Weltverbrauchertag 2019: wir ziehen Bilanz

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Wir wünschen einen guten Weltverbrauchertag! Zu diesem Anlass ziehen wir Bilanz. Was hat Konsumenten 2018 bewegt? Welche Erfolge konnten wir erzielen? (Bild: aleksandar-mijatovic/shutterstock.com)

VW-Sammelklage, 134 Untersuchungen, 294 Gerichtsverfahren, 32.000 verkaufte Bücher und 58.400 Beratungen. Wir blicken auf ein erfolgreiches Jahr 2018 für den Konsumentenschutz zurück. Der Weltverbrauchertag ist ein wichtiger Aktionstag der Konsumentenschutzorganisationen – wir ziehen Bilanz.

Im Vorfeld des Weltverbrauchertages am 15. März 2018 zogen VKI-Geschäftsführer Mag. Dr. Rainer Spenger und Mag. Thomas Hirmke, Leiter des Bereichs Recht im VKI, Bilanz und gaben Einblick in aktuelle Projekte, Erfolge sowie künftige Herausforderungen.

 „Wir tun unser Bestes, um Konsumentinnen und Konsumenten ein reichhaltiges Informations- und Beratungsangebot zu bieten und sie bei der Rechtsdurchsetzung zu unterstützen“, betont VKI-Geschäftsführer Spenger, „auch wenn wir derzeit im Hinblick auf eine sich im Wandel befindliche Konsumwelt in einem besonders fordernden Umfeld arbeiten.“

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Mag. Dr. Rainer Spenger (Geschäftsführer des VKI) und Mag. Thomas Hirmke (Leiter des Bereichs Recht) bei der Pressekonferenz zum Weltverbrauchertag. (Bild: VKI)

Plattform für Konsumenten in Österreich

Schon seit 1961 vertreten wir die Interessen von Konsumentinnen und Konsumenten und stärken ihre Position gegenüber Unternehmen in Österreich und durch das Europäische Verbraucherzentrum (EVZ) auch grenzüberschreitend. Seit 1999 ist das EVZ beim VKI angesiedelt und stand den Konsumenten und Konsumentinnen im Jahr 2018 mit 5.500 Beratungen und 1.600 Interventionen zu grenzüberschreitenden Problemen zur Seite. Seit Dezember 2018 ist das EVZ Österreich zudem offizielle Kontaktstelle bei Beschwerden zum Thema Geoblocking. 

Zusammen mit unserem Online-Auftritt, der Rechtsabteilung, der Untersuchung, dem Beratungszentrum, dem Testmagazin KONSUMENT, den KONSUMENT-Büchern und unseren vielseitigen Aktionen entstand in den vergangenen Jahrzehnten eine umfassende, vielseitige Plattform für Konsumenteninformation in Österreich. „Thematisch und organisatorisch sind wir breit aufgestellt, das unterscheidet uns von anderen Verbraucherorganisationen in Europa“, so Spenger. Digitalisierung, Individualisierung, Finanzierung – klar ist, dass wir den Wandel wahrnehmen und darauf reagieren. „Wir dürfen nicht stehen bleiben und müssen uns immer weiterentwickeln“, so der VKI-Geschäftsführer.

"Anwaltskanzlei, Beratungsinstitut, Medienhaus und Forschungsinstitut"

Das alles und viel mehr ist der VKI. Ohne die Arbeit von unabhängigen Verbraucherorganisationen wären Konsumentinnen und Konsumenten heute in einer wesentlich schwächeren Position gegenüber Wirtschaft und Politik. „Wir wollen Konsumenten im Alltag stärken, denn auch dieser wird immer komplizierter und undurchsichtig“, so Hirmke. Neben der Rechtsberatung und Klagsarbeit steht vor allem das Testen von Produkten und Dienstleistungen im Fokus unserer Arbeit. „Nach außen hin ist KONSUMENT unser Flaggschiff“, so Spenger. 

