Social Media: Meine Daten gehören mir!

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Egal ob Computer oder Smartphone: Im Internet lauern Datenspione (Bild: Cliparea Custom Media / Shutterstock.com)

Egal ob Sie den Computer oder das Smartphone nutzen: Im Internet lauern zahlreiche Datenspione.

Gute Geschäfte mit Nutzerdaten

Wer online ist, gibt zwangsläufig Daten von sich preis. Diese sind die eigentliche Währung des Internets, denn weil es eine Nachfrage gibt, gibt es auch ein entsprechendes Angebot.

Zahlreiche Firmen sind auf das Datensammeln spezialisiert, viele andere betreiben es quasi nebenbei. Sie speichern Nutzerdaten und geben auch Informationen an Dritte weiter. So entstehen detaillierte Nutzerprofile, die nicht zuletzt bei der Werbewirtschaft begehrt sind.

Ganz verhindern können Sie den Datenfluss nicht (außer Sie verzichten auf die Internetnutzung). Einschränken können Sie ihn sehr wohl. Und Sie können Ihr Recht auf Datenschutz einfordern. Wir sagen Ihnen, wie dieses aussieht und welche Maßnahmen Sie setzen können. Außerdem haben wir bekannte Internetdienste und Smartphone-Apps unter die Lupe genommen, um festzustellen, wie sie es mit dem Datenschutz halten: Amazon, Facebook, Google, Instagram, Mjam, PayPal, Runtastic, Snapchat, Spotify, Tinder, WhatsApp, YouNow, YouTube und Zalando.

Was Unternehmen speichern dürfen

Grundsätzlich dürfen Unternehmen und Behörden all jene Daten speichern, die sie brauchen, um ihre Geschäfte abwickeln zu können. Sie dürfen alle Infos sammeln, die Personen freiwillig angegeben oder selbst im Internet öffentlich gemacht haben. Auch der Handel mit und der Austausch von Daten ist erlaubt. Einige Informationen sind besonders geschützt. Dazu gehören die ethnische Herkunft, die persönliche und politische Einstellung, Gesundheitsdaten und das Sexualleben. Keinen besonderen Schutz genießen Daten wie der Name, die Adresse, der Geburtstag oder das Einkommen. Wobei: Nicht alle Internetunternehmen halten sich an die Grundsätze, die in Europa bzw. in Österreich gelten. Es liegt also auch in Ihrer Hand, wie viel Wissen Google & Co über Sie sammeln. Indem Sie einige Regeln beachten, können Sie die „Datensaug-Aktionen“ zumindest einschränken.

Ihr Recht auf Datenschutz

Jeder EU-Bürger hat es: das Grundrecht auf Datenschutz. Es wird ständig weiterentwickelt und sichert Ihnen derzeit zu, dass

• Ihre personenbezogenen Daten geheim gehalten werden;
• Sie Auskunft über die über Sie gespeicherten Daten erhalten;
• Sie Informationen bekommen, zu welchem Zweck Ihre Daten verarbeitet werden;
• falsche Daten über Sie richtiggestellt werden;
• unzulässig gespeicherte Daten gelöscht werden.

Die 7 goldenen Datenschutz-Gebote

  • Allgemeine Geschäftsbedingungen (AGB) lesen: Bevor Sie Apps herunterladen oder bestimmte Angebote im Netz nützen, nehmen Sie sich ein bisschen Zeit, um sich mit den AGB und Datenschutzbestimmungen zu befassen. Überfliegen Sie sie zumindest und suchen Sie mit der Tastenkombination Strg+F nach Schlüsselwörtern wie „Datenschutz“, „Dritte“, „Euro“ oder „Rechtsverletzung“.
  • Daten sind die Währung, mit der im Internet bezahlt wird. Und so wie Sie beim Geld darauf schauen, wo Sie es ausgeben, sollten Sie es in Sachen Datenpreisgabe halten: „So viel wie nötig, so wenig wie möglich“, ist ein gutes Prinzip.
  • Löschen Sie Cookies (auf der Festplatte gespeicherte Minidateien) regelmäßig oder stellen Sie Ihren Browser so ein, dass er zumindest Drittanbieter-Cookies komplett zurückweist.
  • Verwenden Sie Trackingschutz und Werbeblocker, um zu verhindern, dass Datenkraken mitlesen, wie und wo Sie surfen (z.B. Ghostery und Adblock Plus).
  • Verschlüsseln Sie Ihre E-Mails, zum Beispiel mithilfe von PGP (Pretty Good Privacy) oder S/MIME. Anleitungen dazu gibt‘s unter selbstdatenschutz.info bzw. konsument.at.
  • Werden Sie aktiv, wenn Sie wissen möchten, was bestimmte Firmen über Sie speichern. Eine Anleitung, wie dies z.B. bei Facebook geht, finden Sie unten im entsprechenden Artikel.
  • Wenn Sie im Internet Infos über sich entdecken, von denen Sie nicht möchten, dass sie öffentlich sind, dann wehren Sie sich! Denn Sie haben ein Recht aufs Vergessenwerden – und damit das Recht auf Löschung bestimmter Daten. Wie Sie das bei den Suchergebnissen von Google beantragen, lesen Sie unten im entsprechenden Artikel.

Datensammler unter der Lupe

  • Amazon

    Amazon ist mit über 260 Millionen Kunden der größte Online-Versandhändler der Welt. Neben einem schier unendlich großen Warenangebot bietet das Unternehmen unter anderem eigene Hardware wie E-Book-Reader und Tablets sowie Streaming bzw. Downloadmöglichkeiten von Video- und Musikinhalten.

    Was Amazon von Ihnen wissen will
    Die für einen Händler nötigen Informationen wie Name, Adresse, E-Mail-Adresse sowie Zahlungsarten sind längst nicht genug. Der Händler speichert die gesamte Einkaufs- und Suchhistorie seiner Kunden. Je nach Nutzerverhalten geht die Datensammelwut des Konzerns so weit, dass er detailliert über Ihr persönliches Leseverhalten Bescheid weiß (Kindle), welche Filme Sie ansehen und welche Musik Sie hören (Einkäufe, Streaming, Downloads).

    Der nächste Schritt ist ein Lautsprecher namens Alexa, der über Spracherkennung auf Zuruf eine Einkaufsliste erstellen kann. Geplant ist, dass auch der Kauf selbst rein mündlich getätigt werden kann. Ist Alexa einmal aufgestellt, ist sie „always on“ und kann theoretisch alles mithören, was in den eigenen vier Wänden besprochen wird. Die Fülle an Kundendaten, die von Amazon gehortet werden, ist vergleichbar mit jener von Google oder Apple.

