VW-Abgasskandal 2018

Der Abgasskandal zieht breitere Kreise. Audi und Ford sind erwischt worden; Affen mussten Abgase inhalieren, Behörden und Politik wissen nicht, wie sie vorgehen sollen. - Hier unsere Chronologie:

  • 3/2018 Manipulation: EU-weite Standards in Planung, VKI darf VW klagen

    VW-Chef rechtfertigt hohes Gehalt
    30.3.2018: Im Interview mit dem „Spiegel“ verteidigt VW-Chef Matthias Müller sein hohes Gehalt und gibt Fehler zu. „Ich gebe unsere Fehler ja zu. Bei uns wurde in der Vergangenheit Mist gebaut. Aber wir haben die Probleme behoben und allein in Deutschland bereits 2,1 Millionen Autos mit Software nachgerüstet, sodass sie jetzt absolut gesetzeskonform sind. Das sind über 90 Prozent der hierzulande betroffenen Autos“, fügt er für Deutschland hinzu. Zudem habe man mit Umtauschprämien 170.000 alte Diesel von der Straße geholt. Mit der Relevanz des Unternehmens für die Volkswirtschaft und das Risiko als Konzernchef versucht Müller sein hohes Gehalt zu rechtfertigen. Zu drohenden Fahrverboten räumt Müller ein: „Wir haben das wohl unterschätzt, wie übrigens auch die Politik“.

    Gebrauchte Diesel und Benziner: Wert gestiegen
    30.3.2018: Erstmals seit September 2017 ist im Februar 2018 der Eurotax-Markt-Index für drei Jahre alte Gebrauchtwagen wieder gestiegen, um 2 auf 102,1 Punkte, sowohl Diesel als auch Benziner legten im Wert um 2 Prozent zu. Einzig die Jungwagen litten an Überangebot. Anstiege gab es bei fast allen Hauptsegmenten (Geländewagen, Mitteklasse, kleinere und mittlere Geländewagen) und untere Mittelklasse). Nur das wichtigste Modell der unteren Mittelklasse, der VW Golf, fiel zurück. Die mittleren Standtage stiegen jeweils um einen Tag, bei Benziner auf 73, bei Diesel auf 81. Während die Zahl der verkauften Fahrzeuge stark gestiegen ist, sank die Zahl der neu angebotenen Fahrzeuge leicht. (AUTO-Information 2413)

    VW: Autos in USA zwischengelagert
    29.3.2018
    : Volkswagen hat Dutzende gigantische Parkplätze in den USA gemietet, um Hunderttausende im Dieselskandal zurückgekaufte Autos abzustellen. Rund 300.000 Autos stehen auf 37 Plätzen, wie aus Gerichtsakten des für das Programm zuständigen unabhängigen Verwalters hervorgeht. Die Autos würden zwischengelagert und regelmäßig gewartet, erklärte VW-Sprecherin Jeannine Ginivan. Bis Mitte Februar brachte VW den Akten zufolge mehr als 7,4 Mrd. US-Dollar (5,97 Mrd. Euro) für den Rückkauf von rund 350.000 Dieselfahrzeugen auf. Das Programm läuft noch bis Ende 2019. Wegen des Skandals um manipulierte Abgassoftware hat sich VW bereiterklärt, in den USA insgesamt mehr als 25 Mrd. Dollar zur Regulierung von Schäden bereitzustellen.

    D: Umweltministerin will Nachrüstung auf Kosten der Autoindustrie
    28.3.2018: Im Interview mit der „Zeit“ (28.3.2018 Seite 4 Politik) spricht sich die deutsche Umweltministerin Svenja Schulze (SPD) unmissverständlich gegen Fahrverbote und für Nachrüstungen auf Kosten der Autoindustrie aus. „Die Autos wären ja nicht weg, die werden nicht verschrottet, die fahren bloß anderswo herum. Mich beschäftigt, wie wir den Ausstoß von Stickoxiden und Feinstaub verringern können, ohne dass das unsere Mobilität einschränkt“. Was Diesel betrifft, „muss die Autoindustrie die Nachrüstungen bezahlen, ganz klar. Es reicht nicht, nur neue Software aufzuspielen. Auch die Kosten für die Hardware-Nachrüstung müssen von der Industrie übernommen werden“, sagt die neue Umweltministerin wörtlich.

    Nach Razzia: Erste Zivilklage gegen BMW
    27.3.2018: Nach der Razzia vor einer Woche folgt nun die erste Zivilklage gegen BMW im Bundesstaat New Jersey. Bei den Modellen X5 und 330d seien demnach Abgase per Software manipuliert worden. BMW war bislang der einzige deutsche Autobauer, der über die Vorwürfe des Abgasbetrugs erhaben war. Im US-Bundesstaat New Jersey reichten die auf Abgasbetrugsfälle spezialisierte Kanzlei Hagens Berman und eine weitere Sozietät eine Sammelklage auf Schadenersatz gegen BMW ein. Der Vorwurf: BMW habe die Kunden in die Irre geführt.

    Die Modelle stießen auf der Straße vielfach mehr gesundheitsschädliches Stickoxid aus, als in den USA erlaubt. "Die versprochene Leistung, Spritsparsamkeit und Effizienz wurden nur eingehalten, indem die Abgaskontrolle ausgeschaltet oder gedrosselt wurde, sobald die Software registrierte, dass die Fahrzeuge nicht in einer Testumgebung sind", heißt es in der Klageschrift. "Wir äußern uns wegen des laufenden Verfahrens nicht", teilte ein US-Sprecher von BMW auf Nachfrage der Nachrichtenagentur dpa in einem Statement mit.

    Ö: Diesel verliert an Beliebtheit
    23.3.2018
    : Laut „Mobilitätsbarometer 2018“ im Auftrag der VAV-Versicherung büßt Diesel in Österreich massiv an Beliebtheit ein. Nur 28 % entscheiden sich beim nächsten Auto für einen Diesel (37% taten dies noch im Vorjahr) und 35 % für einen Benziner. 12 % sind für einen Hybrid, 11 % wollen überhaupt kein Auto mehr und lediglich 6 % sind für ein E-Auto. Größtes Hindernis für E-Autos ist ihre geringe Reichweite, gefolgt von den Anschaffungskosten. Sollte der Preis unter 20.000 Euro fallen, könnten sich 21 % der Befragten doch noch für ein E-Auto erwärmen. (AUTO-Information 2412)

    Liste Pilz: Effizientere Sammelklagen ermöglichen
    23.3.2018
    : Die Liste Peter Pilz wird am 4.4.2018 im Justizausschuss versuchen, eine effizientere Art von Sammelklagen in Österreich einzuführen. Durch eine „Verbandsmuster-Feststellungsklage“ soll ermöglicht werden, dass ein professioneller Verbraucherverband alle wesentlichen Rechts- und Sachfragen von Masseschäden in einem einzigen Verfahren klärt. Allein das Einreichen einer solchen Klage stoppt die Verjährungsfristen automatisch für alle Geschädigten. Diese müssen nicht selbst aktiv werden, sondern können das Ergebnis in Ruhe abwarten.

    Sollten sie damit nicht einverstanden sein, haben sie innerhalb einer bestimmten Frist die Möglichkeit, den Vergleich abzulehnen. Die SPÖ versucht, eine etwas kompliziertere Form von Gruppenklagen durchzubringen. Beide Initiativen sollen den Verbrauchern Erleichterungen bei Massenschäden bringen, da sich das geltende Instrument der Sammelklagen nach österreichischem Recht nicht für grenzüberschreitende Fälle eignet.

    D: Erneut Unregelmäßigkeiten bei VW
    20.3.2018
    : In der Abgasaffäre hat die Staatsanwaltschaft Braunschweig erneut Büros von Volkswagen durchsucht. Diesmal geht es um den Verdacht falscher Angaben zu Kraftstoffverbrauch und CO₂-Ausstoß. Der Fall geht allerdings über VW hinaus: Auffällig hohe CO₂-Werte gab es nicht nur bei den Wolfsburgern, sondern in der gesamten Autobranche. Die Razzia bei VW hat bereits Anfang März stattgefunden, berichtet die Wirtschaftswoche: 13 Büros der VW-Konzernzentrale in Wolfsburg wurden durchsucht. Das Verfahren läuft nach Angaben der Staatsanwaltschaft bislang gegen „Unbekannt“. Zu den mutmaßlichen Verstößen soll es im Herbst 2015 gekommen sein, also nach Beginn der Abgasaffäre mit Millionen betroffenen Dieselfahrzeugen.

    VW hatte Anfang November 2015 mögliche Unregelmäßigkeiten bei CO₂-Werten gemeldet. Rund 800.000 Fahrzeuge könnten betroffen sein. Volkswagen bezifferte die wirtschaftlichen Risiken für das Unternehmen damals auf rund zwei Milliarden Euro. Wenige Wochen später, im Dezember 2015, gab VW jedoch Entwarnung. Man habe "keine rechtswidrige Veränderung" der CO₂-Werte festgestellt. Nur bei einigen Modellen gebe es leichte Abweichungen. Die ursprünglich genannte Zahl habe sich nicht bestätigt, es gehe nur noch um 36.000 Fahrzeuge. Die Staatsanwaltschaft Braunschweig geht nun dem Verdacht nach, diese zweite Mitteilung könnte falsch gewesen sein.

    Geltendes Recht mit Lücken
    Der VW-Vorstand hatte damals die Anwaltskanzlei Freshfields mit einer Untersuchung der CO₂-Werte beauftragt. Das Ergebnis, festgehalten in einem Prüfbericht vom 1. Dezember 2015: VW nutze "gesetzliche Toleranzen". Das geltende Recht weise Lücken auf, die dem Autokonzern gewisse Spielräume gewährten. Das neue Verfahren ist bereits der fünfte Fall, in dem die Staatsanwaltschaft dem Verdacht von Unregelmäßigkeiten bei VW nachgeht.

    Durchsuchung BMW: Unzulässige Abschalteinrichtung?
    20.3.2018
    : 100 Beamte durchsuchen Büroräume der BMW-Zentrale in München und des Dieselmotorenwerks in Steyr (Österreich). Die Staatsanwaltschaft München I ermittelt wegen des Verdachts der Abgas-Manipulation in 11.400 Fällen. "Es besteht der Anfangsverdacht, dass die BMW AG eine prüfstandbezogene Abschalteinrichtung verwendet", teilte die Staatsanwaltschaft mit.  Nach Angaben der Staatsanwaltschaft hatte das Kraftfahrtbundesamt (KBA) wenige Tage vorher von Aussagen von BMW-Mitarbeitern bei einem KBA-Termin berichtet.

    Ein Versehen?

    Firmenvertreter hätten eingeräumt, in den Modellen 750xd und M550xd unzulässige Abschalteinrichtungen verbaut zu haben. Dabei hätten die BMW-Vertreter jedoch erklärt, es handle sich um ein Versehen. Ein BMW-Sprecher bestätigte die Durchsuchungen. Sie stünden "im Zusammenhang mit einer fehlerhaft zugeordneten Software". Das Programm sei für die SUV-Modelle X5 und X6 entwickelt worden, aber irrtümlich auch auf zwei 5er- und 7er-Modelle aufgespielt worden. Dort funktioniere die Abgasreinigung dann nicht mehr korrekt.

    Die Deutsche Umwelthilfe hatte den Münchnern Anfang des Jahres vorgeworfen, bei einem Diesel-BMW 320d die Abgassoftware womöglich durch illegale Abschalteinrichtungen manipuliert zu haben. Das Kraftfahrt-Bundesamt entlastete den Autohersteller BMW damals jedoch vom Vorwurf der Abgas-Manipulation. Die Behörde fand keine Beanstandungen.

    Cobin Claim: Chance auf Abgeltung für Betroffene
    19.3.2018
    : Egal ob Unternehmer oder Private - Cobin Claim gibt österreichischen Betroffenen des VW-Dieselskandals die Chance zu klagen. Ziel von „dieselklage.at“ ist es, für alle, die ein betroffenes Auto gekauft haben, eine direkte Abgeltung in Geld von ca. 15 Prozent des Kaufpreises zu erhalten. Die Teilnahme an dieselklage.at ist einfach und unbürokratisch über das Internet möglich, es entstehen keine Kosten, da ein Prozessfinanzierer alle Kosten übernimmt. Für jede Teilnehmerin und für jeden Teilnehmer wird ein individualisierter Privatbeteiligtenanschluss im österreichischen Ermittlungsverfahren gegen die Volkswagen AG eingebracht, sowie Sammelklagen quer durch Österreich. Nach erfolgreichem Abschluss wird der zustehende Ersatzbetrag einfach auf das Konto überwiesen, verspricht Cobin Claims.

    GB: Brexit gefährdet Klimaziele
    19.3.2018
    : Europas Autohersteller fürchten - laut Darstellung ihres Verbandes European Automobile Manufacturers' Association (ACEA) - wegen des Brexits die Klimaziele für 2021 zu verfehlen, da in GB 16 % aller E-Autos und 31 % aller teilweise mit Strom betriebenen Hybride zugelassen sind. Fielen die britischen Fahrzeugflotten weg, gerieten die CO₂-Ziele in Gefahr. Der Verband schlägt vor, GB trotz Brexit weiterhin in der Statistik zu belassen. Sonst müsse man „das Ziel von 95 Gramm auf den Prüfstand stellen“, so ACEA.

