- und Zungenmotorik trainiert, was wiederum die Sprachentwicklung fördert. 

Quetschies kommen teuer

Nicht zuletzt sind Quetschies eine teure Angelegenheit. Sie kosten etwa doppelt so viel wie Obstbrei im Gläschen und rund vier- bis fünfmal so viel wie ein Apfel. 
Und leere Quetschbeutel landen im Mistkübel. Frisches Obst hingegen kann man auch unverpackt kaufen.

Produkte mit purem Fruchtbrei vorziehen

Unsere Bilanz fällt dementsprechend nüchtern aus: Wenn schon Quetschies, dann solche aus puren Früchten oder gemischt mit Getreide, aber auch diese sollten wie eine Süßigkeit nur ausnahmsweise angeboten werden. Völlig verzichtbar sind Produkte, die etwa Fruchtsaftkonzentrate oder Kekse enthalten.


Diesen Beitrag teilen