    So können Sie sich schützen
    Die Sammelleidenschaft des Unternehmens lässt sich nicht so leicht einschränken. Wenn Sie auf Amazon einkaufen möchten, müssen Sie diese Preisgabe von Informationen in Kauf nehmen. Und wenn Sie ein Buch in vollkommener Privatsphäre kaufen möchten, dann sind Sie in einer Buchhandlung besser aufgehoben. Aber: Ein Ausspionieren Ihres Einkaufsverhaltens im Netz sowie lästige, auf Ihr Suchverhalten maßgeschneiderte Werbeanzeigen können Sie mit der Installation von bestimmten Browser-Erweiterungen (Adblocker, Trackingschutz) eindämmen.

    Ghostery beispielsweise ist eine Anwendung, die Programme ausfindig macht, die im Hintergrund private Daten von Ihrem Gerät an andere Seitenbetreiber übermitteln. Diese Programme werden dann auf Wunsch blockiert. Speziell gegen Werbung arbeiten kostenlose Programme wie Adblock oder Adblock Plus.

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    Amazon ist der größte Online-Händler der Welt (Bild: Screenshot)

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    Die Kundenbewertungen auf Amazon sind mit Vorsicht zu genießen. Denn ein bestimmter Club an Testern (Amazon Vine) bekommt regelmäßig Gratisprodukte zugeschickt. Um auch länger in diesem Club bleiben zu dürfen, bewerten die Mitglieder diese Waren meist äußerst positiv; mitunter auch solche, die sich keine Lobeshymnen verdienen. Weiters sollte der Nutzer genau auf die Preise der angebotenen Produkte achten. Denn die können sich, insbesondere bei elektronischen Produkten, alle paar Stunden ändern. Die Ursache dafür ist eine vom Unternehmen angewendete sogenannte Intelligent Pricing Software. Die errechnet aus verschiedenen Faktoren, wann der Durchschnittskunde bereit ist, wie viel für ein Produkt auszugeben, und passt die Preise laufend an.   

  • Facebook

    Mit knapp 1,5 Milliarden Mitgliedern ist Facebook das zurzeit größte soziale Netzwerk der Welt. Die Seite verliert zwar im Vergleich zu anderen Plattformen besonders unter den Jugendlichen an Bedeutung.Trotzdem ist sie in Österreich nach Google immer noch die am zweithäufigsten besuchte Website.  

    Was Facebook über Sie wissen will
    Am liebsten alles! Facebook ist eine „Datenfressmaschine“! Mittlerweile wissen wir, dass der Konzern nicht nur das speichert, was wir auf Facebook und den ebenfalls dazugehörenden Kanälen WhatsApp und Instagram preisgeben. Er erhebt auch unser Surfverhalten auf anderen Seiten und kauft sich Daten von spezialisierten Sammelfirmen zu. Er wertet sie aus und erstellt ein detailliertes Persönlichkeitsprofil.

    Neben dem Namen, dem Geburtstag, Wohnort und der Zahl der Freunde enthält es Infos über persönliche Vorlieben, die politische und sexuelle Orientierung und sogar über unseren gesundheitlichen Zustand.

    So können Sie sich schützen
    Forscher haben herausgefunden, dass ein Computer, der 70 Likes analysiert, eine Person besser einschätzen kann als ein Freund. Nimmt er 300 Likes unter die Lupe, kennt er ihn bereits besser als sein Lebenspartner. Sprich, wenn Sie nicht möchten, dass Facebook so gut über Sie Bescheid weiß, dann sollten sie jeden Like und jeden Kommentar abwägen, selbst in geheimen Facebook-Gruppen. Außerdem können Sie die Auswirkungen der Datensammelwut von Facebook einschränken, indem Sie in den Privatsphäre-Einstellungen den Regler auf eine minimale Auswertung der persönlichen Daten zu Werbezwecken setzen (unter „Einstellungen/Werbeanzeigen/Werbeanzeigen & Freunde“  auf „bearbeiten“ klicken, das Feld „Kombiniere meine sozialen Handlungen mit Werbeanzeigen für“ auf „Niemand“ setzen und die Änderungen speichern).

    Weiters sollte unter der Rubrik „Einstellungen“ die Sichtbarkeit der eigenen Beiträge keinesfalls auf „alle“ gestellt sein. Bei den Apps (ein Unterpunkt von „Einstellungen“) sollten Sie die Funktion „Facebook Plattform“ abstellen, indem Sie den entsprechenden Button wählen. Dadurch wird verhindert, dass sich Facebook bei anderen Diensten wie zum Beispiel Spotify automatisch einloggt. Wenn Sie bestimmte Likes rückgängig machen möchten, können Sie das im Aktivitätenprotokoll tun. Und bei den Sucheinstellungen können Sie sich entscheiden, von wem Sie gefunden werden möchten. Hier sollten Sie über den „Bearbeiten“-Link die Option „Freunde“ auswählen.

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    Facebook: Das größte soziale Netzwerk der Welt (Bild: Screenshot)

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    Wenn Sie genau wissen möchten, was Facebook über Sie weiß, können Sie vom EU-Recht auf Einsichtnahme der gespeicherten Daten Gebrauch machen. Eines vorweg: Dazu brauchen Sie viel Ausdauer und Geduld. Zuerst müssen Sie ein Formular zur Herausgabe der Daten abschicken. Dann erhalten Sie eine Antwort-Mail, die auf ein Download-Tool verweist, auf dem Facebook einen nur mit einem Bruchteil der Daten abspeisen möchte. In Folge müssen Sie sich bei der irischen Datenschutzbehörde beschweren, von der Sie in der Regel aber ignoriert werden. Also heißt es lästig sein und sich gegebenenfalls bei der EU-Behörde beschweren. Alle Anleitungen dazu gibt‘s auf europe-v-facebook.org.

  • Google/Alphabet

    Google ist die meistgenutzte Suchmaschine der Welt. Zudem dominiert der Mutterkonzern Alphabet unter anderem den Markt für mobile Betriebssysteme (Android), Browser (Chrome), E-Mail-Dienste (Gmail) und Onlinevideos (YouTube). Dazu kommt jedes Jahr eine Vielzahl an neuen Diensten und Tochterunternehmen.

    Was Google von Ihnen wissen will
    Googles Machtfülle ist so groß, dass es in der Lage ist, mit Abstand die meisten Daten über eine Einzelperson zu sammeln. Sie geben ihm immer dann Infos, wenn Sie einen seiner Services in Anspruch nehmen. Sei es die Suchmaschine, sein Chrome-Browser oder Android, sei es, wenn Sie über Google Fotos Bilder mit anderen Menschen teilen oder Termine im Google Kalender eintragen.