    Neuwagenmarkt: Diesel im Rückstand
    16.4.2018
    : Der Neuwagenmarkt ist auch im zweiten Monat des Jahres gekippt. Mit 13.990 Stück wurden mehr Benziner zugelassen als Diesel-Pkw (11.391). Laut Angaben der Statistik Austria wurden in den ersten zwei Monaten 55.067 Pkw neu zugelassen, um 6,6 % mehr als im entsprechenden Vorjahreszeitraum. Während die Benziner um 30,6 % auf 28.884 zulegten, gab es bei Diesel-Autos ein Minus von 14,3 % auf 23.756. Gleichzeitig wurden 846 Stück reine Elektro-Pkw gekauft, um 22 % mehr als im Jahr zuvor. Die Autoimporteure rechnen 2018 mit einem neuen Zulassungsrekord von 360.000 (AUTO-Information 2411).

    D: VW verliert Rechtsstreit
    16.3.2018
    : VW hat in einem Rechtsstreit vor dem Hamburger Landgericht verloren. Der VW-Händler muss den manipulierten VW-Tiguan zurücknehmen und gegen einen Neuwagen tauschen. Der Richter befand, dass es unerheblich sei, ob bereits eine neue Software aufgespielt sei, da die Nachbesserung durch das Software-Update für den Kläger unzumutbar sei. In der Urteilsbegründung des Landgerichts Hamburg hieß es: „Der Durchschnittskäufer kann bei einem Autokauf erwarten, dass das von ihm erworbene Fahrzeug die Abgaswerte einhält, und zwar nicht nur durch eine beigefügte Software für den Prüfstand.“
    Bemerkenswert ist auch, dass kein Nutzungsabschlag abgezogen wird. Das nach Meinung des Anwalts „bahnbrechende Urteil“ ist nicht rechtskräftig. VW pflegt in solchen Fällen Berufung einzulegen, scheut aber den Gang vor oberste Gerichte.

    Porsche: Früherer Entwicklungschef weiter in U-Haft
    16.3.2018
    : Der frühere Entwicklungschef der Porsche AG/Stuttgart, Wolfgang Hatz, muss wegen Flucht- und Verdunkelungsgefahr weiter in U-Haft bleiben, hat das Oberlandesgericht München entschieden. (AUTO-Information 2411)

    VW: Oberster Manager mehr wert als betroffene Kunden?
    15.3.2018
    : Sein oberster Manager ist dem VW-Konzern halb so viel wert als alle 384.000 betroffenen Kunden in Österreich zusammen. 10,14 Millionen bekam VW-Chef Matthias Müller für das Jahr 2017. Die  Software-Updates für alle 384.000 Schummelautos in Österreich kosten VW zirka 20 Millionen Euro. Für eine echte Hardware-Nachrüstungen der manipulierten Autos auf Kosten des Konzerns sprechen folgende Argumente (siehe auch Gastkommentar von Lydia Ninz “Echte Nachrüstungen – was sonst?” in der Wiener Zeitung vom 15.3.2018, Seite 2):

    “Diesel-Besitzer müssen im Folge des Dieselskandals fassungslos zuschauen, wie der Wert ihres Fahrzeugs tagtäglich schmilzt. Diese Wertvernichtung ist nur mehr zu stoppen, wenn man die Schummelautos endlich sauberer macht. Das Software-Update mit dem das Problem zugungsten VW behoben werden soll, schafft es nicht. Dafür braucht es schon echte Nachrüstungen der Autos mit einem Abgasreinigungssystem

    Ein Rechenbeispiel: Manipulierte Diesel-Pkw (Euro 5) stoßen im Schnitt 900 Milligramm Stickoxid (NOx) pro Kilometer aus. Das Software-Update bringt nur eine Senkung um 30 %. Also bleiben danach noch immer 670 mg NOx pro/km übrig – meilenweit vom Grenzwert von 180 mg/km entfernt. Der nachträgliche Einbau einer Abgasreinigung (SCR-Katalysator, Steuerung, Sensoren, Ad Blue Tank) senkt den NOx-Ausstoß um bis zu 90 %!  Mit einem NOx-Ausstoß von nur mehr 90 mg/km wären diese Autos auf der Straße dann sogar sauberer als die modernsten Diesel-Autos.

    Nicht bei allen ist diese Umrüstung technisch möglich. Würde aber auch nur Hälfte der 384.000 manipulierten VW-Schummelautos in Österreich nachjustiert – z.B. 200.000 – könnten 2.200 Tonnen NOx pro Jahr eingespart werden. Zahlen müsste VW als Verursacher der Misere. Bei Selbstkosten von 1.500 Euro pro Auto und Nachrüstung wären das 300 Millionen und damit nur 30 Mal so viel, wie der VW-Chef in einem einzigen Jahr verdient."

    Merkel erstaunt: Einkommenszuwächse bei VW-Managern
    14.3.2018
    : Bundeskanzlerin Angela Merkel hat sich erstaunt über die Einkommenszuwächse von VW-Topmanagern gezeigt. "Ich freue mich, wenn es Gewinne gibt, weil dann vielleicht auch Geld in die Zukunft investiert werden kann", sagte die Kanzlerin im ZDF. "Trotzdem war ich jetzt schon erstaunt, dass es auch sehr hohe Zuwachsraten bei bestimmten Gehältern gibt", fügte sie auf die Frage hinzu, ob sie sich angesichts der hohen Konzerngewinne von VW in der Diesel-Debatte nicht an der Nase herumgeführt fühle.

    Autoindustrie trägt die Verantwortung
    Die gesamte deutsche Automobilindustrie müsse jetzt die Zukunftsaufgaben meistern, sagte Merkel weiter. Es bleibe bei der Diesel-Debatte dabei, dass Fahrverbote möglichst vermieden werden sollten. Die Autoindustrie trage natürlich eine Verantwortung für die Lösung des Problems. Merkel ließ erneut Zweifel an möglichen Umbauten an Motoren älterer Diesel erkennen, um den Schadstoff-Ausstoß zu senken. Es nütze nichts, "wenn wir dafür drei oder vier oder fünf Jahre brauchen, um das alles zu realisieren, und gleichzeitig nicht in die Zukunft investieren können. Wir müssen uns das jetzt sehr genau anschauen."

    Gehaltsobergrenze für VW-Chef nicht eingehalten
    13.3.2018
    : Noch vor einem Jahr hieß es als Teil der Umbaumaßnahmen, ein VW-Chef dürfe künftig nicht mehr als zehn Millionen Euro im Jahr verdienen. Für das zurückliegende Jahr nun bekommt VW Matthias Müller nach offizieller Lesart von Volkswagen 9,4 Millionen Euro. Das Problem ist: Dazu kommen noch "Nebenleistungen" und die Altersvorsorge. Macht in der Summe 10,14 Millionen Euro. Die neue Gehaltsobergrenze, sie sollte ein Symbol sein für eine neue Ära. Gleich im ersten Jahr wurde sie gesprengt, schreibt die Süddeutsche Zeitung (SZ).

    Bei 231 Milliarden Euro Umsatz machte der Konzern einen operativen Gewinn von 13,8 Milliarden Euro, ein Niveau, das dieser Konzern noch nie erreicht hat. Der Konzern wolle bei der Zukunft des Dieselmotors "mit einer konstruktiven Haltung dazu beitragen, dass die Situation nicht weiter eskaliert". Die Dieselkrise hat das Ergebnis des Konzerns 2017 mit 3,2 Mrd. Euro belastet. Im Jahr davor waren es 6,4 Mrd. Euro im Jahr. Verantwortlich seien Rückkauf- und Nachrüstungsprogramme in Nordamerika sowie höhere Rechtsrisiken. (AUTO-Information 2411)

    Knapp 90 % folgten dem Rückruf
    12.3. 2018
    : 335.800 Fahrzeuge der Marken VW, Audi, Skoda und Seat sind in Österreich dem Rückruf gefolgt, bestätigt die Porsche Holding. Bei insgesamt 384.500 betroffenen Autos sind das genau 87,3 Prozent, also knapp unter 90 Prozent. Nach Auskunft des Verkehrsministeriums und der Porsche Holding wurden zu Jahresbeginn die Daten mit anderen Ländern abgeglichen. Statt ursprünglich 397.400 sind es jetzt 384.500 manipulierte Autos, die sich in Österreich befinden.

    D: Bilanz der freiwilligen Updates mager
    Mit den freiwilligen Rückrufen, zu denen sich VW beim Dieselgipfel im Sommer verpflichtet hat, konnte noch nicht begonnen werden, weil die Genehmigungen des deutschen Kraftfahrtbundesamts noch nicht vorliegen. Auch bei den anderen Importeuren schaut die Zwischenbilanz bei den freiwilligen Updates mager aus. Nur drei Konzerne haben nach Angaben des Verkehrsministeriums überhaupt mitgemacht: Daimler/Mercedes, Renault und Opel. Alle drei Autokonzerne bringen es zusammen auf 7.642 freiwillige Updates. Daimler/Mercedes: 5.700 Autos oder 81 % von 7.041 zurückgerufenen. Renault: 55 Updates und damit 37 % von 149 Fahrzeugen. Opel: 294 Rückrufe, das sind 65 % von 452. Die anderen zehn Autokonzerne, die beim Dieselgipfel dabei gewesen sind, fehlen.

    EU-Kommission plädiert für neue Messungen
    11.3.2018
    : Die Spritverbräuche von Autos sind auf der Straße oft wesentlich höher als im Labor. Die EU-Kommission will nun Messungen an Bord der Fahrzeuge durchführen lassen. Künftig sollen Messgeräte an Bord der Fahrzeuge standardisierte und europaweit einheitliche Informationen über den tatsächlichen Verbrauch auf der Straße und damit auch den Ausstoß von Treibhausgas liefern. Am Freitag startete die Behörde dazu eine öffentliche Konsultation. Am 5. April soll ihr offizieller Vorschlag folgen. Ihm müssten nach Prüfung durch das EU-Parlament die Mitgliedsstaaten noch zustimmen.

    Mehr als angegeben
    Laut Umweltorganisation International Council on Clean Transportation (ICCT) verbrauchen Neuwagen im Durchschnitt fast die Hälfte mehr als vom Hersteller angegeben. Der im Herbst 2017 eingeführte neue Testzyklus WLTP (Worldwide Harmonised Light Vehicles Test Procedure) soll die Abweichungen verkleinern. Zusätzlich wurde ein neuer Test auf der Straße eingeführt (RDE, Real Driving Emissions), der realitätsnäher sein soll. Doch das reiche noch nicht, so die Kommission. Denn es bestehe die Gefahr, dass Hersteller auch bei den neuen Zulassungstests Toleranzmargen unterschiedlich ausnutzten und dadurch der Wettbewerb verzerrt werde.

    Manipulation: EU-weite Standards in Planung
    Von 2021 an sollen die Werte daher einheitlich auf der Straße gemessen werden. Die Technik gibt es bereits, allerdings sind in Europa dafür keine Standards festgelegt. Auch das will die Kommission nun ändern. Teuer sollen solche Messungen nicht sein. Es gehe um höchstens einen Euro pro Fahrzeug, wie sich aus einer kalifornischen und einer niederländischen Studie ergebe. Die Mess-Software müsste gegen Manipulationen geschützt werden. Der Vorstoß befindet sich zwar in einem frühen Stadium, die Unterstützung ist aber offenbar groß. Der französische Vorschlag werde von den Niederlanden, Dänemark, Belgien, Schweden, Slowenien und Irland gestützt, heißt es in einem internen Bericht der Bundesregierun.

    Die Kommission will die Daten bei der für 2024 vorgesehenen Überprüfung der Emissionsziele nutzen. Im November hatte sie neue Grenzwerte für Pkw und Vans vorgeschlagen: Bis 2025 sollen Hersteller die CO₂-Emissionen ihrer Flotte um 15 Prozent senken, bis 2030 um 30 Prozent. Das Europäische Parlament und die Mitgliedsstaaten müssen die Ziele allerdings noch genehmigen.

    Steuerausfälle in Milliardenhöhe
    10.3.2018
    : In Deutschland sind dem Staat im Jahr 2016 knapp 1,2 Milliarden Euro an Kfz-Steuer-Einnahmen entgangen, weil Autos auf Basis falscher CO₂-Werte besteuert wurden, geht aus einer Studie im Auftrag der europäischen Grünen hervor, die der Süddeutschen Zeitung (SZ) vorliegt.  Von 2010 bis 2016 sei es im gesamten EU-Raum zu einem Steuerausfall von 46 Milliarden Euro gekommen, darunter Frankreich, Schweden, Großbritannien und Österreich.
    In  Österreich entgingen der Finanz 2,5 Milliarden Euro zwischen 2010 und 2016, weil die Normverbrauchsabgabe (NoVa) auf Basis der Herstellerangaben und nicht auf Basis des realen CO₂-Ausstoßes berechnet wurde. Seit der Reform der Nova im Jahr 2014 sei die Lücke noch deutlich angestiegen. Alleine im Jahr 2016 seien dem Fiskus 560 Millionen Euro entgangen. Seit September 2017 gilt für neu typisierte Autos in der EU der neue Abgastests (Worldwide harmonized Light vehicles Test Procedure, kurz WLTP). Dabei wird unter etwas realeren Straßenbedingungen getestet.

