VKI-Erhebung: Plastikverpackungen im Supermarkt

anriss.jpg

Obst und Gemüse sind im Supermarkt meist mit viel Plastik umhüllt. Wer Müll vermeiden will, tut sich schwer. Wir haben untersucht, welche Supermärkte und Produkte die höchsten und niedrigsten Plastikquoten aufweisen. (Foto: Birgit Beck)

Jede Menge unnötiger Müll. Wer beim Einkauf von Obst und Gemüse im Supermarkt Verpackungsmüll vermeiden möchte, tut sich schwer. Viele Produkte werden unnötigerweise in Plastik verpackt angeboten, oft günstiger als offene Ware.

Plastikmüll im Supermarkt

Immer mehr Konsumentinnen und Konsumenten achten beim Einkauf im Supermarkt darauf, Kunststoffmüll zu vermeiden. Viele Unternehmen haben ihr Marketing inzwischen entsprechend angepasst, und geben sich nach außen gerne als ökologische Musterknaben. Doch wie umweltbewusst ist der Handel? Wir haben uns ein Bild vor Ort gemacht. Im Juni besuchten VKI-Tester insgesamt 58 Filialen der 13 wichtigsten Lebensmittelanbieter in Österreich. Im Visier hatten sie das Angebot an Äpfeln, Gurken, Karotten, Paprika und Tomaten. Ergebnis: Auch wenn man das Symbol für unnötige Verpackung schlechthin, die in Plastikfolie eingeschweißte Gurke, zunehmend aus den Regalen verschwindet, gibt es viel Luft nach oben. Obst und Gemüse wird in den Supermärkten immer noch viel zu oft in Plastikverpackungen verkauft.

Diskonter im Hintertreffen

hofer.jpg

(Klicken Sie das Bild, um es in Originalgröße zu sehen)

Auf den meisten Plastikmüll stießen wir bei den Diskontern. Bei Hofer, Lidl und Penny sind deutlich über 70 Prozent des genannten Obst- und Gemüseangebotes in Plastik verpackt. Auch klassische Supermärkte sind keine Vorbilder, wenn es um die Reduzierung von Kunststoffverpackungen geht. Bei Merkur, Billa, Interspar, MPreis, Spar Gourmet und ADEG liegt die Plastikquote bei deutlich über 60 Prozent. Mit Abstand am besten schnitt der Bioanbieter Denn´s ab. Hier waren nur 16 Prozent der erfassten Obst- und Gemüsesorten in Plastik verpackt. Halbwegs akzeptabel ist auch Etsan mit einer Plastikquote von 38 Prozent. 

Unverpackt kostet mehr

Oft bleibt dem Konsumenten dabei kaum eine andere Wahl, als zu abgepackter Ware zu greifen. Absurderweise sind abgepackte Produkte zudem oft deutlich günstiger als unverpacktes Obst und Gemüse. Karotten etwa sind in vielen Geschäften als offene Ware überhaupt nicht erhältlich. Werden sie offen angeboten, handelt es sich in der Regel um teurere Bundkarotten. Ebenfalls überwiegend verpackt im Handel sind Paprika. Der Klassiker, das in Folie verschweißte 3er-Set in den Sorten grün, gelb und rot, kommt deutlich günstiger als  eine selbst zusammengestellte Kombination aus unverpackt angebotenen Schoten. 

Auch Tomaten fielen durch eine enorm hohe Plastikquote und große Preisunterschiede zwischen verpackter und offener Ware auf. Kleineren Sorten wie Cocktailtomaten werden fast immer nur verpackt angeboten, lediglich die großen Rispentomaten sind auch offen erhältlich. Bei Hofer kosteten diese 1,99 Euro pro Kilo. Greift man zum abgepackten Pendant (ohne Rispen), muss man 50 Cent weniger für das Kilo berappen. Erhebliche Preisunterschiede machten unseren Testern auch bei Äpfel aus. Ein 2-Kilo-Plastisack S-Budget-Äpfel war bei Interspar zum Kilopreis von 0,75 Euro zu haben, offen angebotenen S-Budget-Äpfel kosten dagegen 1,29 Euro, also um 70 Prozent mehr.  