    Wenn Sie bei Google Maps am Smartphone die Standorterfassung aktiviert haben, dann weiß das Unternehmen immer, wo Sie sich befinden. Über Gmail lesen die Algorithmen Telefonnummern, Post- und E-Mail-Adressen Ihrer Freunde und Bekannten mit. Gleichzeitig ist kein anderes Unternehmen so professionell darin, Infos auszuwerten und in das Angebot an maßgeschneiderter Werbung einfließen zu lassen.

    So können Sie sich schützen
    Da Google für die meisten von uns bereits zu so etwas wie einem ausgelagerten Denkapparat geworden ist, dem wir unsere intimsten Dinge anvertrauen, ist es schwer, der Firma wenig Daten preiszugeben. Allerdings sollte Ihnen bewusst sein, dass Google Ihre Daten zu Geld macht. Außerdem lässt sich die Sammlung und Auswertung von Daten begrenzen, indem Sie die Browser-Einstellungen so ändern, dass Cookies regelmäßig gelöscht werden.

    Weiters empfiehlt es sich, am PC einen Trackingschutz zu installieren. Denn Programme wie Ghostery oder Adblock verhindern, dass Dritte mitlesen, und sie blenden Werbung aus. Auch fürs Smartphone gibt es inzwischen Werbeblocker. Wer sich unabhängiger von Google machen möchte, der kann Dienste wie GMX oder Yahoo statt Gmail nutzen, Open Street Map statt Google Maps oder Firefox statt Chrome.

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    Google ist weit mehr als eine Suchmaschine (Bild: Screenshot)

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    Im persönlichen Google-Account kann ein jeder beim Konzern registrierte User (dazu reicht eine Gmail-Adresse, die Nutzung von Android oder anderen Google-Produkten) einen Teil der gespeicherten Daten sehen. Für die meisten ist der erste Blick in das Verwaltungssystem ein überraschendes Ereignis. Sie bekommen eine Übersicht Ihrer Apps, Ihrer Google-Suche, der über YouTube angehörten Songs, und bei aktiviertem GPS sehen Sie, wann Sie sich in den letzten Monaten und Jahren wo aufgehalten haben. Ein weiterer wichtiger Punkt für alle, die Einträge über sich aus der Suchergebnisliste von Google streichen lassen möchten: Seit der EU-Gerichtshof im Mai 2014 das „Recht auf Vergessen“ gestärkt hat, ist es möglich, den Konzern dazu zu verpflichten, Verweise auf Webseiten mit sensiblen Daten aus der Ergebnisliste zu streichen. Klicken Sie hier für nähere Infos.

  • Instagram

    Instagram ist eine App, mit der Fotos und Videos inklusive kurzer Texte verbreitet werden können. Die Bilder und Kurzfilme können mit verschiedenen Filtern versehen werden. Werden die Inhalte mit sogenannten Hashtags (#) versehen, so werden sie mit Bildern mit ähnlichen Inhalten verknüpft.

    Was Instagram von Ihnen wissen will
    Die App benötigt Zugriff auf die Kamera und die Fotos auf dem Smartphone – und bei Videoaufnahmen Zugriff auf das Mikrofon. Außerdem lässt sich Instagram in seiner Datenschutzerklärung erlauben, sämtliche Nutzerinhalte, Standortinformationen, die Geräte-ID und Daten aus Cookies an seinen Mutterkonzern Facebook weiterzugeben.

    So können Sie sich schützen
    Gegen die Datensammlerei von Instagram bzw. Facebook können Sie nicht viel tun. Sie können sich aber mehr Privatsphäre innerhalb der Instagram-Community verschaffen. Denn: Bei der Installation der App sind das Nutzerprofil und sämtliche Bilder automatisch für alle zugänglich. Es gibt jedoch die Möglichkeit, selbst einzustellen, wer die Inhalte sehen darf und wer nicht. Dafür müssen Sie auf dem Eingangsbild der geöffneten App unten rechts auf das Symbol der Visitenkarte klicken, dann auf die Funktion „Bearbeite dein Profil“ neben dem Profilbild. Daraufhin scrollen Sie nach unten und aktivieren die Funktion „Beiträge sind privat“. Von nun an ist Ihr Profil für die Öffentlichkeit gesperrt und neue Follower müssen immer erst von Ihnen akzeptiert werden, bevor sie Inhalte sehen können. Die Follower, die Sie vor der Aktivierung der Privacy-Funktion hatten, bleiben erhalten.  

    Weiters besteht die Möglichkeit, einzelne Bilder im eigenen Profil zu verbergen, und zwar, indem Sie das Profil wie davor beschrieben aufrufen, dann „Fotos von dir“ und daraufhin das gewünschte Bild auswählen und die Einstellung „in meinem Profil verbergen“ aktivieren. Auch das Taggen (das Markieren) von Bildern durch andere Nutzer ist bei Instagram von vornherein erlaubt. Wenn Sie selbst die Kontrolle darüber behalten möchten, auf welchem Bild Sie getaggt werden, sollten Sie in Ihrem Profil die Rubrik „Fotos von dir“ aufrufen, rechts  oben  „Einstellungen“  auswählen und „manuell“ hinzufügen. Von nun an können Sie jedes Tagging zuerst bestätigen oder ablehnen. Ungewollte Tags lassen sich im Nachhinein entfernen, indem Sie unter „Profil“/„Fotos von dir“ das betreffende Foto auswählen, das Tag antippen und die Option „Mich aus dem Foto entfernen“ wählen.

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    Auf Instagram werden Fotos und Videos geteilt (Bild: Screenshot)

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    Von Haus aus privater ist die Funktion „Instagram Direct“, die ebenfalls von der App angeboten wird. Damit können Bilder und Videos mit Messages an einzelne Personen verschickt werden und erscheinen auch nicht automatisch auf dem jeweiligen Profil. Auch Gruppen bis zu 15 Personen können unter Direct gebildet werden. Die Inhalte unter Direct können weder getaggt noch auf Instagram selbst, Facebook, Twitter & Co geteilt werden. Den „Direct-Modus“ finden Sie auf der Startseite rechts oben unter dem Schubladen-Symbol.

  • Mjam

    Mjam ist ein in Wien gegründeter Lieferdienstvermittler für Speisen und Getränke. Bestellt wird das Essen über die Homepage oder die App. Zur Auswahl stehen mittlerweile über 600 Restaurants in Österreichs größeren Städten.

