Reiserücktritt: Terror und Katastrophen

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Reiserücktritt bei Terror und Katastrophen; Bild: Fly_dragonfly/Shutterstock.com

Wann können Sie von  Pauschalreisen und Flügen kostenlos zurücktreten?

Alles richtig machen beim Rücktritt von Urlaubsreisen

Ein kostenloser Rücktritt von Pauschalreisen oder Flügen ist möglich, wenn die Geschäftsgrundlage dafür weggefallen ist. Das heißt, wenn an dem konkreten Reiseziel unmittelbar vor Reiseantritt ein unplanmäßiges Ereignis auftritt, das die Sicherheitslage vor Ort extrem verschlechtert. Beispiele: Naturkatastrophen (Feuer, Erdbeben, Vulkanausbrüche, Hurrikane), Terror, Attentate, Bombardements, Geiselnahmen, Entführungen und andere politische Unruhen und daher der Reiseantritt unzumutbar ist.

Worauf es ankommt

  • Konkretes Reiseziel: Das Ereignis muss tatsächlich direkt in der Region oder am Ort auftreten. Beispiel: Anschläge in Brüssel sind nicht relevant,  wenn die Reise nach Berlin führt.
  • Unmittelbar vor Reiseantritt: Je näher die Abreise, desto höher die Chance auf kostenlosen Rücktritt. Wenn am 13. November ein Anschlag passiert, kann man nicht von einer Reise im Februar zurücktreten. Man muss zuwarten, wie sich die Lage entwickelt und kann den Rücktritt erst kurz vor der Abreise erklären.
  • Unplanmäßiges unzumutbares Ereignis: Das Ereignis darf bei der Buchung nicht bereits eingetreten  zu erwarten gewesen sein. Beispiel: Wer eine Reise nach Mali bucht, obwohl es dafür zum Zeitpunkt der Buchung schon eine offizielle Reisewarnung gab, kann nicht auf einen kostenlosen Rücktritt hoffen. 

Rücktritt bei Pauschalreisen einfacher

Wichtig: Es macht einen Unterschied, ob eine Pauschalreise gebucht wurde oder nur die Flüge. Bei Pauschalreisen ist es leichter, kostenlos zurückzutreten. Der Grund: Pauschalreisen umfassen Flug und Aufenthalt. Wenn sich die Sicherheitslage am gebuchten Reiseziel verschlechtert und der Aufenthalt gefährlich wird, reicht das als Rücktrittsgrund  aus, auch wenn der Flugverkehr gefahrlos funktioniert. Hat man aber nur den Flug gebucht, kann man nicht zurücktreten, da die Airline ihre Passagiere – wie vereinbart - von A nach B fliegt, außer es liegt  eine Sicherheitsgefährdung im Zusammenhang mit dem Flug vor, etwa  ein Terroranschlag am konkreten Flughafen.

Im Folgenden einige Beispiele für Rücktrittsgründe aus dem Beratungsalltag der Europäischen-Verbraucherzentrums Österreich (EVZ): europakonsument.at/de/page/krisen-kriege-terrorismus

  • Ägypten 2014/15: Anschläge auf einen Bus in Taba, Abschuss eines Flugzeugs in der Nähe von Sharm el Sheikh.
  • Westafrika und Elfenbeinküste 2014: Ebola-Epidemie.
  • Nepal 2015: Verheerendes Erdbeben, zahlreiche Todesopfer und streckenweise zerstörte Infrastruktur.

Rücktritt und Umbuchung

Teilen Sie dem Reiseveranstalter schriftlich mit, dass Sie die gebuchte Reise aus Angst wegen der gefährlichen Sicherheitslage nicht antreten werden und fordern Sie den kostenlosen Rücktritt. Reiseveranstalter bieten in solchen Fällen oft eine kostenlose Umbuchung auf ein anderes Reiseziel an.

Wenn dieses Alternativanbot für Sie gleichwertig und zumutbar ist (gleicher Reisepreis, Reisezweck und gleiche Reisezeit), müssen Sie es akzeptieren. Wenn nicht, müssen Sie erklären, warum Sie es ablehnen:

  • wegen der mindereren Qualität und Ausstattung der Unterkunft,
  • weil die neue Reise nicht wie geplant im August, sondern erst im September stattfinden kann
  • wegen der fehlenden Möglichkeit bestimmte ursprünglich angebotene Sportarten durchführen zu können.