    „Schmerzhafter Preisverfall“ zu erwarten
    9.3.2018
    : Jüngsten Branchenmeldungen stehen in Deutschland derzeit zirka 300.000 gebrauchte Dieselfahrzeuge Euro 5 „auf Händlerlager die Reifen platt“. Nicht nur durch die drohenden Fahrverbote in deutschen Städten sei ein „schmerzhafter Preisverfall“ zu erwarten. (AUTO-Information Nr. 2410)

    Stickstoffdioxid: Diabetes, Asthma, Herz-Kreislauf
    8.3.2018
    : Acht Prozent aller Diabetes-Erkrankungen lassen sich auf Stickstoffdioxid in der Außenluft zurückführen, besagt eine Studie des deutschen Umweltbundesamtes. Für das Jahr 2014 kommt sie auf 437.000 Fälle. Von den Asthmaerkrankungen ließen sich sogar 14 Prozent dem Reizgas zuordnen,  insgesamt 439.000 Fälle.  In manchen Fällen können Stickoxide auch tödlich wirken: so lassen sich 6.000 Todesfälle durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen auf NOx-Belastungen zurückführen, wobei Krankheits- und Todesfälle an stark belasteten Standorten deutlich höher seien.

    Fahrverbote für saubere Luft

    "Die Studie zeigt, wie sehr Stickstoffdioxid der Gesundheit in Deutschland schadet", sagte Maria Krautzberger, Präsidentin der Bundesbehörde. "Wir sollten alles unternehmen, damit unsere Luft sauber und gesund ist." Dazu könnten auch Fahrverbote zählen. Krautzberger plädierte für die Einführung einer hell- und einer dunkelblauen Plakette, um  zwischen nachgerüsteten Dieselautos und jenen der saubersten Euro-Norm unterscheiden zu können. Je nach Belastung mit Stickstoffdioxid könnten die Städte dann mehr oder weniger Dieselautos aus ihren Umweltzonen verbannen.

    Ärzte warnen: Viel befahrene Straßen als Risiko
    Ärzte warnen davor, entlang viel befahrener Straßen spazieren zu gehen. "Bei körperlicher Aktivität wird mehr und tiefer eingeatmet, sodass mehr ungefilterte Schadstoffe aufgenommen werden", sagt Joachim Heinrich, Professor am Deutschen Zentrum für Lungenforschung. Er verweist auf eine aktuelle europaweite Studie zur Luftverschmutzung durch Feinstaub, Stickoxid und Dieselruß, bei der Langzeitbeobachtungen zu Atemwegserkrankungen mit den Wohnorten der Teilnehmer in Verbindung gebracht wurden. Bei Gesunden, die einer erhöhten Konzentration von Feinstaub ausgesetzt waren, zeigte sich nach fast 13 Jahren ein um 22 Prozent erhöhtes Lungenkrebs-Risiko. Kleinkinder und chronisch Kranke seien besonders gefährdet, sagt Heinrich. Im Vergleich zu Stickoxiden halten die Lungenärzte Feinstaub für gefährlicher.

    Deutsche Regierung: Nachrüstung schmackhaft machen
    7.3.2018
    : Laut „Spiegel“ arbeitet die deutsche Regierung an einer Förderrichtlinie, die die Nachrüstung von Dieselfahrzeugen der Euro-6-Klasse schmackhaft machen soll. Die Idee: Der geltende NOx-Grenzwert von 80mg/km soll ergänzt werden um einen Zonengrenzwert im Realbetrieb, der zwischen 200 und 300 mg liegen soll. Wer im Realbetrieb sein Auto in diesem Emissionskorridor bewegen kann, der soll auch weiterhin mit einem Diesel in Städte einfahren können.

    Der Hintergrund der Überlegung der deutschen Regierung könnte auch ein rein pragmatischer sein: Sollten Besitzer von Fahrzeugen der Euro-5-Klasse (Diesel, die schon mit Partikelfiltern ausgestattet sind) vom Fahrbetrieb in bestimmten Städten ausgeschlossen sein, dann könnten Besitzer von Euro 5 gegen die Euro-6-Fahrzeug-Verwendung klagen, so der „Spiegel“. Er verweist dabei auf den ADAC-Juristen Markus Schäpe, demzufolge die jüngeren Euro-6-Fahrzeuge bei den NOx-Emission gleich schlecht abschnitten wie Dieselfahrzeuge bei Euro 6 vor der Euro-6d-TEMP-Norm.

    Nachrüstung teurer: Euro 4, Euro 5
    7.3.2018: Das Gros der Fahrzeuge, die in Österreich zugelassen sind, fallen in die Euro-5-Norm
    . Bei einem Dieselgesamtbestand von 2,8 Mio. Fahrzeugen gehören 887.000 Diesel-Pkw zu Euro 5. 751.000 Dieselfahrzeuge sind in der Klasse Euro 4 zugelassen. Vergleichsweise gering ist die Zahl  Diesel in der Euro-6-Klasse mit 327.000. Für Autos unterhalb von Euro 6 ist eine Nachrüstung des Diesels mit Kosten ab 3.000 Euro deutlich kostspieliger.

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    (Bild: ÖAMTC/Statistik Austria)

    Neue Norm ab September 2018
    Die Euro-6d-TEMP-Norm ist seit September 2017 für alle neu typisierten Autos in Kraft. Noch nicht alle derzeit auf dem Markt befindlichen Neufahrzeuge erfüllen diese Norm. Nur mit dieser Norm, die ab September 2018 für alle neu zugelassenen Autos gilt, gibt es beim Ottomotor die Garantie der Mikropartikelreinigung und bei Diesel die Garantie, dass man neben der Partikelreinigung auch die NOx-Werte durch ein System miteinander kommunizierender SCR-Kat-Systeme im Griff hat.
    Der ADAC hat aktuell die verfügbaren Fahrzeuge in der Euro-6d-TEMP-Norm bei Verbrennungsmotoren gelistet: Knapp unter 80 Modelle erfüllen momentan diese Norm. (www.adac.de/infotestrat/umwelt-und-innovation/abgas/modelle_mit_euro_6d_temp/)

    Toyota: Weltweiter Ausstieg aus Dieselgeschäft
    7.3.2018
    : Toyota, zweitgrößter Autobauer der Welt, zieht sich weltweit aus dem Geschäft für Diesel-Pkw zurück, nur bei Geländewagen und leichten Nutzfahrzeugen wird es noch Dieselvarianten geben. Vor zwanzig Jahren hat Toyota begonnen, auf Hybrid zu setzen. Im Vorjahr hatten nur noch 10 Prozent aller verkauften Wagen einen Dieselantrieb. Volvo hatte bereits Mitte 2017 angekündigt, keine Diesel-Pkw mehr zu produzieren. Als nächstes wird von Fiat Chrysler ein Diesel-Ausstieg erwartet. Bei Porsche gibt es für die Modelle Macan und Panamera keine Dieselvarianten mehr. VW hält eisern an Diesel fest. Ohne CO₂-sparsame Dieselmotoren scheint das Flottenziel von 95 g/ CO₂- im Jahr 2021 nicht einhaltbar, Milliarden Strafzahlungen drohen.

    Diesel-Problem auf Handel abgewälzt
    3.3.2018
    : Autobauer werden die Kundenverunsicherung nutzen, um mit hohen Rabatten die Neuwagenverkäufe anzukurbeln, vermutet Verkehrsexperte Ferdinand Dudenhöffer in einer neuen Studie. "Immer größere Dieselhalden im Gebrauchtwagen-Bereich entstehen, die immer mehr Händler in den Ruin treiben". Grund für die Entwicklung: "Hohe Rabatte, in der Zukunft mit speziellen Zusatzrabatten für Diesel-Neuwagen und überfüllte Händlerhöfe mit alten Dieseln belasten den Markt." Laut Studie haben "gebrauchte Diesel mittlerweile Standzeiten von mehr als vier Monaten im Handel. Die Eintauschprämien wälzen damit das schmutzige Diesel-Problem auf den Handel ab."

    D: Dieselprivileg abschaffen, Nachrüstung finanzieren
    Laut Studie hätten die Autobauer im Februar 543 Sonderaktionen durchgeführt. Kundenvorteil im Durchschnitt: 16 Prozent. Über ein Drittel dieser Aktionen seien Tauschprogramme und Verschrottungsprämien für Dieselautos gewesen. SPD Justizminister Heiko Maas fordert eine technische Hardware-Nachrüstung auf Kosten der Hersteller und seine Fraktion höhere Umtauschprämien für ältere Diesel-Pkw. Autoprofessor Dudenhöffer will das 8 Mrd. Euro teure Dieselprivileg abschaffen und damit Hardware-Nachrüstungen finanzieren. Es formiert sich eine Online-Petition namens Campact, die Nachrüstungen auf Kosten der Autohersteller verlangt.

    Ö: Anreize für E-Autos schaffen
    Österreichs Umweltministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP) hält am „Dieselprivileg“ fest und will mehr Anreize für Umstieg auf Öffis und E-Autos forcieren. Die Autofahrerclubs fordern Verschrottungsprämien für alte Diesel und Nachrüstungen für neuere Autos. Geld dafür sei im Budget dank der ungeplant höheren NoVA (siehe Standard, 1. März 2018)

    Diesel-Autos: Drohende Fahrverbote mindern Wert
    2.3.2018
    : Wegen drohender Fahrverbote sind die Restwerte für Diesel-Fahrzeuge in Deutschland im freien Fall. So steht ein Benziner nach Berechnungen der Deutschen Automobil Treuhand (DAT) im Schnitt 89 Tage beim Händler, bei Dieselfahrzeugen sind es 102 Tage, rund 15 Prozent länger. Die freien Kfz-Händler betonen, dass sich der Markt für gebrauchte Diesel-Autos schon seit Bekanntwerden des Abgasskandals „in Wellenbewegungen“ nach unten bewegt.

    Einen Wertverfall beim Diesel beobachten auch die Analysten des Online-Handelsportals Autoscout 24: Wechselte ein Fahrzeug mit Dieselantrieb im Oktober 2015 noch für durchschnittlich 20.710 Euro den Besitzer, waren es im Januar noch rund 19.800 Euro – um vier Prozent weniger. Sebastian Lorenz, Vizegeschäftsführer und Datenexperte bei Autoscout 24, geht davon aus, dass der negative Trend anhält. Ähnlich beurteilt der Restwert-Spezialist Eurotax-Schwacke die Marktlage – das ist die Firma hinter der Schwacke-Liste, mit der sich Preise für Gebrauchtwagen ermitteln lassen. Zwischen August 2017 und Februar 2018 haben die Analysten einen Restwertverfall für Dieselfahrzeuge von im Schnitt 2,7 Prozent gemessen.

    VW: Schadenersatz für Aktionäre?
    1.3.2018
    : Aktionäre werfen Volkswagen in 1600 Klagen vor, nicht rechtzeitig über das drohende Diesel-Desaster informiert worden zu sein und fordern neun Milliarden Euro Schadenersatz. Volkswagen antwortet mit einer 700-Seiten-dicken Klageerwiderung. Fazit: niemand aus dem Konzernvorstand habe vor dem 18. September 2015 die Dimension des Problems mit den Dieselmotoren gekannt; sehr wohl sei die Dieselthematik innerhalb des Konzerns vorher diskutiert worden.

    VW verteidigt sich
    Neuerlich kommt der 23. Mai zur Sprache, an dem Winterkorn zwei bis vier Pilotkoffer voller Akten zu Lektüre mitgenommen hatte. Darunter die Information über dramatische Stickoxid-Überschreitungen um den Faktor 15 bis 35 und zweitens der brisante Hinweis, wonach zu vermuten sei, dass die US Behörden die VW Systeme auf „Defeat Device“ untersuchen würden. Ab Mai 2015 waren Abgasprobleme in den USA in der VW-Spitze wiederholt ein Thema gewesen, zwischen Winterkorn und Pötsch. Später kam Diess dazu. VW offenbart auch, dass am 21. Juli 2015 in einem Arbeitskreis namens "Tread" einem "breiteren Kreis von Personen offen“ gelegt wurde, wie die Umschaltlogik funktioniert, u.a. gegenüber Neußer und Ulrich Hackenberg.