    Was Mjam von Ihnen wissen will
    Eigentlich nur die Daten, die es benötigt, um Ihnen das Essen zustellen zu können: den Namen, die Telefonnummer, die E-Mail-Adresse, die Lieferadresse sowie, je nach Zahlungsmodalität, die Kreditkartennummer, das PayPal-Konto oder die Nummer einer Bankkarte. Doch wie sich im Jahr 2015 gezeigt hat, geht das Unternehmen nicht sorgsam genug mit diesen Daten um. Nachdem es bei Mjam ein Datenleck gegeben hat, sind zahlreiche Kunden aus Wien monatelang von Telefonkeilern (Scammern) belästigt worden. Wobei das Unternehmen erst nach einigen Wochen etwas gegen den Datenklau unternommen hat. Seine ahnungslosen Kunden hat es lange nicht aufgeklärt.

    So können Sie sich schützen
    Mit Mjam verhält es sich wie mit vielen anderen Internet-Services: Wollen Sie die Dienstleistung in Anspruch nehmen, bleibt Ihnen nichts anderes übrig, als die Daten preiszugeben. Sie können jedoch stets darauf achten, es im geringstmöglichen Ausmaß zu tun. Grundsätzlich sollten Sie die Telefonnummer bei Internetdiensten nur dann angeben, wenn es wirklich nötig ist, und im Zweifelsfall ganz auf die Anwendung verzichten. Vor dem Herunterladen von Apps wie der von Mjam sollten Sie gut überlegen, ob Sie sie auch tatsächlich brauchen. Außerdem sind Sie gut beraten, bei der Installation darauf zu achten, worauf die App Zugriff haben möchte. Nach der Registrierung auf Mjam sollten Sie rasch das Passwort wechseln und das in regelmäßigen Abständen wiederholen.

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    Ein Datenleck hat Mjam ins Gerede gebracht (Bild: Screenshot)

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    Der Fall Mjam hat gezeigt, wie schnell es gehen kann, dass auf einer angeblich sicheren Seite preisgegebene persönliche Daten in falsche Hände geraten. Wobei ein von einem Datenleck betroffener User es nicht zwangläufig mitbekommen muss. Dass Sie Opfer eines „Leaks“ geworden sind, erkennen Sie aber beispielsweise daran, dass Sie häufig von unterdrückten oder unbekannten Telefonnummern angerufen werden und die Person am anderen Ende der Leitung Ihnen etwas verkaufen möchte oder Geld verlangt, das Sie ihr angeblich schulden. Wenn Sie öfter von lästigen Telefonkeilern bedrängt werden, sollten Sie anonyme Anrufe und diejenigen Telefonnummern, unter denen die Scammer aufscheinen, sperren. Von selbst versteht sich, dass Sie diesen Anrufern keine weiteren privaten Daten preisgeben, alle Anfragen ablehnen und auflegen sollten. Da diese Keiler in vielen Fällen nicht lockerlassen, empfiehlt sich nachzufragen, welche Firma hinter dem Anruf steckt, sich den Namen des Unternehmens und des Anrufers geben zu lassen und Letzterem mitzuteilen, dass man der Sache rechtlich nachgehen werde. Weiters besteht die Möglichkeit, solche Anrufe beim Netzbetreiber zu melden und/oder Anzeige bei der Fernmeldebehörde zu erstatten.

  • Runtastic

    Die Runtastic-App protokolliert, wie oft und wie schnell man bestimmte Strecken läuft. Darüber hinaus bietet Runtastic eine Menge Zusatz-Apps und Hardware, die bei der Selbstvermessung hilft und Aktivitäten wie Radfahren, Sit-ups oder die Herzfrequenz und Schlafqualität aufzeichnet.

    Was Runtastic von Ihnen wissen will
    Je nachdem, welche Apps und Zusätze Sie verwenden, reichen die Protokollierungen von Ihrer Identität (Profildaten, Standort, Bilder, Videos, Audiodateien) über Ihre Bewegungsgewohnheiten bis hin zu höchst privaten Angelegenheiten wie Vitalfunktionen (Herzschlag), Schlafqualität und psychische Verfassung.

    So können Sie sich schützen
    Zwar versichert der Runtastic-Firmenchef, dass persönliche Informationen nicht an Dritte weitergegeben werden. Aber dass das auch in Zukunft (nicht zuletzt aufgrund der Übernahme durch Adidas) so bleiben wird, das möchte er nicht versprechen. Deshalb, und weil es sich um äußerst sensible Daten handelt, und weil die Aktivitäten diversen Tests zufolge ohnehin nicht präzise aufgezeichnet werden können, empfiehlt es sich, komplett auf den Fitnesstracker zu verzichten. Die Löschung der Gratisversion der App funktioniert, indem Sie sich auf runtastic.com einloggen, im Menü „Einstellungen“ wählen, auf „Login-Daten“ klicken, rechts unten auf „Meinen Account löschen“ gehen und „OK“ tippen.

    Wenn sie nicht auf die App verzichten möchten, können Sie mit bestimmten Einstellungen für ein wenig mehr Privatheit sorgen. So sollten Sie das „Live-Tracking“-Feature deaktivieren, denn es ermöglicht Dritten, die Laufroute und andere Infos einzusehen. Was genau andere User sehen können, das lässt sich unter den Privatsphäre-Einstellungen festlegen – wobei es gilt, bei der Datenpreisgabe so sparsam wie möglich vorzugehen. Außerdem sollten Sie Ihre Infos nicht auf Facebook oder Twitter teilen. Falls Social-Media-Plattformen  bereits  mitlesen, lässt sich das über „Menü/Einstellungen/Persönliche Info/ Profil bearbeiten/Soziale Verbindung/Verbindung trennen“ deaktivieren.

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    Runtastic: Eine beliebte App zur Selbstvermessung (Bild: Screenshot)

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    Das Erheben der eigenen Fitness, das die sogenannte Quantified-Self-Bewegung betreibt, ist ein großes und vor allem brisantes Zukunftsthema. Versicherungen interessieren sich bereits für solche Daten, weil sie Polizzen anbieten möchten, die vom Verhalten eines Menschen und seinem Fitness- und Gesundheitszustand abhängig sind. Sollten sich solche Modelle durchsetzen, dann würde nicht nur das solchen Versicherungen innewohnende Solidaritätsprinzip ausgehöhlt, sprich, dass die Gemeinschaft dafür aufkommt, wenn der Einzelne medizinische Hilfe braucht. Vielmehr noch würden die Kunden am Ende draufzahlen. Denn irgendwann hat wohl ein jeder mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen und muss gerade dann mit höheren Tarifen rechnen. Außerdem entstehen noch weitere Risiken. Bei einem Identitätsdiebstahl etwa können mithilfe der Daten Ausweise gefälscht werden. Zudem wird es Stalkern leicht gemacht, wenn sie z.B. Laufrouten live im Internet verfolgen können.