Tests und Testplakette

Seit der Gründung des VKI testen wir hier selbstständig, aber auch in Kooperationen mit internationalen Test-Organisationen, wie der Stiftung Warentest. Wir vergeben jährlich an die 1000 Testurteile an Produkte und Dienstleistungen. Dadurch wollen wir Sie vor Fehlkäufen schützen sowie Sicherheit und Transparenz am Markt gewährleisten. Sichtbar werden unsere Testergebnisse vor allem durch die Testplakette, von der wir im vergangenen Jahr 72 Stück vergeben haben. 

Kooperationen: Österreichisches Umweltzeichen

Zusätzlich zu unserer Testarbeit wickeln wir verschiedenste Projekte für zahlreiche Institutionen ab und blicken auf langjährige Kooperationen zurück, wie z.B. dem Hauptverband österreichischer Sozialversicherungsträger, den Arbeiterkammern der Länder, dem Schutzverband der österreichischen Lebensmittelindustrie oder der Österreichischen Apothekerkammer. Besonders hervorzuheben ist das Österreichische Umweltzeichen.

Hier sind wir akkreditierte Prüfstelle für das Bundesministerium für Nachhaltigkeit und Tourismus. Das Österreichische Umweltzeichen steht für höhere Lebens- und Umweltqualität, klare und transparente Information und Umweltpolitik in Eigenverantwortung der Unternehmen und Organisationen. „Wir konnten dieses Projekt bis 2023 verlängern, das ist ein großer Erfolg für uns und stärkt unsere Expertise im Umweltbereich“, erklärt Spenger. 

Lebensmittel-Checks

​Jede Woche veröffentlichen wir außerdem Lebensmittel-Checks. Das sind Meldungen über Produkte, durch die sich Konsumenten getäuscht fühlen. Durch direkte Hinweise von Konsumenten können wir damit regelmäßig versteckte Preiserhöhungen und Mogelpackungen entlarven. In letzter Konsequenz und bei keiner sichtlichen Verbesserung klagen wir die betroffenen Firmen, wie z.B. Innocent im vergangen Jahr.

Bilanz 2018: Marktkontrolle

Wir sind uns sicher: breite, vielseitige und fundierte Konsumenteninformation räumt Risiken aus, sichert faire Märkte und fördert gleichzeitig den Qualitätswettbewerb. 

Deshalb haben wir uns 2018 für Ihre Rechte eingesetzt und z.B. …:

  • … in Summe 134 Tests, Marktübersichten und Reports veröffentlicht. Dabei haben wir z.B. Plastik in Meersalz und Glyphosat in Bier gefunden. Des Weiteren haben wir uns zukunftsrelevanten Fragen zu Online-Kriminalität, Datenschutz oder Versicherungen bzw. Finanzprodukten gewidmet und Produkte des täglichen Gebrauchs auf Herz und Nieren geprüft.
  • … die bereits 25 Jahre währende Klagstätigkeit des VKI erfolgreich fortgesetzt. Insgesamt führten wir 294 Verfahren im Jahr 2018, also Musterprozesse, Abmahnungen, Verbandsklagen und Sammelklagen. Die Verfahren – soweit abgeschlossen – wurden zu mehr als 90 % erfolgreich beendet.
  • … die größte bisherige Sammelklagswelle „Österreich gegen die VW AG“ gestartet und im September 16 Sammelklagen bei 16 österreichischen Gerichten für rund 10.000 Geschädigte eingebracht. 
  • … die erfolgreiche Aktion „Energiekosten-Stop“ fortgesetzt. In diesem Jahr startet nun bereits die 7. Ausgabe. Bei der 6. Aktion konnten wir 70.178 Anmeldungen verzeichnen, das zweitbeste Ergebnis seit Beginn der Aktion. Ersparnis für Verbraucher: 3,4 Mio.  Euro
  • … insgesamt 57.769 Beratungen für Sie durchgeführt. Telefonisch, persönlich und online.
  • … bei 1000 Unternehmen interveniert  (Persönlichen Beratungen und Online-Beschwerdeerledigung)
  • … uns für die Verbraucherbildung der jüngeren Generationen eingesetzt und unsere erfolgreichen Projekte „Konsument in der Schule“ (60 Klassen/1.500 Schüler und Schülerinnen) und „Jetzt teste ich“ (678 Schüler und Schülerinnen/144 Arbeiten) fortgeführt.

