TEST: Pestizide in Obst und Gemüse 8/2020

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Wir haben konventionell erzeugtes Obst und Gemüse, das in Supermärkten und bei Diskontern angeboten wird, getestet. Von 30 Produkten waren 6 auffällig. (Bild: VKI)

Wir haben konventionell erzeugtes Obst und Gemüse, das in Supermärkten und bei Diskontern angeboten wird, getestet. Von 30 Produkten waren 6 auffällig.

Dass wir bei der Ernährung zu viel Obst und Gemüse greifen sollten, gehört mittlerweile zum Allgemeinwissen. Doch in der Land­wirtschaft eingesetzte Pflanzenschutzmit­tel (Pestizide) sorgen dafür, dass uns der Appetit auf die an sich gesunde Kost bis­weilen vergeht.

Pestizide, Chlorate, Perchlorate

Wir wollten wissen, wie stark Obst und Ge­müse, das in österreichischen Supermärk­ten und bei Diskontern verkauft wird, mit Pestiziden belastet ist. Darüber hinaus ha­ben wir die Produkte auf Chlorate und Perchlorate untersucht. Chlorate wurden früher zur Bekämpfung unerwünschter Pflanzen ausgebracht, mittlerweile ist ihr Einsatz in der EU verboten. Allerdings wer­den Chlorverbindungen zur Aufbereitung von Waschwasser für Obst und Gemüse sowie etwa zur Reinigung von Sortieranlagen verwendet. Dabei können Chlorate und Perchlorate auf die Produkte überge­hen und in die Umwelt gelangen.

30 Produkte im Test

Wir ha­ben insgesamt 30 verschiedene Produkte, darunter 16 Obst- und 14 Gemüseprodukte, eingekauft und im Labor auf mehr als 600 verschiedene Chemikalien untersuchen las­sen. Der Einkauf der Ware erfolgte im Mai.

Beim Obst wurden insgesamt 10 Sorten untersucht:

  • 1 x Äpfel
  • 2 x Birnen
  • 2 x Erd­beeren
  • 2 x Grapefruits
  • 2 x Heidelbeeren
  • 1 x Himbeeren
  • 2 x Kirschen
  • 1 x Nektari­nen
  • 2 x Trauben
  • 1 x Wassermelone

 

 

 

Beim Gemüse umfasste die Auswahl 9 Sorten:

  • 2 x Brokkoli
  • 1 x Chicorée
  • 2 x Grüne Bohnen (Fisolen)
  • 1 x Gurke
  • 2 x Melanzani
  • 3 x Paprika
  • 1 x Stangensellerie
  • 1 x Toma­ten
  • 1 x Zucchini

Die Testtabelle informiert Sie u.a. über: 

  • Supermarkt, Herkunft, Preis per kg bzw. Stück
  • Anzahl der Wirkstoffe, Summe Ausschöpfung (Höchstgehalt in %),
  • Vorhandensein bedenklicher Pestizide
  • Chlorat in mg/kg, Perchlorat in mg/kg

Importware

Bei den Produkten handelte es sich bis auf drei Ausnahmen (Äpfel, Erdbeeren, Melan­zani) um Importware aus Ländern, die im­mer wieder durch belastete Produkte auf­fallen. Ein Nebenergebnis unserer Recher­che war, dass Obst und Gemüse aus Län­dern anderer Kontinente mittlerweile zum Standardrepertoire in österreichischen Supermärkten gehört.

Pestizide als Bedrohung

Pestizide sind Giftstoffe, die in der Land- und Forstwirtschaft etwa gegen tierische Schädlinge, Pilze oder unerwünschte Pflanzen eingesetzt werden. Die Substanzen sind allerdings nicht nur für die Schädlinge gefährlich, sondern auch für Nützlinge und andere Organismen. Im Fall von Säugetieren bzw. dem Menschen machen sich negative Folgen der Belas­tung teilweise erst nach Jahrzehnten be­merkbar. Rückstände aus Spritzmitteln sind eine Bedrohung für die Artenvielfalt und belasten teilweise auf lange Sicht Boden und Wasser. In unserem jüngsten Kürbiskernöl-Test etwa stießen wir in den Ölen auf Spritzmittelrückstände, die schon lange verboten sind und bereits seit Jahrzehnten nicht mehr eingesetzt werden.

Nach wie vor Handlungsbedarf

Analysen der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) zufolge hat sich die Situation, was Rückstände von Pes­tiziden in konventionell erzeugtem Obst und Gemüse anbelangt, zwar verbessert, dennoch besteht nach wie vor Handlungs­bedarf. Im Jahr 2018 wurden insbesondere in Weintrauben, Grapefruits, Paprika, Me­lonen, Melanzani und Brokkoli hohe Pesti­zidbelastungen festgestellt. Untersuchungen aus Deutschland im selben Jahr ­brach­ten hohe Belastungen bei Blattgemüse (di­verse Salate, Stangensellerie), Melanzani, Fisolen, Chilischoten, Gemüsepaprika, Gurken, Melonen, Tomaten und Zucchini ans Licht.

VKI-Tipps

  • Obst oder Gemüse: Im Obst haben wir deutlich mehr Pestizidrückstände gefunden als im Gemüse.
  • Abwechslung und Vielfalt: Nicht alle konventionell erzeugten Obst- und Gemüseprodukte sind mit Pestiziden belastet. Wenn Sie bei bei Obst- und Gemüsesorten variieren, senken Sie damit auch das Risiko für eine allzu hohe Pestizidbelastung.
  • Bio: Am besten beraten sind Sie allerdings mit Ware aus biologischer Landwirtschaft.
  • Saisonal: Obst und Gemüse, das gerade Saison hat, ist weniger anfällig für Krankheiten und wird daher weniger mit Pflanzenschutzmitteln behandelt.
  • 5 Handvoll täglich: Obst und Gemüse ist sehr gesund. 5 Handvoll pro Tag sollten es mindestens sein. Auch die Angst vor Pestiziden sollte uns davon nicht abhalten. 

MEHR ZUM THEMA

Unseren vollständigen (kostenpflichtigen) Testbericht inklusive umfangreicher Testtabelle finden Sie unter www.konsument.at/pestizide082020.


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