  • Snapchat

    Über den Messaging-Dienst Snapchat lassen sich Bilder und Videos verschicken, die nur für eine kurze Zeit sichtbar sind. Nach ein bis zehn Sekunden „verschwinden“ die Inhalte vom Gerät (werden aber nicht komplett gelöscht). Die App wird häufig zum sogenannten Sexting, das heißt zum Versenden freizügiger Bilder, verwendet.

    Was Snapchat von Ihnen wissen will
    Eine Menge! Snapchat lässt sich bei der Installation Zugriff auf deine Identität (Name, E-Mail- Adresse, Telefonnummer, Alter) erlauben, dazu auf Ihre Kontakte, den Standort, SMS, Fotos, Medien & Dateien, die Kamera, das Mikrofon sowie auf die Geräte-ID und die Anrufinformationen. Darüber hinaus sammelt die App Daten über Sie aus anderen Quellen, zum Beispiel über den Provider oder das verwendete Betriebssystem.

    So können Sie sich schützen
    Mittlerweile ist bekannt, dass über Snapchat verschickte Bilder und Videos nicht endgültig gelöscht werden und auch nicht wirklich „flüchtig“ sind. Sie sind in bestimmten Files „versteckt“ und können entweder wieder gefunden werden oder sie werden mithilfe von Apps wie „Pic Saver“ bei Erhalt automatisch fotografiert bzw. downgeloadet und gespeichert. Außerdem haben Snapchat-User (vorerst nur die in den USA) auch die Möglichkeit, sich für Geld Bilder und Videos zurückzuholen.

    Ebenso wenig schützt Snapchat die Nutzerdaten, wie nach einem Hack in den USA bekannt wurde, bei dem über Nacht 4,6 Millionen Userprofile online gestellt wurden. Daher sollten Sie gut überlegen, welche Inhalte Sie über die App verschicken. In den Privatsphäre-Einstellungen können Sie entscheiden, ob Sie Nachrichten nur von Freunden oder auch von Fremden erhalten möchten und ob Sie Inhalte nur mit Freunden oder mit jedem teilen möchten. Beide Funktionen sollten auf „Freunde“ gestellt sein (auf dem Zahnrad-Symbol oben rechts unter  „Wer  kann  ...“  sowohl bei „Mir Snaps schicken“ als auch  bei „Meine Geschichte ansehen“). Um einen Kontakt zu blockieren, müssen Sie auf die jeweilige Person in der Freundeliste tippen, dann auf das Zahnrad-Symbol  und  den  Button „Blockieren“ aktivieren. Gänzlich löschen lässt sich ein Kontakt, indem Sie auf demselben Wege unter dem Zahnrad-Symbol den Button „Löschen“ aktivieren.

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    Snapchat: Die Inhalte verschwinden nur scheinbar (Bild: Screenshot)

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    Ein Foto, das ursprünglich als Liebesbeweis für den Partner gedacht war, kann schnell zum Problem werden – etwa, wenn aus dem Freund ein „Ex“ wird, der auf Rache sinnt und das Bild in seinem Bekanntenkreis weiterschickt oder online stellt. Nicht selten werden Sexting-Inhalte auch zur Erpressung benutzt. Daher ist es ratsam, den/die Empfänger/in solcher Bilder sehr sorgfältig auszuwählen. Es sollte jemand sein, den man gut kennt und zu dem man Vertrauen aufgebaut hat. Was das Bilderschießen selbst betrifft, ist es besser, sich so abzulichten, dass man nicht eindeutig identifizierbar ist – etwa, indem das Gesicht nicht zu erkennen ist. Werden regelmäßig solche Fotos verschickt, dann schadet es nicht, sie auch immer wieder gemeinsam mit dem/der Freund/in vom Smartphone zu löschen.

  • Spotify

    Spotify ist ein Musikstreaming-Dienst, bei dem man Musik von großen Plattenlabels wie Sony, Emi und Universal, aber auch von vielen kleinen Labels legal und kostenlos hören kann. Für zehn Euro im Monat gibt es den Service in höherer Klangqualität und ohne Werbung.

    Was Spotify von Ihnen wissen will
    Seit Sommer 2015 wird eine Unmenge an Daten gesammelt. Im August hat der Dienst seine Datenschutzbestimmungen geändert und lässt sich seitdem Zugriff auf folgende persönliche Daten erlauben: Neben Username, Passwort und Mailadresse sind es das Geburtsdatum, das Geschlecht und die komplette Anschrift. Ist die App mit Facebook verknüpft, dann holt sie sich die Profildaten, die Namen und Profilbilder Ihrer Freunde und Gruppen sowie Ihre Likes und Posts auf Facebook. Spotify protokolliert, wie die User untereinander interagieren und was ins Mikrofon gesprochen wird; außerdem die am Handy gespeicherten Kontakte, Bilder und Videos. Auch Ihr Standort wird miterfasst, sofern das GPS aktiviert ist.

    So können Sie sich schützen
    Die Nutzung des Dienstes selbst kann recht öffentlich, aber auch ein wenig „privater“ vonstatten gehen. Wenn Sie nicht möchten, dass andere wissen, welche Musik Sie hören, dann solltem Sie sich bei der Installation der App mit der E-Mail-Adresse und nicht mit dem Facebook-Account anmelden. Wer sich schon bei der Installation gegen Facebook entscheidet, muss während des Prozesses nur den Button „Musik, die ich höre, auf Facebook teilen“ in der untere linken Ecke am Bildschirm auf Schwarz stellen (alternative Wahlmöglichkeit ist Grün).

    Wenn Sie die Verknüpfung mit dem sozialen Netzwerk nachträglich entfernen möchten, müssen Sie folgendermaßen vorgehen: die App öffnen, im Menü „Bearbeiten“ die „Einstellungen“ aufrufen und die Option „Meine Aktivitäten und Musik, die ich höre, auf Facebook teilen“ deaktivieren. Dann poppt ein Fenster auf, in dem nochmals „Posten auf Facebook deaktivieren“ markiert werden muss. Wenn Sie außerdem nicht möchten, dass Ihre Wiedergabelisten auf Spotify aufscheinen, können Sie es unterbinden, indem Sie unter „Interaktion“ den Button „Meine Aktivität und Musik, die ich höre, mit Followern auf Spotify teilen“ deaktivieren.