    Ö: Vorgaben des Europarechts nicht eingehalten
    1.3.2018
    : Der Ökonom Michael Radhuber (Johannes-Kepler-Universität Linz) verweist im „Standard“ auf ein Urteil des Europäischen Gerichtshof aus dem Jahr 2008, wonach die in der Luftqualitäts-Richtlinie vorgeschriebenen Grenzwerte und Maßnahmen auch umzusetzen sind. Die nationalen Behörden verpflichtet diese Richtlinie, nicht nur wirksame Aktionspläne zur Reduktion der Schadstoffbelastung umzusetzen, sondern legt auch fest, dass betroffene Bürger die Möglichkeit haben müssen, derartige Rechte gegenüber der Behörde gerichtlich durchzusetzen (C-165/09 bis C-167/09). Anders als Deutschland hat Österreich es verabsäumt, die europarechtlichen Vorgaben so anzupassen, dass betroffene Bürger ihre Rechte auf wirksame Aktionspläne auch gerichtlich durchsetzen können. Es ist nach Meinung des Autors nur einer Frage der Zeit, bis auch „unsere österreichischen Behörden und Politiker die gesetzlichen Vorgaben des Europarechts nicht mehr ignorieren werden können“.

  • 2/2018 BMW: falsche Abgassoftware eingebaut

    It: Fiat-Chrysler will aus Diesel aussteigen
    28.2.2018
    : Roms Bürgermeisterin Virginia Raggi von der populistischen Fünf-Sterne-Bewegung hat für das Zentrum Rom ein Dieselfahrverbot ab 2024 angekündigt. Der amerikanisch-italienische Autohersteller Fiat Chrysler soll laut „Financial Times“ im Juni 2018 den Verzicht auf Dieselmotor ab 2022 offiziell bekanntgeben. Grund: die weltweit sinkende Nachfrage.

    Verjährung stoppen
    28.2.2018
    : SPÖ und die Liste Pilz bringen ins Plenum des österreichischen Nationalrats zwei verschiedene Initiativanträge zu Sammelklagen ein: die SPÖ ein Gruppenverfahren (Opt-in-System) und die Liste Pilz (LP) ein Verbandsmusterverfahren (Opt-out-System). Beide Anträge wurden zur Behandlung an den Justizausschuss verwiesen. Peter Kolba von der LP hielte es bei einem raschen Beschluss eines Verbandsmusterverfahrens für möglich, die ab September 2019 sich verjährenden Schadenersatzansprüche gegenüber dem VW-Konzern noch zu stoppen. So ein Verfahren könnte ohne Sammlung der Anspruchsberechtigten am Wiener Handelsgericht noch zeitgerecht eingebracht werden. Allein schon die Einbringung der Klage würde dafür ausreichen, sämtliche Verjährungen zu stoppen.  

    D: Fahrverbote sind rechtlich erlaubt
    27.2.2018
    : Das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig erlaubt es Städten und Gemeinden, Fahrverbote für Dieselfahrzeuge zu erlassen, um die zu hohen Stickoxid-Emissionen zu senken. Das Prinzip der Verhältnismäßigkeit müsse gewährleistet sein. Damit drohen in bis zu 70 deutschen Städten solche Fahrverbote. Maximal 13 Millionen Dieselfahrzeuge wären davon betroffen. Bisher gibt es in deutschen Städten nur die Feinstaubplaketten, aber noch keine „blaue“ Plaketten für NOx-arme Autos. Dieselautos droht damit ein weiterer Wertverlust, nachdem ihre Verkaufswerte bereits seit dem Sommer 2017 sinken. Auch in Österreich lebt die Dieseldiskussion neuerlich auf, wobei Fahrverbote stets ausgeschlossen bleiben. Deutschlands Regierung und die Kommunen versuchen, die drohenden Fahrverbote durch andere Maßnahmen zu vermeiden (u.a. Hardware-Nachrüstungen für Dieselfahrzeuge, Gratis-Tickets für Öffis, E-Busse für Citys).

    Richter erwirkt von VW Herausgabe brisanter Dokumente
    27.2.2018
    : Beim Landgericht Stuttgart klagen rund 150 VW-Kleinaktionäre auf Schadenersatz wegen Kursverlusten. VW fühlt sich von Richter Fabian Reuschle unfair behandelt und hat eine umfassende heftige Beschwerde wegen Befangenheit des Richters eingereicht, berichtet die Süddeutsche Zeitung (SZ). Reuschle hatte die Herausgabe von brisanten Dokumenten erwirkt.  Das Landgericht Stuttgart muss nun entscheiden, ob Richter Reuschle weitermachen darf, der auf die VW-Anschuldigungen mit einem  23 seitigem Schreiben geantwortet hat. Schafft es der Konzern nicht, Reuschle loszuwerden, könnte es für ihn teuer werden. Zwar geht beim Stuttgarter Verfahren nach dem Kapitalanleger-Musterverfahrensgesetz (KapMuG)  nur um einige Millionen Euro. Wenn es Reuschle mit seinen Fragen schafft, „dass in Stuttgart vieles auf den Tisch kommt“, könnte für VW im „großen“  KapMuG-Verfahren in Braunschweig teuer werden. Dort geht es um 8 Mrd. Euro Schadenersatz.

    Der führende Vertreter der Musterkläger ist in beiden Fällen Anwalt Andreas Tilp aus Tübingen, der sich auf solche Verfahren spezialisiert hat. Tilp vermutet hinter den Attacken von VW auf Reuschle den Versuch, einen aus Sicht des Autokonzerns "unbequemen Richter kaltzustellen". Immerhin habe Reuschle es bereits geschafft, zwei entlarvende Dokumente von Volkswagen zu bekommen: Zwei Aktenvermerke vom Mai 2014, die der damalige Vorstandschef Winterkorn in seiner Wochenend-Post mitbekommen hatte. In dem Aktenvermerk hatten Mitarbeiter auf dramatisch überschrittene Schadstoffgrenzwerte in den USA hingewiesen und in der „Anlage“ davor gewarnt: "Eine fundierte Erklärung für die dramatisch erhöhten NOx-Emissionen kann den Behörden nicht gegeben werden."

    BMW: Falsche Abgassoftware eingebaut
    23.2.2018
    : BMW gibt zu, in 11.700 Dieselautos (5er und 7er) eine falsche Abgassoftware eingebaut zu haben. Das Programm sei für die SUV-Modelle X5 und X6 entwickelt und dann „irrtümlich“ auf die genannten Modelle aufgespielt worden, sagte ein Unternehmenssprecher. BMW habe den Fehler intern aufgedeckt und dem deutschen Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) gemeldet.

    D: Mehr Diesel beim Händler
    23.2.2018
    : Bei 55 % von 1.600 befragten Autohändlern in Deutschland sind die Bestände von Euro-5-Diesel seit August 2017 weiter gestiegen, ergibt eine Umfrage des Zentralverbandes Deutscher Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK/Bonn). Damals hat der ZDK einen Bestand von 300.000 Euro-5-Diesel-Pkw festgestellt, die einen Wert von 4,5 Mrd. Euro darstellen (AUTO-Information 2408).

    VW: Sehr, sehr viel verdient
    23.2.2018
    : Trotz der Skandalserie (Razzias, Affentests, Dieselgate) hat der VW-Konzern 2017 so viel verdient wie nie zuvor: Laut vorläufigen Zahlen hat sich das operative Ergebnis auf 13,8 Mrd. Euro verdoppelt. VW hat weltweit mehr Autos verkauft als jeder andere Hersteller. Die Sanierung der Kernmarke VW ist fortgeschritten. Einziges Problem: die hohen Kosten des Abgasskandals.

    Wer nimmt die Schuld auf sich?
    In einem Bericht enthüllen die Süddeutsche Zeitung (SZ), NDR und WDR brisante interne Abläufe zwischen Ex-VW-Chef Martin Winterkorn und Ulrich Hackenberg, einem seiner führenden Manager im VW-Konzern. Nach Auffliegen des VW-Skandals im September 2015 hatte Hackenberg Winterkorn in einer 20-zeiligen SMS mitgeteilt, dass er auf dessen Vorschlag nicht eingehe. Die "Methode", schrieb Hackenberg, sei während der gemeinsamen Zeit bei der VW-Tochter Audi entstanden und dann von VW übernommen worden. Die Entscheidungswege seien aber nicht über seinen Schreibtisch gelaufen, erklärte Hackenberg.

    Im Klartext heißt das: Hackenberg wollte nicht die Verantwortung für die Abgasaffäre übernehmen, wie dies Winterkorn von ihm gefordert habe. Im April 2016 war Hackenberg noch als Zeuge gegenüber der Staatsanwaltschaft Braunschweig deutlicher: Winterkorn habe bei einem Treffen am Flughafen München (im Audi Forum) darauf gedrängt, dass er, Hackenberg, die Schuld am Dieselskandal auf sich nehme, so der Rechercheverbund Süddeutsche Zeitung (SZ), NDR, WDR. Winterkorn habe Hackenberg erklärt, er wisse, dass dieser mit der Sache eigentlich nichts zu tun habe. Aber Hackenberg sei in jenen Jahren zuständig gewesen und müsse sich deshalb jetzt hinstellen und die Verantwortung übernehmen. Dann hätte das Unternehmen vielleicht eine Chance, da herauszukommen.

    Ermittlung wegen Betrugsverdacht
    Seit der jüngsten Razzia in seinem Haus ist Hackenberg nicht mehr Zeuge, sondern Beschuldigter. Nun ermittelt die Staatsanwaltschaft München II gegen ihn wegen Betrugsverdachts. Hackenberg und Winterkorn werden von Bernd Gottweis schwer belastet, der früher oberster Problemlöser („Feuerwehr“) gewesen war und gegen den ebenfalls ermittelt wird.

    Volkswagen habe in den USA "beschissen"
    Der nunmehrige Rentner Gottweis sagte vor der Staatsanwaltschaft Braunschweig aus, dass Motorenentwickler vor einem Treffen am 21. Juli 2015 bei VW eine illegale Software zugegeben hätten, mit der die Abgasreinigung abgeschaltet werde. Bei dem Treffen am 21. Juli 2015 sei dann eine entsprechende Präsentation vorgelegt worden - in Gegenwart Hackenbergs und weiterer Führungskräfte. Diese Personen seien vorher schon "gebrieft" worden. Ein paar Tage später, am 27. Juli, will Gottweis Winterkorn darüber informiert haben, dass Volkswagen in den USA "beschissen" habe. Träfe das zu, dann hätten es Hackenberg und Winterkorn fast zwei Monate lang versäumt, für Aufklärung zu sorgen, ehe US-Behörden den Skandal publik machten.

    Hackenberg und seine Anwältin äußerten sich zu alledem nicht. Den Ermittlern hatte Hackenberg gesagt, er habe erst nach Beginn der Affäre von Manipulationen erfahren. Winterkorn hat wiederholt erklärt, ihn treffe keine Schuld. Er habe nichts von dem Betrug gewusst.

    Hitlergruß und Nazilieder
    23.2.2018: Geschäftsführung und Betriebsrat des MAN-Werks Steyr haben sich darauf geeinigt, sich von Mitarbeitern zu trennen, die durch unpassendes Verhalten aufgefallen sind, schreibt die AUTO-Information (2408). Die Beschuldigten sind durch Hitlergruß und Nazilieder im Werk aufgefallen, ihr Vorgesetzter soll Bescheid gewusst haben. Im Auftrag der Staatsanwaltschaft Steyr ermittelt das Landesamt für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung.

    Keine Umweltzonen in Wien
    22.2.2018
    : Nur in 23 von 35 „erlaubten“ Tagen ist in Wien 2017 der erlaubte Grenzwert für Feinstaub überschritten worden. Daher sieht Wiens Umweltstadträtin Ulli Sima keinen Grund, Umweltzonen in Wien einzuführen. Die Autofahrerclubs und die Neos applaudieren dazu.

    D: Urteil über Fahrverbote verschoben
    22.2.2018
    : Das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig verschiebt sein Urteil über Fahrverbote in deutschen Städten wegen zu hoher Stickoxid- und Feinstaubwerte auf 27.2.2018.

    Razzia bei Audi: "Defeat Device"
    22.2.2018
    :  Die Staatsanwaltschaft München II durchsuchte bei einer neuerlichen Razzia Wohnungen und Büroräume von drei weiteren Beschuldigten in der Abgas-Affäre bei Audi, darunter zwei ehemalige Vorstandsmitglieder. Bei einem der beiden Ex-Vorstandsmitglieder handelt es sich nach Informationen von SZ, NDR und WDR um Stefan Knirsch. Er war zwischenzeitlich Entwicklungsvorstand gewesen. Knirsch soll bei Audi von Mitarbeitern bereits am 11. Oktober 2013 mit einer schriftlichen "Risikoeinschätzung" über die Gesetzesverstöße mit einer verbotenen Software ("Defeat Device") in den USA informiert worden sein. Insgesamt wird  gegen 17 Personen ermittelt. Dabei geht es um 210.000 Fahrzeuge in Europa und in den USA.