Eine Umbuchung gegen Aufpreis müssen Sie keinesfalls annehmen! Auch nicht eine Umbuchung, weil etwa genau das gebuchte Hotel durch eine Katastrophe zerstört wurde und der Reiseanbieter somit die versprochene Leistung nicht anbieten kann.

Sie können in einem solchen Fall folgende beiden Musterbriefe für die Rücktrittserklärung  und für die Umbuchung auf Alternativreise verwenden: europakonsument.at/de/page/ruecktritt-wegen-gefahr-am-urlaubsort

Storno

Wenn der Reiseveranstalter oder die Fluglinie einen kostenlosen Rücktritt verweigert, kann man die Reise stornieren. Denn niemand kann dazu gezwungen werden, eine Reise anzutreten. Storno bedeutet, dass die Reisenden einen Teil der Reisekosten zahlen müssen. Je näher die Abreise, desto höher die Stornokosten.

Tipp: Das Europäische Verbraucherzentrum Österreich (EVZ), das im Auftrag des Sozialministeriums die Hotline "Gefahr am Urlaubsort" betreut, gibt gratis Auskunft, wann man von einer Reise kostenlos zurücktreten kann.

Telefon: 01/588 77 63 (Mo-Fr. 9-15.00 Uhr) Mail: reisen@europakonsument.at

Vor der Buchung

Informieren Sie sich bereits vor der Buchung einer Reise,  wo es aktuelle Krisen gibt. Auf der Website des Außenministeriums sind alle Länder mit einer aktuellen Reisewarnung aufgeliste. Sie finden hier auch Länder mit partieller Reisewarnung: nicht das ganze Land wird als gefährlich eingestuft, sondern nur bestimmte Regionen. Wichtig ist es, auf dieser Website das spezielle Reiseland anzuklicken und sich unter den Menüpunkten „Aktuelle Hinweise“ und „Sicherheit & Kriminalität“ genau zu informieren. Wer trotz aktueller Reisewarnung bucht, hat keine Chancen auf eine spätere kostenlose Umbuchung. Aktuelle Infos unter: europakonsument.at/de/content/gefahr-am-urlaubsort/

Auch ohne eine offizielle Reisewarnung ist es möglich, kostenlos von einer Reise zurückzutreten. Das hat der Verein für Konsumenteninformation (VKI) in Musterprozessen vor dem Obersten Gerichtshof (OGH) geklärt:

Es reicht, wenn die Gefahrenlage - auch im Lichte seriöser Medienberichte - das allgemeine Lebensrisiko deutlich überschreitet. Es ist daher die Frage zu stellen, ob es einem durchschnittlichen Reisenden zumutbar ist, in die betroffene Region zu fahren.

 

Nach der Buchung, vor Reiseantritt

Verfolgen Sie Medienberichte und Artikel seriöser Medien über das Reiseziel  und speichern diese am besten ab,  um allenfalls eine Verschlechterung der Sicherheitslage beweisen zu können. Informieren Sie sich beim Reiseveranstalter oder bei der Fluglinie über kostenlose Umbuchung oder  Rücktrittsmöglichkeiten,  wenn sich die Situation extrem zuspitzt.

Registrieren Sie sich  auf der Website des Außenministeriums, um bei einer Katastrophe für die Botschaft und Helfer leichter auffindbar zu sein.

Katastrophenfall am Reise-Ort

Nehmen Sie im Fall von Katastrophen, Terroranschlägen oder politischen Unruhen am Reise-Ort so schnell wie möglich Kontakt mit der österreichischen Vertretungsbehörde auf (oder mit der Vertretung eines anderen EU-Staates). Dort können Ersatzreise-Dokumente ausgestellt und Geld für die Heimreise vorgestreckt werden, sofern Sie unterschreiben, das Geld später zurückzuzahlen.

Versuchen Sie gleichzeitig  im Katastrophenfall Angehörige in Österreich zu erreichen, damit diese von Österreich aus helfen können.

Befindet man sich in einem Katastrophengebiet und will die Pauschalreise abbrechen, muss der Reiseveranstalter den Rücktransport organisieren. Die Mehrkosten des Rücktransportes hat grundsätzlich der Reiseveranstalter zu tragen. Reisende können für eine abgebrochene Reise vom Veranstalter auch den Preis der Reise anteilig zurückverlangen.


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