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    Spotify: Musikgenuss geht auch hier privater (Bild: Screenshot)

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    Unter „Interaktion“ können weitere Einstellungen, die die Wiedergabeliste betreffen, vorgenommen werden. Einen größtmöglichen Schutz der Privatsphäre haben Sie, wenn Sie die Buttons bei „Neue Playlists automatisch veröffentlichen“, „Mich als Top-Hörer für Künstler veröffentlichen“ und „Meine aktuellen Top-Künstler anzeigen“ auf Schwarz stellen und stattdessen die Option „Private Session“ aktivieren. Wenn Sie hingegen nur bestimmte Playlisten für sich behalten wollen, können Sie das auch einzeln tun, indem Sie mit der rechten Maustaste auf die jeweilige Wiedergabeliste klicken und dann „Geheim halten“ aktivieren. Um sich schließlich noch vor allzu lästiger Werbung zu schützen, sollten Sie in Ihren Profil-Einstellungen auf das Häkchen unter „Meine Personendaten können zu Marketingzwecken weitergegeben werden“ verzichten.     

  • Tinder

    Unter Jugendlichen hat sich Tinder mittlerweile zur meistgenutzten Datingplattform entwickelt. Über GPS wird einem Mitglied angezeigt, welche anderen flirtwilligen User in der Nähe sind. Der Nutzer entscheidet nach dem „Hot or Not“-Prinzip, mit einem Wisch nach links oder rechts, ob er den anderen gut findet oder nicht. Wenn sich beide „liken“, dann eröffnet sich eine Chatmöglichkeit.

    Was Tinder von Ihnen wissen will
    Mehrheitseigentümer von Tinder ist die New Yorker Internetfirma IAC, der noch einige weitere Datingportale wie Match.com, Meetic oder OkCupid gehören. In den Allgemeinen Geschäftsbedingungen sichert Tinder sich und seinen Mutter- und Tochterunternehmen das weltweite, unbefristete, unwiderrufliche Lizenzrecht am gesamten Content der Tinder-Nutzer. Dazu gehören Name, Geschlecht, Wohnort und Fotos – Infos, die allesamt auf den amerikanischen Servern einer Datenkrake landen.

    Außerdem werden durch die Verbindung des Facebook-Profils alle Ihre Facebook-Daten an Tinder übertragen. Dazu kommt, dass ein junger Kalifornier bewiesen hat, dass Tinder relativ leicht zu hacken ist/war. Er machte sich einen Spaß daraus, ahnungslose Männer miteinander chatten zu lassen, die glaubten, sie unterhielten sich mit Frauen.

    So können Sie sich schützen
    Auf der sicheren Seite sind Sie, wenn Sie die App komplett vom Smartphone löschen. Das funktioniert folgendermaßen: Tinder starten und oben links auf das „Einstellungen“-Symbol klicken. „App-Einstellungen“ auswählen und nach unten scrollen. Anschließend auf "Konto löschen" klicken und die Abfrage mit „Konto löschen“ bestätigen. Nach einigen Sekunden sind Sie ausgeloggt und das Konto ist gelöscht. Aber Vorsicht: Zwar ist jetzt die Verbindung von Facebook zu Tinder gelöscht. Trotzdem befindet sich die Anwendung weiterhin in den Facebook-Einstellungen und muss auch in den Facebook-Apps gelöscht werden.

    Wenn Sie auf Tinder bleiben möchten, aber nicht wollen, dass Ihre Facebook-Freunde es sehen, können Sie bei den Facebook-Einstellungen unter „Sichtbarkeit der Apps“ die Option „Nur ich“ auswählen.

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    Tinder: Heikler Flirt mit Unbekannten (Bild: Screenshot)

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    Bei der Nutzung von Tinder nehmen Sie das Risiko in Kauf, dass andere erfahren, wo Sie sich gerade befinden, und möglicherweise auch, wo Sie wohnen. Da es sich beim Gegenüber in der Regel um einen Unbekannten handelt, sollten Sie eine gewisse Vorsicht walten lassen. Will ich, dass derjenige weiß, in welcher Gegend ich mich aufhalte? Diese Frage sollte sich jeder Tinder-User stellen, bevor er sich auf einen Wisch in die „Like“-Richtung oder einen Chat einlässt. Weiters sollten Sie sich Zeit lassen, bis es zum ersten Treffen kommt. Und es will gut überlegt sein, an welchem Ort das passieren soll. Keinesfalls sollte es das eigene Zuhause sein und auch nicht das des Flirtpartners. Am besten eignet sich ein neutraler Ort, von dem man leicht wieder verschwinden kann, falls das Gegenüber ein „Flop“ ist. Das Lieblingskaffeehaus sollte es ebensowenig sein. Denn wer will dem „Leider-nicht-Partner“ später noch öfter über den Weg laufen?     

  • WhatsApp

    WhatsApp ist ein Chat-Dienst, über den Textnachrichten, Fotos, Videos, Sprachaufzeichnungen und Standortinformationen zwischen zwei Menschen oder in Gruppen ausgetauscht werden. Die Anwendung gehört zum Facebook-Konzern und wird von über 700 Millionen Menschen jeden Tag genutzt.

    Was WhatsApp von Ihnen wissen will
    Sehr viel! Das wird schon bei der Anmeldung klar, bei der sich der Dienst Zugriff auf Ihre Identität, Ihre Kontakte, Ihren Standort, Ihre SMS, Fotos, Medien und andere Dateien erlaubt.

    Außerdem auf Ihre Kamera, Ihr Mikrofon, Ihre WLAN-Verbindungsinfos, Ihre Geräte-ID sowie die Anrufinformationen.

    So können Sie sich schützen
    Früher erklärte WhatsApp in seinen Allgemeinen Geschäftsbedingungen, keine Garantie dafür zu übernehmen, dass Inhalte vertraulich behandelt und sicher übertragen werden. Letzteres hat sich mit Einführung der Ende-zu-Ende-Verschlüsselung zum Besseren gewendet. Aber: WhatsApp behält sich weiterhin vor, die Userdaten mit Dritten zu teilen „wenn es für die Nutzung, Pflege und Verbesserung des Services nötig ist“. Daher wäre es freilich am konsequentesten, komplett auf den Dienst zu verzichten. Aber wie viele wollen das schon? Wenigstens haben Sie die Möglichkeit, Ihre Datenschutz-Einstellungen in einem sehr beschränkten Maß zu individualisieren.