Transparenz schaffen, Kontrolle sichern

Seit mehr als 25 Jahren ist der VKI im Bereich Klagen tätig und unterstützt Konsumenten bei der Rechtsdurchsetzung, sorgt für mehr Transparenz und ist damit ein wichtiges Instrument zur Kontrolle des Marktes. „Das ist unsere Aufgabe und das haben wir auch 2018 gemacht“, so Hirmke. Gesetzeswidrige Geschäftspraktiken, unzulässige AGBs und irreführende Werbung – die Verfahren wurden zu mehr als 90 % erfolgreich beendet. Thematische Schwerpunkte waren beispielsweise Möbelpacker wegen falscher Preisauszeichnungen, Gutscheine, Werbungen für Kredite und Autoleasing wegen mangelnder Information, 24-Stunden-Betreuung und die Firma Münzkontor.

VW-Abgasskandal

Das dominierende Thema 2018 war allerdings der VW-Abgasskandal. Im Frühjahr 2018 hat der VKI die größte bisherige Sammelklagswelle Österreichs gegen die VW AG gestartet. Im September haben wir dann 16 Sammelklagen bei 16 Landesgerichten Österreichs für rund 10.000 Geschädigte eingebracht. „Das war vor allem eine logistische Herausforderung“, sagt Hirmke heute. Mittlerweile haben bereits einige Verhandlungen stattgefunden. Insgesamt geht es hier um einen Streitwert von 60 Millionen Euro. Wir berichten hier über die laufenden Entwicklungen.

„Gerade das Beispiel VW zeigt, wie wichtig die Tätigkeit des VKI bei der Durchsetzung von Massenschäden ist. Nur der VKI konnte tausende Fälle zu Gericht bringen. Dadurch wird Rechtsdurchsetzung auch gegen große Unternehmen ermöglicht und Konsumentenrechte werden zum Leben erweckt“, erläutert Mag. Thomas Hirmke, Leiter des Bereiches Recht. Insgesamt bewertet Thomas Hirmke das Verbraucherschutzniveau in Österreich als gut. „Ich sehe den VKI im Fall VW vor allem als Motor im strafrechtlichen Ermittlungsverfahren“.

Kennzahlen, Onlineauftritt, Preiserhöhung 

Klar ist: Konsumentenschutz kostet Geld. Viel Geld. Da wir uns zu einem großen Teil selbst finanzieren (zwischen 65 % und 70 %), bewegen wir uns wirtschaftlich in einem engen Rahmen. Trotz dieser herausfordernden Situation und einem rückläufigen Printsektor halten sich die Abo-Zahlen des Testmagazins KONSUMENT konstant bei ca. 50.000. Auch im Buchbereich können wir Erfolge verzeichnen. Im letzten Jahr konnten wir 32.000 Exemplare verkaufen. 

"Alles geregelt - das KONSUMENT-Vorsorgebuch" war besonders beliebt bei Konsumenten. Von den Neuerscheinungen 2018 verzeichnete das "Handbuch Datenschutz" den besten Start. Auch international sind wir hier erfolgreich unterwegs und verkaufen Lizenzen an europäische Konsumentenschutzeinrichtungen. Im Onlinebereich verzeichnen wir auf konsument.at 10.200 Abonnenten, 2.180 verkaufte Tageskarten und 3,6 Millionen Visits. Auf vki.at - "der Landingpage unseres Vereins", so Spenger - konnten wir 360.000 Visits verzeichnen. Um diese Zahlen weiter auszubauen, brauchen wir Mut, Engagement und finanzielle Mittel. Derzeit befinden wir uns in internen Budgetgesprächen, um den VKI fit für die nächsten Jahre zu machen.