    „Hitler, Holocaust und anderer Horror“
    21.2.2018
    : Das US-Gericht in Fairfax (Virginia) hat den VW-Antrag auf Verschiebung eins Prozesses um ein halbes Jahr abgelehnt. Der für drei Wochen anberaumte Prozess mit einem Dieselbesitzer wird somit am 26. Februar starten. VW hatte um Aufschub ersucht, weil die Kläger das Unternehmen mit „Hitler, Holocaust und anderem Horror“ in Verbindung gebracht hatten.

    VKI darf VW klagen
    20.2.2018: Zweieineinhalb Jahre nach Auffliegen des VW-Skandals um manipulierte Abgaswerte darf der österreichische Verein für Konsumenteninformation (VKI) doch gegen den deutschen Autokonzern vor Gericht ziehen
    . Sozialministerin Beate Hartinger-Klein (FPÖ) und AK-Präsident Rudolf Kaske gaben nun grünes Licht für Klagen. „Da VW sich bis dato beharrlich weigert, seinen Kunden in Österreich außergerichtlich eine Entschädigung anzubieten, schlagen wir diesen Weg ein“ begründet Kaske in einer Aussendung.  Hartinger-Klein wies auf die in Österreich im September 2018 drohende Verjährung der Ansprüche hin. Mutmaßlich Geschädigte sollten jetzt genügend Zeit haben, sich zu geringen Kosten den Verfahren des VKI anzuschließen, so die Ministerin. Man hätte ihr  zugesichert, dass die Vorbereitungen des VKI weitgehend abgeschlossen sind, so dass die Geschädigten genügend Zeit haben, sich rechtzeitig vor der mit September 2018 drohenden Verjährung an den VKI zu wenden“, so Hartinger-Klein.

    Grund für Kolbas Ausscheiden
    Das Vorgehen gegen VW ist seit Längerem ein Politikum gewesen. Es hatte letztlich zum Bruch des langjährigen VKI-Rechtschefs Peter Kolba (jetzt Liste Pilz) mit dem VKI geführt. Kolba hätte schon viel früher klagen wollen, hatte sich aber von der Arbeiterkammer ausgebremst gefühlt. Diese habe durch eine Klage Jobs in der Autobranche gefährdet gesehen, wie Kolba mehrmals erklärte.

    Regierungsprogramm ohne Sammelklage
    „Viele Geschädigte sind ja auch unsere Mitglieder“, sagte AK-Präsident Kaske. Er forderte weiters, die „Möglichkeit eines Massenverfahrens“ in der Zivilprozessordnung gesetzlich zu verankern. In Österreich gibt es nach wie vor keine echten Sammelklagen, wie sie Konsumentenschützer wie Kolba und der VKI seit Jahren fordern. Im neuen ÖVP-FPÖ-Regierungsprogramm ist die Sammelklage nicht erwähnt; die Wirtschaft lehnt eine solche ab.

    Noch immer keine Gruppenklage in Österreich
    Noch am selben Tag informiert der VKI alle VW-Opfer, die sich über den VKI an der holländischen Stichting (27.000 Betroffene) bzw. als Privatbeteiligte (4.200 Betroffene) beteiligen. Es gehe einerseits um Ansprüche hinsichtlich einer deutlichen Wertminderung der betroffenen Fahrzeuge, die sich gegen VW verdichtet haben. Andererseits könnten sich Ansprüche aus den nachteiligen Folgen des Software-Updates ergeben. Das hatte der VKI in einer Umfrage im Herbst 2017 erhoben (siehe verbraucherrecht.at ). Diese nachteiligen Folgen wurden mittlerweile auch von anderen Verbraucherorganisationen in Italien, Portugal, Spanien und Belgien bestätigt (siehe: www.altroconsumo.it/organizzazione/international/press-releases/2018/dieselgate)

    Der VKI wird nunmehr Musterklagen vorbereiten. Eine gebündelte Sammelklage an einem einzigen Gericht in Österreich ist gegen VW (Sitz in Wolfsburg, Deutschland) aber nicht möglich, informiert der VKI. Diese Art der Klage funktioniert bei einem ausländischen Gegner nicht (weil der dafür erforderliche Verbrauchergerichtsstand nicht zur Verfügung steht). Die schon seit langem vom VKI geforderte Gruppenklage fehlt weiterhin in Österreich.

    Aus Sicht des VKI sind noch andere Möglichkeiten zur Durchsetzung von gebündelten Ansprüchen denkbar. Diese werden derzeit vom VKI verfolgt.

    Mercedes-Diesel: Angeblich unerlaubte Abgasreinigung
    19.2.2018
    : Auch in den Diesel-Motoren von Mercedes-Fahrzeugen sollen unerlaubte Abgasreinigungs-Funktionen eingebaut sein. In Diesel-Motoren soll es Funktionen namens Bit 13, Bit 14 und Bit 15 geben, die die Abgasreinigung steuern und womöglich die Grenze des Erlaubten überschreiten. So soll die Funktion "Bit 15" bewirken, dass nach 26 Fahrkilometern die Abgasnachbehandlung nachlässt und der „clean mode“ beendet wird.

    Die US-Ermittler fanden auch einen "Slipguard", der aufgrund von Tempo oder Beschleunigung erkennt, ob das Auto auf einem Prüfstand oder auf der Straße fährt. Das geht aus geheimen Unterlagen der US-amerikanischen Behörden hervor, die gegen Daimler ermitteln. Laut E-Mails hätten Daimler-Techniker selbst daran gezweifelt, ob diese Funktionen legal sind. Interne Messungen hätten ergeben, dass bei Modellen der Marke Mercedes-Benz im regulären Betrieb zehn Mal mehr Stickoxid ausgestoßen werde als der US-Grenzwert erlaubt.

    Daimler: Viel Geld für Prozesse zur Seite gelegt
    Die Bild am Sonntag hatte als erstes über diese Programme berichtet, die am Ende als illegale Abschalteinrichtungen gewertet werden könnten. Seite 282 des Geschäftsberichts von Daimler ist zu entnehmen, dass die Rückstellungen für rechtliche Risiken um 1,2 Mrd. auf 17.2 Mrd. Euro aufgestockt wurden. Der Konzern unternimmt alles, um ähnliche Anklagen wie VW in den USA zu vermeiden  und verhandelt mit dem US-Justizministerium in Washington D.C. über eine einvernehmliche Beendigung. „Wir kooperieren seit über zwei Jahren vollumfänglich mit den US-Behörden und sorgen für umfassende Transparenz", teilt Daimler mit. Den Behörden seien die Dokumente bekannt, und bislang sei es eben "zu keiner Anklage gekommen".

    Mehr Benziner als Diesel
    18.2.2018
    : Laut Statistik Austria ist die Dieselvorherrschaft bei Neuwagen in Österreich im Jänner 2018 erstmals gekippt:  Insgesamt 14.365 Benzin-Pkw wurden neu zugelassen, um 33% mehr als im Jänner 2017. Bei Diesel gab es gegenüber dem Vorjahresmonat einen Rückgang um 13,1 % auf 12.365 Diesel-Pkw. Ganze 401 Elektrofahrzeuge kamen in diesem Monat neu hinzu, um 18,3 % mehr. Die vielen Abgasskandale sind nicht spurlos an den Autokäufern vorbeigegangen. Die privaten Autokäufer haben den bisher sehr beliebten Diesel schon im Vorjahr deutlich links liegen lassen.
    Das analysiert Mag. Roland Strika, Group Director Insights & Analysis bei Eurotax Österreich in der aktuellen Ausgabe von Auto & Wirtschaft (02/2018,  Gebrauchtwagen Extra, Seite 4): 62% der privaten Käufer bevorzugten beim Neuwagenkauf einen Benzin-Pkw, während sich 63% aller Firmenkäufer nach wie vor für einen Diesel-Pkw entschieden haben. Da stückmäßig mehr Firmen-Pkw angeschafft werden (Pool-Autos, Leasing), behielt Diesel 2017 noch knapp die Nase vorn (49,68%). Selbst die große Preisschlacht bei Diesel-Neuwagen hat die Mehrheit der privaten Käufer offensichtlich nicht umstimmen können.

    Lange Lieferzeiten für E-Autos
    17.2.2018
    : Wie die „Automobilwoche“ berichtet, müssen Kunden bis zu ein Jahr auf ein neues Fahrzeug warten. Das gelte sowohl für deutsche Hersteller wie für Importeure, etwa für den Hyundai Ioniq Elektro. Ein jetzt bestellter elektrische Smart wird Ende des Jahres oder Anfang nächsten Jahres ausgeliefert. Auf einen Elektro-Golf müsse man sich bis Oktober gedulden. Einen Volkswagen e-up! bekommt man in fünf bis sechs Monaten, einen Nissan Leaf in zehn Monaten und den Peugeot ION in sechs bis sieben Monaten. Beim Kia Soul EV dauert es ein halbes Jahr, beim Renault Zoe vier Monate. Am schnellsten bekommt man einen BMW i3: Hier dauert es zwei bis drei Monate. Selbst Großkunden wie der deutsche Softwarehersteller SAP, der im Jahr 2025 klimaneutral sein will, bekommen derzeit so gut wie keinen „Vollstromer“.

    D: Steuergeld für Nachrüstung?
    16.2.2018
    : Nach Informationen der Süddeutschen Zeitung und des Bayerischen Rundfunks schlagen die Diesel-Experten der Bundesregierung vor, eine Nachrüstung "ganz oder zu einem höchstmöglichen Anteil" durch eine Förderung abzudecken. Diese könne sich "neben öffentlichen Mitteln auch aus finanziellen Beiträgen der Automobilhersteller speisen", heißt es im Entwurf eines Abschlussberichts des Gremiums. Das Wort der Berater hat Gewicht. Im Koalitionsvertrag heißt es, die mögliche große Koalition wolle auf Basis dieser Expertenempfehlung noch 2018 über Nachrüstungen entscheiden.
    Manche wollen den Autoherstellern sämtliche Kosten auferlegen (Rheinland-Pfalz, Berlin, Bundesverband der Verbraucherzentralen, Grüne). Diese lehnen das komplett ab, da die Kosten zu hoch seien und in der Folge mehr CO2 ausgestoßen werde.

    Wer zahlt die Umrüstung?
    Vorbild für eine Förderung könnte der Bonus für den nachträglichen Einbau von Partikelfilter im Jahr 2007 sein. Hier gab es einen Steuernachlass von 330 Euro (für einen 1.000 Euro teuren Filter) bei der Kfz-Steuer. Das Problem: Künftig wird die Kfz-Steuer schon mit der Maut verrechnet werden. Geld von der Einkommensteuer abziehen will die Expertengruppe nicht, weil dann ausgerechnet ärmere Haushalte, die keine oder wenig Einkommensteuer zahlen, leer aus gingen. Die Umrüstungen kosten zwischen 1500 und 2000 Euro, könnten nur bei jüngeren Fahrzeugen der Abgasnorm Euro 5 und 6 eingebaut werden und könnten bis zu 95 Prozent der Stickoxide senken.

    Autokonzerne: Hohe Strafzahlungen wahrscheinlich
    16.2.2018
    : Der rückläufige Dieselabsatz macht hohe Strafzahlungen der Autokonzerne immer wahrscheinlicher, glaubt man beim Berater Ernst & Young (Kronenzeitung 16.2.2018, Seite 10). In den fünf größten Dieselmärkten wird laut Berechnung von Ernst & Young der Dieselanteil auf 40,7 % schrumpfen (In Österreich derzeit 43,3%). Damit werden Strafzahlungen der Autokonzerne immer wahrscheinlicher. Sie müssen nämlich die Emissionen der gesamten Flotte auf 95 Gramm CO2 pro Kilometer reduzieren. Laut Hochrechnungen würde VW dann 1,7 Mrd. Euro Strafe zahlen müssen.

    Österreicherin Marianne Heiß im VW-Aufsichtsrat
    16.2.2018
    : Die Österreicherin Marianne Heiß (45) wird in den VW-Aufsichtsrat einziehen. Am 3. Mai sollen die Aktionäre ihre Bestellung beschließen. Heiß war Finanzvorständin der Deutschland-Niederlassung des Agenturnetzwerks BBDO.  Bis dahin wird Heiß „gerichtlich ersatzbestellt“ werden. Sie soll laut „Handelsblatt“ in den Prüfungsausschuss einziehen. Heiß folgt der Schwedin Annika Falkengren, die zur Schweizer Privatbank Lombard wechselt. Die gebürtige Niederösterreicherin hat 2011 ihr Buch veröffentlicht. Titel: „Yes she can - Die Zukunft des Managements ist weiblich“. Heiß hat in der Fachhochschule für Wirtschaft in Wiener Neustadt studiert und war bei Dorint und Sellbyte, dem Outsourcing-Spezialisten der BBDO-Gruppe tätig.

    Mercedes: Software-Updates
    16.2.2018
    : Daimler plant Software-Updates für „nahezu alle“ Euro 5 und Euro 6 Diesel in Europa, um das Emissionsverhalten der Fahrzeuge zu verbessern. Dieser Schritt erfolge „zeitnah“ und „aufgrund unserer neu gewonnenen Erkenntnisse“ (AUTO-Information 2407).