    Wenn Sie zum Beispiel nicht möchten, dass die ersten Zeilen einer Message auf dem Bildschirm angezeigt werden (falls das Handy an einem Ort liegt, an dem ein zweiter den Text mitlesen kann), dann sollten Sie unter den Einstellungen „Vorschau anzeigen“ deaktivieren. Möchten Sie verhindern, dass die Chatpartner sehen, ob Sie eine Nachricht schon gelesen haben, dann können Sie die Lesebestätigungs-Funktion unter „Einstellungen/Account/Datenschutz“ ausschalten. Allerdings können Sie dann auch keine Bestätigungen von anderen sehen. Den „zuletzt online“-Status können Sie ebenfalls unter „Datenschutz“ ausschalten, wodurch die anderen User nicht mehr sehen können, wann Sie WhatsApp zuletzt benutzt haben. Der Online-Status selbst lässt sich nicht verbergen. Beim Profilbild und dem Status können Sie wählen, ob diese Info für jeden, nur für Ihre Kontakte oder für niemanden ersichtlich ist – wobei Sie keinesfalls „jeder“ einstellen sollten.

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    WhatsApp, der Messenger für Millionen (Bild: Screenshot)

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    WhatsApp mag der populärste Chatdienst sein. Doch es gibt auch alternative Anbieter, zu deren Verwendung sich möglicherweise auch Ihr Freundeskreis überreden lässt. Der Dienst Line etwa verdient sein Geld nur mit dem Verkauf von Stickern. Für Gruppen-Chats eignen sich die Apps GroupMe oder KakaoChat. Letzterer ist in Sachen Datensicherheit sogar ISO-zertifiziert. Generell unter Datenschützern beliebt sind die beiden Schweizer Anwendungen Threema und MyEnigma. Beide setzen komplett auf verschlüsselte Kommunikation und sammeln keine Nutzerdaten.

  • YouNow

    Auf YouNow können sich Nutzer filmen und die Aufnahmen live im Internet veröffentlichen (broadcasten) und umgekehrt anderen Nutzern beim Streamen zusehen. Über ein Chatfenster lässt sich das Gesehene kommentieren und mit den „Darstellern“ kommunizieren.

    Was YouNow von Ihnen wissen will
    Die Registrierung kann nur über Facebook, Twitter oder Google+ erfolgen. Im Zuge des Prozesses erhält YouNow von der jeweiligen Plattform diverse Infos:

    Ihren Namen, die von Ihnen dort bekannt gegebenen Tätigkeiten, Ihren Wohnort, Ihre Interessen, Vorlieben, Fotos und Videos, Ihre E-Mail-Adresse und Telefonnummer, Ihre Freunde in den sozialen Medien „und mehr“, wie YouNow in seiner Datenschutzerklärung schreibt.

    So können Sie sich schützen
    Abseits davon, welche Daten YouNow erfasst, birgt es ein Gefahrenpotenzial, sich online vor einer großen Menge unbekannter Menschen darzustellen. Noch dazu, wo man schnell einmal mehr private Einblicke gibt, als man eigentlich möchte – und man sich oft nicht dessen bewusst ist, dass eine Tat oder ein Satz bei einer Liveübertragung nicht im Nachhinein herausgeschnitten werden kann. Außerdem wird häufig gegen Persönlichkeits- und Urheberrechte verstoßen, etwa wenn andere Personen mitgefilmt werden oder Musik- oder Videomitschnitte im Stream vorkommen.

    Wenn Sie sich für eine Anmeldung auf YouNow entscheiden, sollten Sie sich Ihren Zusehern keinesfalls mit Ihrem Klarnamen, sondern unter einem Nickname vorstellen. Festgelegt wird er, indem Sie am Eingangsbild auf dem PC nach dem Einloggen oben auf das Profilbild klicken, unter „Settings/Information/Nickname“ ein Häkchen setzen und einen Spitznamen eingeben (unter Android  und iOS muss unter dem Zahnrad-Symbol unter „Edit Profile/Nickname & Url“ der Regler „Replace your Real Name“ aktiviert werden). Ebenso wenig sollte der Wohnort preisgeben werden. Dafür müssen Sie am PC unter „Profilbild/Settings/Privacy“ ein Häkchen bei „Hide my city“ setzen.

    Lästige User im Chat können blockiert werden, indem Sie auf das Profil der jeweiligen Person klicken, dann auf das Fähnchen und dann auf „Block“. Sollten sich User unangebracht verhalten, empfiehlt sich eine Meldung der Person beim Moderator (Klick auf „Kontaktiere einen Moderator“, Formular ausfüllen und abschicken). Ein Nutzer kann aber auch über sein Profil gemeldet werden, und zwar wieder mit einem Klick auf das Fähnchen und der Wahlmöglichkeit „Report User“. Dabei sollte ein Begründung wie etwa „Offensive Conduct“, „Nudity“ oder „User under 13“ angegeben werden.

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    YouNow ermöglicht bedenkliche private Einblicke (Bild: Screenshot)

    Extratipp
    Fragen Sie sich, ob Sie es nötig haben, sich auf der Seite zu präsentieren! Wenn doch nicht, dann ist das Konto schnell gelöscht – und zwar, indem Sie auf Ihr Profilbild klicken und im Dropdown-Menü  den  Punkt  „Settings“  wählen. Dann  klicken Sie auf „Connected Accounts“ und rechts neben dem sozialen Netzwerk (z.B. Facebook) auf „Disconnect“. Endgültig gelöscht wird das Konto unter „Privacy/Terminate my Account“ und „Yes, Terminate“.

  • YouTube

    Für viele Jugendliche ist es bereits die wichtigste Seite im Netz: Das Videoportal YouTube, auf dem Sie als Nutzer kostenlos Videos ansehen, liken und disliken sowie   kommentieren können. Außerdem können Sie auch selbst Filme hochladen.

    Was YouTube von Ihnen wissen will
    Die Plattform gehört Google/ Alphabet – darum fließen alle Daten auf die Server des Konzerns und fungieren dort als „kleiner“ Baustein im gesamten Wissen, dass der Internetriese über jeden einzelnen Internetnutzer angesammelt hat. Ein jeder, der über ein Google-Konto verfügt, ist damit automatisch auch auf YouTube registriert.

