Ein Tchibo-Kaffee in Bio-Verpackung? Der Schein trügt Ein Tchibo-Kaffee in Bio-Verpackung? Der Schein trügt  |  Bild: Konstantinoudi/VKI

Tchibo-Bio-Kaffee: Verpackungs-Schwindel

Ein Tchibo-Bio-Kaffee in einer Papierverpackung? Unser Greenwashing-Check zeigt allerdings: Der Schein trügt.

1. Was uns stutzig gemacht hat

In letzter Zeit finden sich im Supermarkt immer häufiger Produkte, die mit „grünen“ Verpackungen um die Gunst der Kunden buhlen. „Geht da alles mit rechten Dingen zu?“, fragen sich manche Konsumenten zu Recht und wenden sich an uns. Wir haben einige Produkte in die engere Vorauswahl genommen und schließlich exemplarisch den Bio-Kaffee von Tchibo für unseren Greenwashing-Check ausgesucht.

2. Der Check

Dass Tchibo ­einen Bio-Kaffee im Sortiment führt, ist begrüßenswert. Die Ökobilanzen von Bio-Kaffee sind im Vergleich zu konventioneller Ware weitaus besser – insofern ist das Produkt eine gute Erweiterung des recht mageren Bio- Kaffee-Angebots im heimischen Handel. Der Tchibo- Kaffee ist bio-zertifiziert (u.a. EU- Biosiegel) und wirbt auf der Verpackung auch mit dem nicht gänzlich unumstrittenen Rainforest-Alliance-Siegel (wir werden im Rahmen des Greenwashing-Checks noch das eine oder andere Gütesiegel ­untersuchen).

Sieht aus wie Altpapier

Das Stichwort ist jedenfalls gefallen: Ver­packung. Der Tchibo-Bio-Kaffee kommt im „Altpapier-Look“ daher. Wer die Verpackung in Händen hält, ist ob der Rauheit doppelt überzeugt. Optik und Haptik suggerieren den Verbrauchern, dass das Verpackungsmaterial auf dem nachwachsenden Rohstoff Holz basiert. Tja, weit gefehlt. Die Ver­packungsindustrie ist inzwischen so weit, dass sie Kunststoff täuschend echt die raue Haptik von Papier verleihen kann – so auch im vorliegenden Fall. Wer sich die Mühe macht, online zu recherchieren, was hinter dem auf der Verpackung abgedruckten Recyclingcode C/LDPE 90 steckt, wird erhellt: Polyethylen (mit geringer Dichte) und Aluminium. Es handelt sich somit um ein Verbundmaterial. Denn innen ist die Ver­packung mit Aluminium beschichtet.

Nicht ins Altpapier

In der Altpapiertonne hat sie also nichts zu suchen, sondern muss allenfalls im gelben Sack entsorgt werden. Nicht selten sagen regionale Entsorger aber „Nein danke!“ zu solchen Verbundmaterialien. So z.B. in Wien, wo derartige Verpackungen im Restmüll entsorgt werden müssen. „Verwertet“ werden sie thermisch – in anderen Worten: Sie wandern in den Fernwärme-Ofen. ­Warum? Die zuständige MA 48 erläutert es recht klar: „Auch wenn solche Verbundverpackungen vielleicht in anderen Bundesländern durch den gelben Sack mitgesammelt werden, heißt dies nicht, dass sie auch recycelt werden. Dafür gibt es schlichtweg in Österreich nicht die geeigneten Recycling­anlagen.“ Ein ökonomisch und ökologisch sinnvolles Recycling ist also schwer möglich.

Was passiert mit dieser Verpackung?

Was passiert dann mit den eingesammelten Verbundverpackungen? Sie werden mühsam aussortiert und landen im Ofen. Oder in den undurchsichtigen Windungen des internationalen Müllhandels – und somit im schlimmsten Fall auf einer illegalen Deponie in Fernost.

3. Hält das grüne Versprechen?

In der Schule hätten die Tchibo-Marketingstrategen wohl ein „Fünf, setzen!“ mit auf den Weg bekommen. Ein an sich interessantes Produkt in Bio-Qualität wird durch ein durchsichtiges Greenwashing-Manöver ­unnötig torpediert. In den " 7 Sünden des Greenwashing ") findet sich die Strategie unter "Lügen: Sachlich falsche Aussagen, die Verbraucher gezielt in die Irre führen“.

Falsche Aussagen

In diesem Fall über die Altpapier-Aufmachung der Ver­packung, die eigentlich ein Kunststoff-Aluminium-Gemisch ist. Dass Konsumenten wegen ­dieser Täuschung die Verpackung oft nicht sachgemäßg entsorgen bzw. diese in Österreich ohnehin nicht oder kaum recycelt werden kann, ist den Verantwortlichen bei Tchibo offenbar egal. Oder sie nehmen es für mehr Umsatz bewusst in Kauf. Auch in der Stellungnahme des Unternehmens ist von Einsicht nicht viel zu bemerken.

Auf den Vorwurf des Greenwashing wird nicht eingegangen, man verweist lediglich auf laufende Verpackungsinnovationen. Immerhin: Unseren Vorschlag, zumindest einen klaren Entsorgungshinweis auf der Verpackung zu platzieren, ­wolle man intern prüfen, heißt es.

4. Was sagt Tchibo dazu?

Wir haben Tchibo mit den Ergebnissen unseres Checks konfrontiert. In einem Antwortschreiben argumentiert eine Sprecherin, dass es bei den Verpackungen in erster Linie darauf ankomme, das Kaffeearoma zu schützen sowie eine lange Produkthaltbarkeit zu ­sichern. "Wir testen aktuell verschiedene Materialien und Materialkombinationen, um diesem Anspruch auch mit einem verringerten Materialeinsatz, der Verwendung von nachhaltigeren Materialien und einer Verbesserung der Recyclingfähigkeit gerecht zu werden“, heißt es weiter.

Ohne Alu, weniger Kunststoff

Seit ­Anfang des Jahres sei eine Verpackung in Verwendung, „die ohne Aluminium und mit deutlich weniger Kunststoff produziert wird“. Allerdings lediglich bei einem einzigen Produkt. Weitere sollen folgen. Wann, wird nicht gesagt. Abschließend wird noch die unternehmenseigene „Nachhaltigkeitsroadmap im Bereich Kaffeeverpackung“ und ein entsprechender Blogbeitrag auf der Tchibo-Homepage erwähnt.

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