    Außergerichtliche Einigung bei VW
    16.2.2018
    : Der in den USA wegen des Dieselskandals verurteilte und in Haft befindliche frühere VW-Manager Oliver Schmidt will sich mit seinem früheren Arbeitgeber nach seiner fristlosen Entlassung nun außergerichtlich einigen, teilte das Arbeitsgericht in Braunschweig mit. Schmidt wollte ursprünglich eine Kündigungsanfechtungsklage einbringen (AUTO-Information 2407)

    Mercedes zum Rapport bestellt
    15.2.2018
    : Das deutsche Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) hat Mercedes zum Rapport bestellt, bestätigt ein Sprecher des Konzerns gegenüber der Wirtschaftswoche. Es bestünde der Verdacht unzulässiger Abschalteinrichtungen beim Mercedes-Benz-Vito Euro 6. Es gehe um 1.000 Fahrzeuge aus „alter Produktion“ bestätigt Daimler.

    Viele VW-Mitarbeiter unzufrieden
    15.2.2018
    : Zwei Drittel der VW-Angestellten in Deutschland sind unzufrieden mit der Arbeit des Vorstands. Das ist laut Bild-Zeitung das Ergebnis einer Mitarbeiter-Umfrage. Sie fühlen sich bei der Aufarbeitung des Diesel-Skandals nicht eingebunden und machen sich Sorgen um ihre Jobs.  51.000 Arbeitnehmer nahmen teil, 42 Prozent der Befragten. Ende Februar gibt es das Endergebnis.

    D: Kostenlose Öffis statt Diesel-Fahrverbot
    15.2.2018
    : Die neue deutsche Bundesregierung überlegt auch die Einführung eines kostenlosen Nahverkehrs, um Fahrverbote zu vermeiden. Gemeinden wie Templin, ein Kurort mit 16.000 Einwohnern nördlich von Berlin, waren damit schon sehr erfolgreich. Allerdings ist die Zahl der Fahrgäste explodiert, so dass man ihnen doch noch 44 Euro abknöpfen musste. Dasselbe passierte im belgischen Hasselt. In Tallin (Estland) dürfen nur die Steuerzahler gratis fahren. In Polen rettet der kostenlose Nahverkehr ländliche Gemeinden und Kleinstädten vor Abwanderung und Überalterung. Das Problem vieler deutscher Städte: die Öffis stoßen jetzt schon an ihre Grenzen.

    BMW entlastet: Vorwurf Abgasmanipulation
     15.2.2018
    :  Das deutsche Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) hat BMW vom Vorwurf der Abgasmanipulation bei einem Diesel-Modell der 3er-Reihe entlastet. Es wurden keine unzulässigen Abschalteinrichtungen festgestellt. Die Deutsche Umwelthilfe hatte den Münchnern nach Fahrtests vorgeworfen, bei einem Diesel-BMW 320d die Abgassoftware womöglich durch illegale Abschalteinrichtungen manipuliert zu haben.

    NoVA: Richtig sattes Körberlgeld
    15.2.2018
    : Jetzt ist es amtlich:  2017 hat der österreichische Finanzminister dank der unerwartet hohen Pkw-Neuzulassungen um 69 Millionen mehr an Normverbrauchsabgabe (NoVA) eingenommen als ursprünglich geplant. Ein richtig sattes Körberlgeld, mit dem niemand rechnen konnte. Insgesamt hat er 470,9 Millionen an NoVA kassiert. Zusammen mit den unerwarteten Zuwächsen bei Mineralölsteuer und motorbezogenen Versicherungssteuer summieren sich die Mehreinnahmen auf insgesamt 315 Millionen Euro.

    D: Rechte beeinflussen Arbeitnehmervertretung
    12.2.2018
    : Bei mehreren deutschen Autoherstellern nehmen rechte Gruppierungen zunehmend Einfluss in der Arbeitnehmervertretung, schreibt die Süddeutsche Zeitung (SZ). Am Daimler-Stammwerk in Stuttgart-Untertürkheim besetzt die rechte Gruppierung „Zentrum Automobil“, deren Chef früher zur Neonazi-Szene gehörte, fast zehn Prozent der Sitze. "Wir verfolgen diese Entwicklung mit Sorge", sagt Vorstandschef Dieter Zetsche. Daimler ist nicht der einzige Hersteller mit diesem Phänomen. Bei BMW in Leipzig gibt es eine ähnliche Initiative ("Interessengemeinschaft Beruf und Familie"). Auch über Opel in Rüsselsheim und Audi gibt es Berichte von rechten Initiativen.

    Autoindustrie anfällig für Kartelle
    10.2.2018
    : Die Autoindustrie ist aus Sicht von EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager anfällig für Kartelle, sagte sie in der "Rheinischen Post". Es habe bereits zehn Kartelle in der Autoindustrie gegeben. Bei der laufenden Prüfung des Verdachts auf Kartellbildung von BMW, Daimler und VW (samt Porsche und Audi) hofft die Kommissarin bis Jahresende auf ein Ergebnis. Die EU-Kommissarin kündigt eine „intensive Prüfung“ an. „Wir gehen sehr gründlich vor, denn es ist ja durchaus erlaubt, dass Unternehmen bei Forschung und Entwicklung kooperieren“ Es müsse auch geprüft werden, "ob und wo sich die Autokonzerne in Grauzonen bewegen oder gar illegale Absprachen getroffen haben". (www.konsument.at/kartelle)
    Auch Österreichs Bundeswettbewerbsbehörde (BWB) ist eingebunden. “Uns interessiert speziell die Frage, ob Österreichs Zulieferbetriebe davon betroffen sein könnten”, sagte BWB-Chef Theodor Thanner im Klub der Wirtschaftspublizisten. Die BWB gibt auch einen Überblick über die bisherigen Verfahren im Automobilsektor. (Mehr dazu: www.lydianinz.at/autokartell-oesterreich-ein-opfer)

    Tests mit Affen und Menschen: Institutsvorstand verteidigt sich
    9.2.2018
    : Bezüglich der umstrittenen Tests mit Affen und Menschen fühlt sich die Universität Aachen von der Autoindustrie getäuscht. Bei der Studie mit 25 gesunden Probanden hätte man wissenschaftlich korrekt gearbeitet, verteidigte sich Institutsvorstand Thomas Kraus. Der von dem Zulieferer (Bosch) und den Autokonzernen (VW, Daimler, BMW) finanzierte Auftraggeber und Lobbyverband „Europäische Forschungsvereinigung für Umwelt und Gesundheit im Transportsektor“ (EUGT) habe ein Eindruck eines seriösen Forschungsförderers gemacht. Anlass zur Studie waren die Belastungen am Arbeitsplatz gewesen.

    Ö: Preiserhöhung durch neuen Testzyklus?
    9.2.2018
    : Günther Kerle, Vorsitzender des Arbeitskreises der Automobilimporteure fordert (AUTO-Information 2406), dass sich die Normverbrauchsabgabe (NoVA) in Österreich nicht automatisch durch die Umstellung auf den neuen Testzyklus WLTP erhöhen dürfe. Die NoVA muss beim Kauf eines Neuwagens (erstmalige Zulassung) gezahlt werden und ist abhängig von CO2 Ausstoß. Durch die Umstellung auf den realitätsnäheren neuen Testzyklus wird sich jedoch der CO2 Ausstoß um 15 bis 20% erhöhen, was die NoVA enorm verteuern würde. (Siehe dazu Rechenbeispiele bei: (www.lydianinz.at/steuererhoehung-durch-nichtstun )Es gibt mündliche Zusagen des früheren Finanzministers Schelling, bis Ende 2019 für die NoVA noch auf die niedrigeren CO2-Werte des früheren Testzyklus zurückzurechnen. Branchenexperten fürchten trotzdem Preiserhöhungen ab September 2018 (AUTO-Information 2406).

    VW-Manager: Skrupellosigkeit gegenüber Kunden und Behörden
    6.2.2018
    : Neuen Zündstoff zum VW Dieselskandal liefert die amerikanische Aufdecker-Plattform “ProPublica” gemeinsam mit Fortune. Gestützt auf US-Strafakten, Geständnisse, Aussagen von Zeugen und Staatsanwälten kommt der investigative Journalist Roger Parloff zu dem Schluss, dass hochrangige Konzern-Manager falsch gehandelt haben. Manche US- Staatsanwälte sähen genug Stoff, um Ex-Konzern-Boss Martin Winterkorn zu klagen. Trotzdem sieht es nicht danach aus.

    Das Dossier zeichnet ein erschreckendes Bild über die Skrupellosigkeit der VW-Konzernmanager gegenüber Kunden und Behörden. Demnach reichen erste Manipulationen bei Audi bis ins Jahr 1999 zurück. Sie wurden anschließend bei VW und (nach Kauf durch VW) auch bei Porsche praktiziert und sind stets mit Management-Funktionen von Winterkorn und Hatz einher gegangen sind. Jahrelang wurden die US-Behörden getäuscht, einmal sogar durch eine Rückrufaktion, nach der die Autos auf der Straße noch mehr Stickoxide ausstießen. Mehr dazu in deutscher Zusammenfassung (www.lydianinz.at/vw-skandal-zuendstoff-aus-usa/)

    D: Beschäftigte der Metall- und Elektroindustrie bekommen mehr Geld
    6.2.2018
    : Die 900.000 Beschäftigten der Metall- und Elektroindustrie in Baden-Württemberg bekommen künftig mehr Geld. Im Gegenzug dürfen die Arbeitgeber mehr 40-Stunden-Verträge abschließen als bislang. Die Einigung gilt als Pilotabschluss für die deutschlandweit etwa 3,9 Millionen Beschäftigten der Metall- und Elektroindustrie.

    D: Wieder Razzia bei Audi
    6.2.2018
    : Neuerlich wurde bei Audi eine Razzia durchgeführt, berichtet die Süddeutsche Zeitung (SZ), NDR und WDR. Im Einsatz seien insgesamt 18 Staatsanwälte sowie Beamte der Landeskriminalämter Bayern und Baden-Württemberg, bestätigt die Staatsanwaltschaft. Diesmal geht es um über 200.000 Dieselfahrzeuge für den europäischen und amerikanischen Markt, in denen unzulässige Software vermutet wird. Bei der ersten Razzia am 15. März 2017 ging es um 80.000 Dieselfahrzeuge von Audi für den US-Markt. Volkswagen hat in den USA zugegeben, dass auch Audi an der Täuschung von Behörden mitgewirkt habe.

    Stadler: Nichts gewusst von Manipulationen
    Inzwischen ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen 14 heutige oder frühere Beschäftigte von Audi, teilweise wegen Beihilfe zu den mutmaßlichen Delikten, schreibt die Süddeutsche Zeitung (SZ). Zahlreiche Beschuldigte waren oder sind in der Motorenentwicklung beschäftigt, bis hinauf zum mittleren Management. Unter den Verdächtigen ist ein Ex-Spitzenmanager: Wolfgang Hatz, ehedem Chef der Aggregate-Entwicklung bei Audi. Er sitzt seit Ende September 2017 in Untersuchungshaft. Die Staatsanwaltschaft München II will herausfinden, ob der frühere Audi-Vorstand um den langjährigen Vorstandschef Rupert Stadler von den mutmaßlichen Manipulationen wusste. Den Ermittlern liegen inzwischen mehrere Aussagen vor, wonach der frühere Audi-Vorstand und Stadler, der nach wie vor im Amt ist, von Problemen bei der Abgasreinigung von Dieselfahrzeugen gewusst hätten. Stadler hat wiederholt erklärt, er habe von Manipulationen nichts gewusst.

    Verkehrsminister Hofer will Tempo 140
    3.2.2018
    : Tempo 140 auf Autobahnen würde 24 % mehr Stickoxide, 11 % mehr Feinstaubpartikel und 10% mehr CO2-Ausstoss bewirken, kritisiert der Umweltlandesrat von Oberösterreich (Grüne) Rudi Anschober. Auf Wunsch von Verkehrsminister Norbert Hofer soll es in Oberösterreich, auf der dreispurigen Autobahn zwischen Allhaming-Voralpenkreuz und Voralpenkreuz-Eberstallzell eine Teststrecke für Tempo 140 geben. Infrastrukturlandesrat Günther Steinkellner (FPÖ) begrüßt dies.

    D: Hardware-Nachrüstung für Diesel
    2.2.2018
    : Um die Luftverschmutzung in den Citys in den Griff zu bekommen, sollen sich die möglichen Koalitionäre in Deutschland laut einem Entwurf auf Hardware-Nachrüstung für Diesel der Abgasklasse 5 verständigt haben. Die Finanzierung dafür (10 Mrd. Euro) ist völlig offen. Die Autohersteller haben solche Nachrüstungen bisher abgelehnt. Die Deutsche Umwelthilfe eV (DUH) hat bereits zehn deutsche Städte verklagt: Düsseldorf, Berlin, Frankfurt am Main, Hamburg, Hannover, Köln, Mainz, München, Stuttgart und Wiesbaden. In Düsseldorf ist die DUH aber beim Verwaltungsgericht abgeblitzt, ebenso im Dezember vorigen Jahres in Schleswig-Holstein.