    Das heißt: Viele haben ein YouTube-Konto, wissen es aber nicht. YouTube selbst sammelt alle Infos über das Seherverhalten seiner Seitenbesucher; darüber, welche Musik und welche Filme der Einzelne mag; je nach den angeschauten Inhalten und der Nutzungsintensität weiß YouTube über Ihre Vorlieben und Hobbys Bescheid – ob Sie gerne Tiere mögen (Katzenvideos...), Kochsendungen, gefährliche Stunts und so weiter.

    So können Sie sich schützen
    YouTube – und damit Google – die eigenen Daten vorzuenthalten, ist nicht möglich, wenn Sie die Videoplattform nutzen. Wohl aber können Sie für Privatheit gegenüber den anderen YouTube-Usern sorgen, zum Beispiel, indem Sie den Zugang zu Ihren Playlists einschränken. Das können Sie am PC unter „Video Manager/Playlists/Bearbeiten/Playlist-Einstellungen tun, indem sie dort die Option „Privat“ wählen. Dann können nur Sie selbst und von Ihnen ausgewählte (registrierte) Nutzer die Playlist anhören. Dasselbe gilt für Ihre eigenen Videos – auch die können auf „Öffentlich“ oder „Privat“ gestellt  sein.

    Daneben  existiert mit „nicht gelistet“ noch ein „Zwischending“. Auf diese Art eingestellte Videos können nur von Usern angesehen werden, die den direkten Link dazu haben. Über die YouTube-Suche dagegen ist das Video nicht auffindbar. Eine weitere Wahlmöglichkeit in Sachen Datenschutz besteht hinsichtlich der Videostatistiken. Die können sich Nutzer wahlweise direkt unter dem Video  ansehen  –  oder auch nicht, wenn Sie als Bereitsteller des Videos das nicht möchten. Dann können Sie es verhindern, indem Sie unter „Einstellungen/Datenschutz“ das Häkchen unter „Statistiken und Daten für meine Videos standardmäßig öffentlich anzeigen“ entfernen.

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    Konkurrenz fürs Fernsehen: Videoplattform YouTube (Bild: Screenshot)

    Extratipp
    Kurios aber wahr: Rechtlich gesehen ist die Nutzung von YouTube erst ab dem „rechtlich erforderlichen Alter für den Abschluss eines Vertrages“ erlaubt, wie die Plattform in ihren Geschäftsbedingungen schreibt. Das beträgt in Österreich, abhängig vom Rechtsgebiet, 14 bzw. 18 Jahre. Alle, die Videos auf YouTube stellen,sollten sich davor in Sachen Urheberrechte (Rechte zum Schutz geistigen Eigentums) schlau machen. Sie sollten nur Material hochladen, für das Sie die Rechte besitzen; deswegen sind zum Beispiel TV-Mitschnitte oder irgendwo gedownloadete Filme ein No-Go.Von Bedeutung ist auch, welche Musik im Hintergrund eines selbst gedrehten Films läuft und welche Personen mitspielen (Persönlichkeitsrechte).

  • Zalando

    Zuerst hat das Start-up aus Berlin nur Schuhe verkauft. Heute ist Zalando mit weit über 150.000 Artikeln im Angebot eines der größten Modeversand-Unternehmen ganz Europas. So groß geworden ist es, weil es die Ware kostenlos verschickt und wieder zurücknimmt.

    Was Zalando von Ihnen wissen will
    Erfreulich wenig! Ein Test, in dem vom EU-weit geltenden Recht auf unentgeltliche Auskunft über die gespeicherten Kundendaten Gebrauch gemacht wurde, ergab Folgendes: Der Händler speichert nur das Nötigste wie Bestellnummer, Zeitpunkt des Einkaufs, Name, Mail-, Rechnungs- und Versandadresse und die Höhe des Bestellwertes sowie die Zahlart.

    Darf man dem Schreiben von Zalando Glauben schenken, werden keine Tiefendaten wie Alter, Familienstand, Hobbys und Vorlieben gespeichert. Informationen über die Bonität eines Kunden holt sich Zalando von einer Kreditauskunftei, hierzulande von der Firma CRIF.

    So können Sie sich schützen
    Generell hält sich Zalando an die im Vergleich zu den USA viel strengeren Datenschutzgrundsätze in Europa. Der Einkauf auf dieser Plattform birgt also kein großes Risiko. Wohl aber gibt es einige Tricks und Kniffe, die möglichem Datenmissbrauch entgegenwirken und grundsätzlich beim Gebrauch des Internets ratsam sind. Zum Beispiel sollten Sie Ihren Internetbrowser so konfigurieren, dass Cookies nach dem Schließen des Browsers gelöscht und Drittanbieter-Cookies überhaupt blockiert werden.

    Außerdem sollten keine Passwörter im Browser gespeichert werden. Es ist zwar mühsamer, aber sicherer, wenn Sie bei Anmeldungen im Netz immer aufs Neue nach Username und Passwort gefragt werden. Und: Die Passwörter sollten nicht für alle Websites dieselben sein. Was die Registrierung auf verschiedenen Seiten wie Zalando betrifft, sollte man als User immer nur das Allernötigste angeben.

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    Beim Datenschutz ist Zalando geradezu vorbildlich (Bild: Screenshot)

    Extratipp
    Stichwort Social Plug-ins – und zwar nicht nur bei Zalando, sondern bei allen Webseiten im Netz: Die Buttons von Facebook, Twitter & Co werden auf Seiten aller Art eingebaut, sei es auf Verkaufsseiten, auf Blogs oder Fanseiten eines Fußballvereins. Mithilfe dieser Plug-ins könndn Sie eine Seite schnell und einfach „liken“, indem Sie auf das blaue Kästchen mit dem Daumen-hoch-Zeichen klicken. Facebook läuft derweil im Hintergrund mit und bekommt die Info, dass Sie auf eben dieser Seite surfen – sogar, wenn Sie zu der Zeit nicht im Netzwerk angemeldet sind. Das erlaubt den Social-Media-Riesen, noch umfassendere Surfprofile ihrer Nutzer zu erstellen. Zalando agiert bei den Social Plug-ins vorbildhaft, weil es die sogenannte 2-Klick-Lösung anwendet. Dabei sind die von Facebook und Twitter eingebetteten Buttons zunächst deaktiviert. Als Nutzer müssen Sie erst mit einem Klick zu- stimmen, dass Sie die Kommunikation mit den Netzwerken zulassen. Mit einem zweiten Klick schließlich wird dieses Teilen mit den Social-Media-Seiten erst aktiviert. Doch noch längst nicht alle Seiten wenden die 2-Klick-Lösung an. Sie müssen deshalb zuerst überlegen, bevor Sie außerhalb von Facebook auf „Teilen“ klicken.  


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