VKI: Sterben und Erben im Internet

Digitaler Nachlass – eine Bestandsaufnahme

Sterben war im Internet lange kein Thema. Bis heute ist nicht klar geregelt, was mit der digitalen Hinterlassenschaft passiert. Was geschieht mit dem Vermächtnis, auf das sich in der physischen Welt nicht so einfach zugreifen lässt? Die Rede ist von Benutzerkonten bei Onlineshops, sozialen Medien, E‑Mail-Anbietern, Bank- und Bezahldiensten, Website-, Streaming- und Cloud-Providern oder den persönlichen Blog und die dort hinterlegten Daten bzw. Inhalte. Der Verein für Konsumenteninformation (VKI) hat sich angesehen, welche Möglichkeiten zur Regelung von digitalen Nachlässen derzeit bestehen. Den vollständigen Bericht gibt es ab 25. Oktober im Testmagazin KONSUMENT und auf www.konsument.at.

Ein Computer und die darauf befindlichen Daten eines Verstorbenen sind in der Regel ein Teil der Hinterlassenschaft. Somit dürfen die Erben nach dem Ende des Verlassenschaftsverfahrens darüber verfügen. Aber wie sieht es bei den Daten von Online‑Konten aus? In Deutschland hat der Bundesgerichtshof in Karlsruhe mit der Entscheidung, dass Facebook-Konten samt digitalem Inhalt auf die Erben übergehen, ein richtungsweisendes Urteil gefällt. Aber auch bei den deutschen Nachbarn bleiben weiterhin viele Fragen offen. Genau genommen ist nicht einmal der immer öfter genannte Begriff „digitaler Nachlass“ klar definiert.

Für Erben besonders relevant sind jene Konten, bei denen es um Persönliches wie Fotos, Filme oder Chatverläufe geht und solche, die Kosten verursachen oder aus denen Ansprüche auf Geldleistungen entstehen. Was Hinterbliebene im Einzelnen tun müssen, um Zugriff auf die Benutzerkonten eines Verstorbenen zu erhalten, ist im besten Fall in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) des Anbieters geregelt. Oft ist – wie in der analogen Welt – die Übermittlung von Sterbeurkunde, Personalausweis oder Reisepass und des Nachweises der gerichtlichen Übergabe der Verlassenschaft an die Erben (Einantwortungsurkunde) erforderlich. Aber selbst wenn alle Unterlagen beisammen sind, heißt das nicht, dass der Prozess einfach und unbürokratisch abläuft oder dass die Erben einen vollständigen Zugriff auf die Daten erhalten.

„Oft wissen die Hinterbliebenen nicht einmal, wo überall Online-Accounts bestehen“, gibt Gabi Kreindl, Projektleiterin beim VKI zu bedenken. „Es empfiehlt sich für jeden, der sich um seinen Nachlass sorgt, eine schriftliche Übersicht anzulegen und schon vorab zu entscheiden, was gegebenenfalls mit Konten und Daten geschehen soll. Hilfreich ist es auch, eine Vertrauensperson zu bestimmen und sich zu überlegen, wie man dieser Person Benutzernamen und Passworte für Online-Konten, Computer, Handy etc. in geeigneter Form zugänglich machen kann. Letztendlich bleibt es einem dabei jedoch nicht erspart, die Mühe zu investieren, die es braucht, um all das möglichst aktuell zu halten. Mittlerweile bieten auch einige Bestattungsunternehmen die Löschung von Online-Konten als kostenpflichtige Dienstleistung im Rahmen eines sogenannten ‚Nachlass-Service‘ oder ‚Abmelde-Service‘ an. Hier sollte man sich aber auf jeden Fall vorab über Leistungsumfang und Preisgestaltung informieren“.    

SERVICE: Den vollständigen Bericht gibt es ab 25. Oktober in der November-Ausgabe der Zeitschrift KONSUMENT und auf www.konsument.at.


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