    Verkehrsminister Hofer will Auspuff-Test abschaffen
    1.2.2018
    : Österreichs Verkehrsminister Norbert Hofer beharrt auf Abschaffung des Auspuff-Tests bei Dieselfahrzeugen (Euro 5 und 6) bei der „Pickerl“-Überprüfung. Die Autofahrerclubs applaudieren. Kritik kommt von Peter Kolba von der Liste Pilz und von Vertretern von Tesla: Die Auspuff-Messung sei „nicht nur unumgänglich“, sondern solle auch erweitert werden, so Hermann Reichl, Senior Lead des Technician Europe Service der Tesla Motor Austria (AUTO-Information 2406). Sich auf Software-Tests zu verlassen sei zu wenig, da „besonders beim Diesel eine Manipulation für einen positiven Abgastest über die Motorsoftware nicht nur ein Leichtes, sondern seit langem gängige Praxis ist“, so Reichl. In Deutschland wird auf beiden Seiten geprüft, im Auspuff und im Motor.

    Steuergeld für neue Dieselfahrzeuge?
    1.2.2018
    : Niedersachen tritt für eine steuerliche Prämie für Diesel-Fahrzeuge der neuesten Generation (Abgasnorm 6d) bis zu 2.000 Euro. Nur Bayern unterstützt bisher diesen Vorschlag. Kanzlerin Merkel hält „stadtspezifische Gespräche“ für notwendig, wobei sie vor allem jene 20 Städte in Deutschland im Auge hat, die den Grenzwert für Stickoxid massiv überschreiten. Kurz davor hat auch der Zentralverband des Deutschen Handwerks eV (ZDH) Berlin gefordert, ältere Dieselfahrzeuge mit SCR-Katalysatoren auf Kosten der Hersteller nach zu rüsten. Ein Gutachten von Universitätsprofessor Georg Wachtmeister von der TU München, empfiehlt laut „Spiegel“ ausdrücklich eine solche Nachrüstung durch Selective-Catalytic-Reduction-Systeme (SCR). Sie sei „eine effiziente Maßnahme zur Emissionsreduzierung“. Bei Kosten von 1.300 Euro erziele eine Nachrüstung ein NOx-Minus von 90%. Ein „Bauraum“ dafür in den Autos „ist mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit vorhanden“, so Wachtmeister (AUTO-Information Nr. 2494). Die Autohersteller lehnen diese Nachrüstung ab: „zu teuer“.

  • 1/2018 Abgastests auch mit Menschen, personelle Konsequenzen bei Audi und VW

    Abgastest mit Affen
    31.1.2018: Aus dem umstrittenen Abgastests mit Affen zieht Daimler personelle Konsequenzen. Udo Hartmann, der Leiter für Umweltschutz, der den Autobauer im Vorstand der Lobbyorganisation EUGT vertreten hatte, wurde mit sofortiger Wirkung freigestellt. Einen Tag vorher hatte Volkswagen seinen Cheflobbyisten Thomas Steg beurlaubt. Daimler hat nach eigenen Angaben eine Untersuchung eingeleitet und lässt sich dabei von einer Kanzlei unterstützen. Man werde den Sachverhalt lückenlos aufklären und sicherstellen, dass sich derartige Vorgänge nicht wiederholen, hieß es.

    Razzia bei Audi
    31.1. 2018: Neuerlich Razzia bei Audi, diesmal bei Managern: Die Staatsanwaltschaft München II hat bei einer Razzia nach weiterem Beweismaterial gesucht, um herauszufinden ob der Audi-Vorstand in den Abgasskandal verwickelt ist. In Bayern, Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz wurden die Wohnungen von sechs Audi-Beschäftigen durchsucht, berichten Süddeutschen Zeitung (SZ), NDR und WDR exklusiv. Es ist die zweite Razzia; die erste Razzia fand im März 2017 statt. Diesmal waren 38 Beamte der Staatsanwaltschaft und der Landeskriminalämter Bayern und Baden-Württemberg im Einsatz. 13 Verdächtige gibt es bei Audi. Der einzige Beschuldigte aus dem oberen Management ist Wolfgang Hatz, ehemaliger Chef der Aggregate-Entwicklung bei Audi und später Porsche-Vorstand. Er sitzt in Untersuchungshaft und bestreitet alle Vorwürfe.

    Audi: Leichen im Keller, Unterlagen gelöscht
    Mindestens zwei Beschuldigte haben inzwischen zugegeben, bei Audi Dieselautos manipuliert oder daran mitgewirkt zu haben und umfangreiches Material zur Verfügung gestellt, meldet die SZ. Einer der bisherigen Beschuldigten hat ausgesagt, nach dem Auffliegen des VW-Skandals durch US-Behörden Mitte September 2015 habe bei Audi in Ingolstadt Panik geherrscht. Man habe in der Motorenentwicklung gewusst, dass man Leichen im Keller habe. Zahlreiche Unterlagen seien gelöscht oder beiseitegeschafft worden, sagte der Beschuldigte, der dem mittleren Management bei Audi angehört hatte.

    Grenzwerte auf der Straße weit überschritten
    Einer der Hauptzeugen der Staatsanwaltschaft ist Ulrich Weiß, Ex-Chef der Motorenentwicklung bei Audi in Neckarsulm. Weiß hat umfassend über Vorgänge bis 2015 ausgesagt und dabei auch den damaligen Konzernvorstand belastet. Ein wichtiges Gremium bei Audi, der Arbeitskreis Produktstrategiekommission (PSK), habe intern Schadstoffwerte bei Dieselautos genehmigt, die weit über den Messergebnissen bei den Zulassungstest der Behörden gelegen hätten. Audi habe auf dem Prüfstand die Grenzwerte für gesundheitsschädliche Stickoxide eingehalten, auf der Straße aber weit überschritten. Bei Audi geht es um 253.000 manipulierte Fahrzeuge.

    Cheflobbyist Steg muss gehen
    30.1.2018:
    Volkswagen beurlaubt seinen Cheflobbyisten Thomas Steg, der für VW im Lobbyverein EUGT gewesen war. Das ist jener Verein, der Abgastests mit Affen und Menschen beauftragt hat.

    Abgastests auch mit Menschen
    29.1.2018: Abgastests auch mit Menschen. Der Lobbyverein EUGT hat nicht nur Abgastests mit Affen durchführen lassen, sondern auch mit Menschen. An der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen wurden im Rahmen eines Auftrages, den sich EUGT knapp 76.000 Euro kosten ließ, 25 Versuchspersonen Belastungen mit Stickstoffdioxid (NO2) ausgesetzt. Wie der Affentests sollte auch mit Menschen bewiesen werden, wie ungefährlich NO2 sei. Die öffentliche Empörung über Tier- und Menschenversuche ist weltweit enorm. Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel fordert Aufklärung und lässt über ihren Sprecher mitteilen: "Diese Tests an Affen oder sogar Menschen sind ethisch in keiner Weise zu rechtfertigen. Obwohl sich die Konzernspitzen von Daimler, BMW und VW in der Öffentlichkeit über diese Test überrascht geben, sollten sie längst darüber Bescheid wissen, schreibt die SZ. Zu den Vereinsvorständen des Vereins zählten hochkarätige Manager wie Udo Hartmann von Daimler, Hans-Georg Kusznir von VW und ein enger Mitarbeiter von VW-Cheflobbyisten Thomas Steg.

    Lobbyisten mit wissenschaftlicher Fassade
    28.1.2018:
    Deutsche Medien wie SZ decken auf, dass im EUGT-Vorstand nicht nur Manager von BMW, Daimler und Volkswagen vertreten waren, sondern ein Vertreter der Frankfurter Flughafengesellschaft Fraport. In seinem Beirat gab es sieben Professoren und Doktoren, angeführt von Prof. Dr. Helmut Greim von der TU München. „Bei genauer Betrachtung erweist sich der vermeintliche Forschungsverein aber als etwas ganz anderes. Vielmehr handelte es sich um eine Lobbyisten-Truppe mit wissenschaftlicher Fassade“, schreibt die SZ. Deutlich wird das beispielsweise in einem Newsletter vom Juni 2013 (PDF), in dem der Dieselantrieb als "Motor des Fortschritts" gefeiert wird. Der Diesel-Pkw werde Benzinern beim CO₂-Ausstoß und beim Kraftstoffverbrauch "auch in Zukunft ... überlegen sein", heißt es.

    Prof. Keil: Empört zurückgetreten
    Im Gegensatz zu Greim ist Ulrich Keil, einer seiner Kollegen im Forschungsbeirat und Professor an der Uni Münster, nach dem Auffliegen der VW-Manipulationen empört zurückgetreten.  Gegenüber der SZ sagte Keil dass "wir betrogen worden sind" und dass er da nicht mehr mitgemacht habe. "Es war beschämend, dass Wissenschaftler so vorgeführt wurden." Als er im Verein über Tempolimits habe reden wollen, weil sich so die Abgase enorm reduzieren ließen, sei ihm beschieden worden: "Das wird hier nicht diskutiert." Auch zwei andere Wissenschaftler seien aus dem Beirat ausgetreten.

    „Widerlich und absurd"
    27.1.2018: VW entschuldigt sich im Affen-Abgasskandal für „ für das Fehlverhalten und die Fehleinschätzung Einzelner". VW war bei diesem Tierversuch federführend gewesen. Daimler kündigte an, die Hintergründe aufklären zu wollen. Auch das Land Niedersachsen, Großaktionär von VW, kündigte eine vollständige Aufklärung der Geschehnisse an. Für den Ministerpräsidenten Niedersachsens und VW Aufsichtsrat Stephan Weil (SPD) ist dieser Test „widerlich und absurd".

    Abgastests mit Affen
    26.1.2018:
    Abgastests mit Affen: Zehn Affen mussten bei Versuchen in den USA die Autoabgase des VW Beetle einatmen - angeblich ohne Schaden für die Tiere. Wie die New York Times aufdeckt, sollte dieses Experiment 2014 im US-amerikanischen Albuquerque die „Sauberkeit“ deutscher Diesel-Autos dokumentieren. VW gibt das Experiment zu, das vom deutschen Lobbyverein "Europäischen Forschungsvereinigung für Umwelt und Gesundheit im Transportsektor" (EUGT) beim US-Institut Lovelace Respiratory Research Institute (LRRI) in Auftrag gegeben worden war. Die EUGT wurde 2007 von BMW, Daimler, Volkswagen und Bosch gegründet und am 30.06.2017 aufgelöst, wobei Bosch bereits 2013 ausgetreten war. Daimler distanziert sich vor diesem Experiment: „Wir halten solche Versuche für vollkommen sinnlos“, wird Daimler in der SZ zitiert.

    Deutsche Umwelthilfe: nächste Instanz
    24.1.2018:
    Deutsche Umwelthilfe (DUH) legt gegen Urteil des Verwaltungsgerichts Düsseldorf Rechtsmittel ein. Das Gericht hatte den Antrag der Deutschen Umwelthilfe auf Stilllegung von Euro5-Diesel-Pkw mit Betrugssoftware abgewiesen. Mit einer „Sprungrevision“ soll die Rechtsfrage durch das Bundesverwaltungsgericht geklärt werden. Notfalls will die DUH bis zum europäischen Gerichtshof gehen.

    Audi: „unzulässige Abschaltvorrichtungen“
    21..1.2018:
    Audi will fast 130.000 weitere Dieselmodelle in die Werkstätten zurückholen und umrüsten, davon 77.600 in Deutschland. Das deutsche Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) hat über V6-Dieselfahrzeuge von Audi einen Zwangsrückruf verhängt. Bei A4, A5, A6, A7, A8, Q5, SQ5 und Q7 seien „unzulässige Abschaltvorrichtungen“ festgestellt werden.

    Zwei Kontrollen, eine ist zu wenig
    19.1.2018:
    Die deutschen Prüfanstalten beharren auf zwei Abgastests: Sie seien notwendig, um mehr Mängel aufspüren zu können, berichtet der Standard. Die Projektgemeinschaft Emission Check 2020, der Prüfanstalten wie TÜV und Dekra angehören, kam zum Ergebnis, dass das Auslesen des elektronischen Fehlerspeichers der On-Board-Diagnose (OBD) allein nicht genügt. Lediglich bei 1,9 Prozent der Fahrzeuge konnten Mängel aufgespürt werden, wenn ausschließlich die On-Board-Diagnose-Daten geprüft werden. Nur minimal höher war die Quote an auffällig gewordenen Fahrzeugen mit 2,4 Prozent beim zweistufigen Verfahren, bei der die Endrohrmessung nur durchgeführt wurde, wenn die OBD nicht vollständig prüfbereit war, also Fehlermeldungen auswarf.