Plastikquote

Erhoben wurde der verpackte Anteil der Angebote von Äpfeln, Gurken, Karotten, Paprika und Tomaten. Eine Plastikquote von 100 Prozent würde bedeuten, dass keine unverpackten Angebote erhältlich sind. Die Erhebung fand im Juni 2019 statt. 

plastikquote.jpg

(Klicken Sie das Bild, um es in Originalgröße zu sehen)

Karotten

Trauriger „Spitzenreiter“ bei der Plastikquote ist die Karotte. Durchschnittlich 82 Prozent des Angebotes. Bei Etsan, Hofer, Lidl, Penny und Unimarkt fanden wir ausschließlich in Plastik verpackte Karotten vor. Nicht viel besser sieht es bei den meisten anderen Anbietern aus. 

kohlrabi.jpg

(Klicken Sie das Bild, um es in Originalgröße zu sehen)

Tomaten 

71 Prozent des Tomatenangebotes sind nur in Kunststoffverpackung erhältlich. Zehn Anbieter fallen mit eine Plastikquote von über 75 Prozent negativ auf. 

tomaten.jpg

(Klicken Sie das Bild, um es in Originalgröße zu sehen)

Gurken 

Über einzeln verpackte Gurken regen sich Konsumenten schon seit langem auf. Der Handel hat offenbar darauf reagiert. Die Verpackungsquote liegt im Durchschnitt nur noch bei 50 Prozent. Nachholbedarf besteht vor allem bei Interspar und bei Spar Gourmet.  

gurken.jpg

(Klicken Sie das Bild, um es in Originalgröße zu sehen)

Paprika 

Durchschnittlich 62 Prozent der Paprika sind verpackt. Trauriger Spitzenreiter war Nah&Frisch – hier gab es in den besuchten Märkten nicht eine unverpackte Paprika im Angebot. 

paprika.jpg

(Klicken Sie das Bild, um es in Originalgröße zu sehen)

Äpfel 

Bei den Äpfeln ist die Bandbreite besonders groß. Denn´s und Etsan hatten nur unverpackte Ware im Angebot, bei Hofer war dagegen 89 Prozent des Apfelangebotes verpackt. Die Plastikquote lag im Durchschnitt bei 46 Prozent

aepfel.jpg

(Klicken Sie das Bild, um es in Originalgröße zu sehen)

VKI-Tipps

  • Unverpackte Ware einkaufen. Lassen Sie verpacktes Obst und Gemüse möglichst im Regal liegen und greifen Sie zu offen angebotener Ware. Verwenden Sie Mehrweg-Beutel oder legen Sie es direkt in den Einkaufswagen - Sie waschen es ja ohnehin vor dem Verzehr. Damit helfen Sie Plastikmüll zu vermeiden und üben Druck auf die Industrie aus, auf unnötigerweise verpackte Ware zu verzichten.
  • Saisonal einkaufen. Wer bewusst saisonal einkauft, kann erheblich zum Umweltschutz beitragen. Kaufen Sie Früchte wie Birnen oder Erdbeeren im Supermarkt nur dann ein, wenn diese bei uns Saison haben. Obst und Gemüse aus Gewächshäusern, die mit fossilen Brennstoffen beheizt werden, sind keine Alternative, denn auch sie haben meist eine schlechte CO2-Bilanz.
  • Regional einkaufen. Je kürzer die Transportwege, desto besser. Wer die Möglichkeit hat, Obst und Gemüse lokal, am besten direkt beim Bauern zu beziehen, ohne, dass er dafür extra ins Auto steigen muss, schützt Klima und Umwelt. 

Testkriterien

Im Juni 2019 wurden insgesamt 58 Supermärkte aufgesucht (je Anbieter zwischen drei und fünf Filialen) und das Angebot an Äpfeln, Gurken, Karotten, Paprika und Tomaten erfasst. Das Angebot wurde unterteilt in verpackt und unverpackt.

Plastikquote. Die Plastikquote gibt den Anteil des verpackten Angebotes wieder. Dabei wurde keine Differenzierung vorgenommen. Alle Verpackungstypen (Plastikkübel, Folie, Folie über Karton, Plastiksack, “Bio“-Kunststoffe) wurden der Plastikquote zugerechnet. 

Probe-Abo bei KONSUMENT? Unser Angebot für Sie!

abopackage_print-probeabo_obstsackerl_07_gross0.jpg

Neugierig auf die Arbeit von KONSUMENT geworden? Wir haben spezielle Probe-Abonnements für Sie!

Plastikfrei einkaufen mit KONSUMENT: Ihr Probeabo für die nächsten 3 KONSUMENT-Hefte inklusive ONLINE-Zugang + nachhaltiges Obstsackerl um nur 5,80 €. Mit Ihrem Kurz-Abo haben Sie vollen Zugriff auf alle Artikel unserer Website - inklusive Testtabellen. Das Abonnement endet automatisch und es entstehen keine Versandkosten bzw. weitere Verpflichtungen für Sie. Überzeugen Sie sich von unserer Arbeit und testen Sie KONSUMENT 3 Monate lang. 


Diesen Beitrag teilen