Trotzdem wird es immer schwieriger, die entsprechenden finanziellen Ressourcen aufzustellen. Deshalb mussten wir, mit Jahreswechsel unsere Preise anpassen. Wir haben uns vorgenommen, im Gegenzug unser Heft in den nächsten Monaten noch attraktiver und informativer zu gestalten bzw. unser Online-Angebot sukzessive auszuweiten. Das E-Paper war hier ein erster wichtiger Schritt. Außerdem wollen wir mit einem Premium-Abo unser Angebot erweitern und für Abonnenten zusätzliche Anreize schaffen. Die Zukunft – das ist hier Konsens – findet online statt. „Wer die Entwicklungen kennt, der weiß, dass wir in den kommenden Jahren nur im Onlinebereich erfolgreich sein werden.“, so der Geschäftsführer. 

Zukünftige Herausforderungen

„Die künftigen Herausforderungen sind enorm“, erklärt Spenger. „Globalisierung, stärkere Mobilität, zunehmende Individualisierung, ein geändertes Kommunikationsverhalten und eine unaufhaltsam fortschreitende Digitalisierung: Das sind nur einige der Begriffe, die den großen Wandel der Gesellschaft, der gerade stattfindet, umschreiben.“ Diese Entwicklung bringe nicht nur Chancen, sondern ebenso Gefahren für die Konsumentinnen und Konsumenten mit sich. Entsprechend verändern sich auch die Aufgabenbereiche des VKI: Unser Fokus auf Onlinehandel, grenzüberschreitende Verbraucherfragen und Datenschutz wird folglich zunehmend größer.

Über die Grenzen Österreichs aktiv

Der Blick über die Landesgrenzen hinaus spielt auch im Bereich der Klagstätigkeit des VKI eine zunehmend wichtigere Rolle. Das zeigt sich nicht nur an Verfahren gegen Amazon und Zalando, sondern besonders deutlich anhand des angeführten Beispiels VW: Hier ist derzeit die Frage zu behandeln ob eine Zuständigkeit in Österreich oder Deutschland gegeben ist. 

Diese Frage, die für manche aufs Erste ohne große Konsequenz erscheinen mag, ist für die betroffenen Konsumentinnen und Konsumenten eine enorme Erschwerung für die Durchsetzung ihrer Rechte. Doch auch in anderen Fällen, wie etwa jenem der schadhaften Brustimplantate der französischen Firma PIP, der MPC-Schifffonds oder rund um ein Verfahren gegen Zahlungsbedingungen der Deutschen Bahn, ist der VKI in den letzten Jahren über die Grenzen Österreichs hinaus zunehmend aktiv.

Die Konsumenten der Zukunft

​ „Eine besondere Herausforderung stellt für uns aber natürlich auch die Verbraucherbildung dar“, betont Rainer Spenger. „Besonders bei den Jüngsten ist es wichtig, dass sie früh jene Kompetenzen erwerben, die sie zu überlegten (Kauf-)Entscheidungen ermächtigen. Deshalb haben wir beispielsweise das Projekt ‚KONSUMENT in der Schule‘ gestartet, bei dem wir eng mit dem Lehrpersonal kooperieren und gezielt ein jüngeres Publikum ansprechen. 

Doch gleich welchen Alters Verbraucherinnen und Verbraucher sind: Unser Anliegen ist es, Jung und Alt gut in eine künftig zunehmend digitalisierte, „smarte“ Konsumwelt zu begleiten, wobei auch wir selbst als Verein stets zur Veränderung und Erneuerung gezwungen sein werden. Was aber jetzt und künftig gleichbleiben soll: Das Augenmerk auf unsere Grundwerte - Unabhängigkeit, Unbestechlichkeit und Objektivität.


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