    7,1% Abgas-auffällige Fahrzeuge
    Signifikant mehr mangelhafte Abgasreinigungssysteme wurden erst bei einem echten Kombibetrieb von OBD und Endrohrmessung aufgespürt. Der Anteil der abgasdefekten Kfz schnellte in die Höhe, es wurden 7,1 Prozent auffällige Fahrzeuge erkannt. Für Deutschland mit 43,2 Millionen Kfz bedeute dies, dass allein rund eine Million Pkws mit abgasrelevanten Mängeln nicht identifiziert und in der Folge repariert werden können, so die Schlussfolgerung des Verbands der Prüfanstalten. "Eine Abgasuntersuchung mit obligatorischer Endrohrmessung ist daher zwingend notwendig. Mit "Dieselgate" habe die Untersuchung nichts zu tun. Sie wurde bereits im Februar 2015 veröffentlicht, also sieben Monate bevor die Abgasmanipulationen bei Volkswagen in den USA aufgeflogen sind.

    VW investiert 1,8 Mrd. € in nächsten Golf
    19.1.2018: Die Marke VW investiert 1,8 Mrd. Euro in den nächsten Golf (Golf 8), der 2019 auf den Markt kommen soll. Die neue Bezeichnung für die ab 2020 geplante Reihe reiner Elektroautos von VW heißt „ID“. Die neuen E-Autos der ID-Modellreihe sollen in Zwickau produziert werden.

    Ö: Treibhausgas-Emissionen um 0,8% gestiegen
    17.01.2018: Österreich hat 2016 (aktuellste Daten) die Treibhausgas-Emissionen gegenüber dem Vorjahr um 0,8 % gesteigert. Sorgenkind sei der Mobilitätsbereich, sagte die neue Umweltministerin Elisabeth Köstinger.
    Bis März 2018 soll eine integrierte Klima- und Energiestrategie vorgelegt werden. Bis 2050 soll es, so Verkehrsminister Norbert Hofer, einen CO2-neutralen Verkehrssektor geben. Das höhere Tempolimit von 140 km/h auf Autobahnen soll nur „streckenweise“ und „unter optimalen“ Bedingungen kommen.

    Köstinger: Dieselprivileg bleibt
    Gegenüber der "Tiroler Tageszeitung“ kündigte Bundesministerin Köstinger an: "Am Dieselprivileg wird nicht gerüttelt“. Das Regierungsprogramm sehe keine Steuererhöhungen vor.

    Perspektive für die Branche gesucht
    17.1.2018: Nach dem Dieselgipfel im August 2017 hatte die deutsche Bundesregierung vier hochrangig besetzte Expertengruppen eingesetzt, die Alternativen zu drohenden Fahrverboten und eine Perspektive für die Branche entwickeln sollten. Stattdessen gibt es nach Informationen der Süddeutschen Zeitung unter den Fachleuten Streit. Die wichtige Expertengruppe IV, die Alternativen bei Antrieben und Kraftstoffen vorschlagen sollte und die dem Bundeswirtschaftsministerium unterstellt ist, endete mit einem Eklat. Die Umweltorganisation BUND verweigerte die Zustimmung zu einem Abschlusspapier und verfasste aus Protest ein eigenes. Auch aus den Bundesländern kommt heftige Kritik. Den Umweltschützern kommen der Diesel und andere Verbrennungsmotoren zu gut weg. Die Elektromobilität werde dagegen nur am Rande behandelt. Aussagen zu geringeren Feinstaub-Emissionen von Benzinfahrzeugen könne der BUND ebenso wenig teilen wie die neueste Diesel-Generation "wieder uneingeschränkt empfohlen werden könnte". Auch die als Lösung propagierten synthetischen Kraftstoffe hält der BUND für problematisch.

    D: Regierung gerät unter Druck
    Die deutsche Regierung gerät unter Druck. Am 30. Jänner ist sie zum Rapport in Brüssel bestellt und wollte mit diesen Expertengruppen-Ergebnisse zeigen, wie sehr man sich anstrengt, Stickstoffdioxidbelastungen zu senken, um Fahrverbote zu verhindern.

    Bisherige Konzepte werden Fahrverbote „nicht verhindern“
    Streit gibt es auch um die Nachrüstung von Diesel-Fahrzeugen, die in einer weiteren Gruppe thematisiert wird. Es sei etwa ein Unding, dass das dort zuständige Verkehrsministerium die Nachrüstung bestimmter Benzinfahrzeuge mit Partikelfiltern nicht in den Abschlussbericht aufnehmen wolle, heißt es von Teilnehmern. Aus dem Verkehrsministerium hieß es lediglich, die beauftragten Untersuchungen zu den Nachrüstungen liefen noch. Ein Teilnehmer der Gruppen wird dagegen deutlich: "Was in den Expertengruppen bislang an angeblichen Lösungen auf dem Tisch liegt, wird Fahrverbote sicher nicht verhindern."

    Ö: Verkehrsministerium plant ungenaueren Abgastest
    17.1. 2018:
    Das österreichische Verkehrsministerium unter Norbert Hofer will im Zuge der §-57a-Überprüfung („Pickerl“) den Abgastest erleichtern: Autos, die ab 2006 zugelassen sind, sollen diesen Test nur mehr mit Computer machen müssen (mit Hilfe des On-Board-Diagnosesystems OBD) und nicht mehr durch Messungen im Auspuff („Endrohr-Prüfung“). Bei Diesel-Pkw geht es darum zu prüfen, ob Russ („Feinstaub“) aus der Röhre kommt. Laut Bericht des Standard (17. Jänner 2018, 23) kritisiert die Umweltanwaltschaft Niederösterreich diesen geplanten Verzicht auf die Endrohr-Messung und verweist auf Deutschland, wo diese Endrohrabgasmessungen 2018 wieder eingeführt wurden, nachdem sie 2012 abgeschafft worden sind. Reine Computer-Prüfungen haben sich als zu ungenau erwiesen. Der Autofahrerklub ÖAMTC unterstellt den Umweltschützern „technische Unwissenheit“. Das Umweltamt verweist auf renommierte Studien, die sowohl das Auslesen der On-Board-Diagnose-Daten (OBD) als auch eine Endrohr-Abgasmessung empfehlen.

    BMW: „City-Diesel-Garantie“
    17.1.2018: Mit einer „City Diesel Garantie“ möchte BMW Austria Käufer von Neufahrzeugen vor „äußerst unwahrscheinlichen“ Diesel-Fahrverboten in Österreich schützen.
    Im Falle von dauerhaften Fahrverboten können BMW-Fahrer auf ein anderes Leasing-Modell umsteigen, berichtet die AUTO-Information (Nr. 2403)

    VW-Rekord 2017: 10,74 Millionen Neuwagen
    17.1.2018: VW bestätigt, weltweit 10,74 Millionen Neuwagen im Jahr 2017 verkauft, damit einen noch nie dagewesenen Rekord erzielt zu haben und weltweit die Nummer 1 zu sein. In Europa betrug das Wachstum 3,3%, in Nordamerika 4%, in China 5,1 % und in Südamerika +23,7%. Die Verluste in den USA seien verringert worden und 2020 will VW im US-Geschäft den Dieselskandal verkraftet haben und wieder in den schwarzen Zahlen sein, kündigte VW-Markenchef Herbert Diess an.

    Gerichtsergebnisse sollen geheim bleiben
    14.1.2018:
    Der VW-Konzern wehrt sich mit allen Mitteln dagegen, dass Ergebnisse gerichtlicher Untersuchungen nach außen dringen und so Kunden die Möglichkeit gegeben wird, Schadenersatz-Ansprüche geltend zu machen. Die Konzernführung hat daher beschlossen, bis zum Bundesverfassungsgericht zu klagen, berichtet die SZ.

    Strafzahlung wird höher
    12.1.2018:
    Es bleibt nicht bei den 1,4 Mrd. Dollar (2,1 Mrd. kanadische Dollar), die VW 2016 in Kanada für einen Vergleich mit 105.000 Dieselauto-Haltern zahlen musste. Zu der Summe kommen jetzt noch 191 Millionen Euro für Entschädigungen und 1,6 Millionen Euro Geldstrafe für 20.000 größere Dieselautos mit illegaler Abgastechnik hinzu. Es handelt sich um VW Touareg, Porsche Cayenne und Audi Q7 der Modelljahre 2009-2016. Das Gericht muss dem Vergleich noch zustimmen. Bisher hat VW bereits über 25 Mrd. Euro für Vergleiche und Strafzahlungen in Nordamerika aufgewendet.

    Bosch und Conti stellen um
    11.1.2018:
    Die Autozulieferfirmen Bosch und Conti bereiten sich darauf vor, dass Autos bald elektrisch und von Computer gesteuert fahren. Beide verkaufen Teile ihres Traditionsgeschäfts, um in neue Technik zu investieren.

    Härtere Gangart gegen die Autohersteller?
    10.1.2018:
    Bei den Koalitionsgesprächen zwischen CDU und SPD zeichnete sich eine härtere Gangart gegen die Autohersteller ab: Es soll nun doch Hardware-Nachrüstungen geben.

    400 Firmen arbeiten am autonomen Fahren
    10.1.2018:
    Bei der CES (Consumer Electronics Show) in Las Vegas geben Volkswagen und der Chiphersteller Nvidia eine Partnerschaft für hoch automatisiertes Fahren bekannt. Sie wollen einen selbständig handelnden Co-Piloten entwickeln, der mit dem Fahrer spricht und ihn warnt. Seit Vorjahr ist Bosch Partner von Nvidia. VW ist schon Partner von Chris Urmson, einem ausgewiesenen Experten für fahrerloses Fahren. Weltweit arbeiten bereits 400 Firmen am autonomen Fahren.

    Ö: Mehr Pkw-Zulassungen
    10.1.2018:
    In Österreich wurde 2017 mit 353.320 Pkw-Zulassungen ein Plus von 7,2% erreicht, und damit der höchste Wert seit 2011. Obwohl Benziner stärker zulegen konnten (+24,2%) als Diesel-Pkw (+7,1%) überwogen mit 175.458 Stück noch immer Diesel-Pkw vor Benzinern mit 163.701 Stück. Es wurden 5.433 E-Autos zugelassen, um  42% mehr als im Jahr davor, was einem Marktanteil von 1,5% entspricht. Auch bei Hybrid dasselbe Bild: kleine Stückmengen (8.293), aber gigantische prozentuelle Zuwächse (76%). VW blieb Marktführer (16%), gefolgt von Skoda (7.1%). Rückläufig waren die Neuzulassungen von Audi, BMW und Opel. Stärker waren sie bei Seat, Ford, Renault, Hyundai und Mercedes.

    Zum Vergleich: In Westeuropa steigen 2017 die Pkw-Neuzulassungen um 2,5% auf 14,3 Mio. Pkw.

    Ford: illegale Abgas-Software
    10.1.2018: US-Kunden beschuldigen Ford, den zweitgrößten US-Autohersteller, bei mindestens 500.000 Diesel-Trucks mit Hilfe illegaler Software die Messwerte des Schadstoffs Stickoxid gefälscht zu haben und reichten in Detroit eine Sammelklage ein.

    8.1.2018: Ex-VW-Manager Oliver Schmidt wehrt sich gegen seine fristlosen Entlassung, bestätigt das Arbeitsgericht in Braunschweig. Schmidt wurde in erster Instanz wegen des Dieselskandals verurteilt.

    IG Metall fordert 6% mehr Lohn
    8.1. 2018: Die IG Metall startete mit bundesweite Warnstreiks, darunter bei Porsche Stuttgart. Die Gewerkschaft will für vier Millionen Beschäftigte sechs Prozent mehr Lohn und flexiblere/kürzere Arbeitszeiten. Die Arbeitgeber bieten zwei Prozent und fordern länger Arbeitszeiten.

    VW: 220 Mrd. Euro Rekord-Umsatz
    7.1.2018:
    Laut Bild am Sonntag hat der VW-Konzern 2017 so viel Autos verkauft wie noch nie und bleibt mit über 10,7 Mio. verkauften Autos weltweit die Nummer 1. Auch beim Umsatz soll es mit 220 Mrd. Euro einen neuen Rekord geben. Bei VW Skoda und Seat lief es gut, bei Audi weniger gut.

    GB: Neuwagenverkauf gesunken
    5.1.2018:
    Der britische Automarkt erlitt 2017 den größten Einbruch seit acht Jahren. Der Absatz von Neuwagen fiel um mehr als fünf Prozent auf rund 2,54 Millionen Fahrzeuge, die Nachfrage nach Diesel-Pkw sank um 17%. Grund sei vor allem die Verunsicherung über die Zukunft der Dieseltechnologie und die Folgen des britischen EU-Austritts.

    „Größte Rabattschlacht seit dem Zweiten Weltkrieg“
    4.1.2018: Prof. Dr. Ferdinand Dudenhöffer, Direktor des CAR-Institutes an der Universität Duisburg-Essen meint im Interview mit der Fachzeitung Auto & Wirtschaft (01/2018, Seite 53), die Eintauschaktion habe in Deutschland „die größte Rabattschlacht seit dem Zweiten Weltkrieg“ ausgelöst, mit mehr als 40% Rabatt bei Verschrottung eines alten Autos. Der „Autoprofessor“ rechnet mit einem Verkaufsloch Anfang 2018.


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