Chemikalien in Produkten: EU-Projekt AskREACH gestartet

Schützen Sie sich vor besonders besorgniserregenden Chemikalien. Eine App soll helfen.

Über 100.000 verschiedene Chemikalien werden weltweit für die Herstellung von Alltagsgegenständen verwendet. Einige sind schädlich für Mensch und Umwelt. Die EU regelt den Umgang mit chemischen Substanzen seit 2007 durch die Chemikalien-Verordnung REACH. Spezielles Augenmerk liegt dabei auf sogenannten "besonders besorgniserregenden Stoffen".

Projekt "LIFE AskREACH"

Das von der EU geförderte Projekt "LIFE AskREACH" soll EU-weit Bevölkerung, Handel und Industrie für diese Substanzen in Alltagsgegenständen sensibilisieren. Kern ist eine Smartphone-App.

Mit ihr sollen sich Verbraucherinnen und Verbraucher über solche Stoffe informieren und Anfragen an Lieferanten schicken.

Ledertaschen oder Wasserbetten

Chemikalien kommen auf die Liste der „besonders besorgniserregenden Stoffe“, wenn sie beispielsweise krebserregend, fortpflanzungsschädigend oder hormonell wirksam sind. Auch Substanzen, die als besonders kritisch für die Umwelt angesehen werden, fallen darunter. Diese Stoffe können in vielen Produkten enthalten sein: z. B. in Spielzeug, Schuhen, Kleidung oder Schmuck, aber auch in Möbeln, Geschirr und Sportgeräten bis hin zu Elektronik, Büromaterial, Ledertaschen oder Wasserbetten.

„Besonders besorgniserregende Stoffe“ – oder Substances of Very High Concern (SVHC) – sind beispielsweise krebserregend, hormonell wirksam oder solche, die als besonders kritisch für die Umwelt angesehen werden. Die europäische Chemikalienverordnung REACH legt Informationspflichten für SVHC fest. Ist ein SVHC in einem Erzeugnis in einer Konzentration über 0,1 % enthalten, muss diese Information von jedem Lieferanten an jeden kommerziellen Kunden in der Lieferkette weitergegeben werden. Verbraucherinnen und Verbraucher müssen auf Anfrage ebenfalls informiert werden und sind damit in der Lage, bewusste Kaufentscheidungen zu treffen.

20 Partner aus 13 europäischen Ländern

Um das REACH-Verbraucherrecht in der europäischen Bevölkerung bekannter zu machen, startet das Umweltbundesamt zusammen mit 20 Projektpartnern aus 13 EU-Mitgliedstaaten das EU LIFE Projekt AskREACH. Folgende Projektziele sollen erreicht werden:

  • Sensibilisierung der Bevölkerung zu SVHC in Erzeugnissen, damit bewusste Kaufentscheidungen getroffen werden können
  • Sensibilisierung von Lieferanten, damit sie ihre REACH Informationspflichten angemessen erfüllen
  • Verbesserung der Information über besonders besorgniserregende Stoffe von Verbrauchern durch Lieferanten
  • Verbesserung der Kommunikation in der Lieferkette mit dem Ziel, SVHC in Erzeugnissen zu ersetzen

Datenbank kommt

Im Verlauf des Projektes wird eine Datenbank entwickelt, die von den Erzeugnis-Lieferanten mit Informationen über besonders besorgniserregende Stoffe gefüllt werden kann. Einige große Firmen haben bereits ihre Unterstützung für das Projekt zugesagt und werden die Vorreiter sein, die zuerst ihre Daten eingeben. Die Datenbank wird mit einer Smartphone-App gekoppelt, die an alle EU-Sprachen adaptiert werden kann. EU-Bürger können die App nutzen, um Informationen zu SVHC in Erzeugnissen zu erhalten. Sollten die gewünschten Informationen in der Datenbank noch nicht vorhanden sein, wird automatisch eine Anfrage an den Erzeugnis-Lieferanten gesendet.

Lieferanten unterstützen

Ein weiteres IT-Tool soll Lieferanten bei der Kommunikation in der Lieferkette unterstützen. In dem Projekt sind zwei Kampagnen in allen teilnehmenden EU-Staaten zur Sensibilisierung von Verbrauchern und Erzeugnis-Lieferanten vorgesehen. Die Kampagnen werden außerdem in mindestens fünf EU-Staaten übertragen, die keine Projektpartner sind. Die Projektergebnisse werden allen EU Mitgliedstaaten zur Verfügung stehen.

Umwelt und Konsumenten

Projektpartner sind Behörden, wissenschaftliche Einrichtungen und Nichtregierungs-Organisationen aus dem Bereich Umwelt und Verbraucher: 

  • Österreich: Verein für Konsumenteninformation (VKI), GLOBAL 2000
  • Kroatien: Friends of the Earth Croatia (ZelHR)
  • Tschechien: Arnika – Toxics and Waste Programme
  • Dänemark: Danish Environmental Protection Agency (DKEPA), Danishb Consumer Council (DCC)
  • Frankreich: Institut National de l’Environnement Industriel et des Risques (INERIS)
  • Deutschland: Umweltbundesamt (UBA), Baltic Environmental Forum Germany (BEF DE); Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND); Hochschule Darmstadt Sonderforschungsgruppe Institutionenanalyse (sofia)
  • Griechenland: National Observatory of Athens (NOA)
  • Lettland: Baltic Environmental Forum Latvia (BEF LV)
  • Luxemburg: Luxembourg Institute of Science and Technology (LIST)
  • Polen: Buy Responsibility Foundation (FKO)
  • Portugal: Association for the Sustainability of the Earth System (ZERO)
  • Spanien: Ecologístas En Acción (EEA)
  • Schweden: Swedish Chemicals Agency (KEMI), Swedish Consumers Association (SCA)
  • Europa: European Environmental Bureau (EEB)

Projekt läuft bis 2022

Das Projekt wird im Rahmen des EU LIFE Programms gefördert (Projektnummer LIFE16 GIE/DE/000738). Die Laufzeit reicht vom 1. September 2017 bis zum 30. August 2022. Eine Webseite mit Informationen zum Fortschritt und zu den Ergebnissen des Projektes wird voraussichtlich ab März 2018 verfügbar sein.

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Eine Smartphone-App soll in Zukunft Verbraucher über problematische Stoffe informieren. Das Projekt wird im Rahmen des EU LIFE Programms gefördert.

Bis eine europäische Datenbank aufgebaut ist und Apps aus dem AskREACH Projekt verfügbar sind, können Verbraucherinnen und Verbraucher die Apps benutzen, die in Dänemark (TjekKemien) und Deutschland (Scan4Chem, ToxFox) bereits angeboten werden. Die App Scan4Chem des UBA erleichtert die Anfragen bei Lieferanten, ist aber noch nicht an eine Datenbank mit SVHC-Informationen angeschlossen.


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