So testen wir

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Test Skibrillen (Bild: VKI)

Heutzutage ist es einfach, an „Testergebnisse“ heranzukommen. Aber was steckt im Einzelfall dahinter?

Entscheidende Fragen

  • Beruhen diese Ergebnisse auf qualitätsgesicherten und unabhängigen Prüfungen?
  • War bei der Produktauswahl und bei der Testdurchführung jede Einflussnahme durch Hersteller und Anbieter ausgeschlossen?
  • Musste auch bestimmt keine Rücksicht auf Inserateneinnahmen genommen werden?
  • Und waren Experten mit entsprechender Erfahrung und Fachkompetenz am Werk?

Unsere Ergebnisse sind hieb- und stichfest und somit echte Entscheidungshilfen.

Unsere klare Antwort

Als Non-Profit-Organisation sind wir in der glücklichen Lage, alle diese Fragen guten Gewissens mit „ja“ beantworten zu können. Ob Produkte des täglichen Lebens, Nahrungsmittel, Dienstleistungen oder die sozialen und ökologischen Produktionsstandards von Unternehmen – wenn wir etwas unter die Lupe nehmen, dann tun wir das nach einem vordefinierten Ablauf und dokumentieren dabei jeden Schritt. Und das für mehr als 100 Testveröffentlichungen pro Jahr. Das entspricht immerhin über 1000 Ergebnissen für untersuchte Produkte und Dienstleistungen.

Unser Lohn ist das Vertrauen der Menschen in unsere Arbeit, die auch von der Wirtschaft wahrgenommen wird. So steigt kontinuierlich die Zahl der Unternehmen, die bei uns nach der Veröffentlichung der Ergebnisse Testplaketten beantragen. Damit dürfen sie offiziell auf die von uns bestätigte Qualität ihrer Produkte hinweisen.

Testanregungen

Viele klassische Testthemen liegen gewissermaßen auf der Straße beziehungsweise in den heimischen Haushalten. Die Bereiche Unterhaltungselektronik, Haushaltsgeräte, Computer, Smartphones, Sport- und Freizeitgeräte, Versicherungen und Sparformen werden von uns regelmäßig aufgegriffen und aktualisiert. Das ist quasi unser Standardrepertoire. Darüber hinaus berücksichtigen wir Vorschläge, die von Konsumentinnen und Konsumenten an uns herangetragen werden, führen regelmäßig Leserumfragen durch und beobachten aufmerksam neue Entwicklungen am Markt. Schließlich stimmen wir uns auch mit unseren Partnerorganisationen ab, insbesondere mit der deutschen Stiftung Wartentest sowie der internationalen Testplattform ICRT (International Consumer Research and Testing).

Die Hersteller haben keinen Einfluss auf unsere Themenwahl. Es ist definitiv nicht möglich, uns damit zu beauftragen, ein bestimmtes Produkt zu testen.

Themenplanung

Aus der Fülle an Themen kristallisiert sich in abteilungsübergreifenden Gesprächen ein Jahresplan heraus, der sukzessive abgearbeitet wird, aber immer noch flexibel genug für die Berücksichtigung aktueller Trends ist. Sobald es für eine Untersuchung grünes Licht gibt, erstellen unsere zuständigen Projektleiterinnen und Projektleiter ein passendes, detailliertes Prüfprogramm. Dabei werden unter anderem die Kriterien festgelegt, die ein bestimmtes Produkt erfüllen soll.

Es stellt sich immer die Frage, wie man ein Gerät praxisrelevant testen kann. Für einen Tintenkiller-Test haben wir zum Beispiel ein ganzes Schulheft gefüllt und das Geschriebene dann wieder gelöscht – so lange, bis die Tintenkiller w.o. gegeben haben.

Markterhebung und Einkauf

Im nächsten Schritt wird eine Marktübersicht erstellt. So können wir sichergehen, dass die Auswahl der zu prüfenden Produkte nicht willkürlich geschieht, sondern die Marktsituation widerspiegelt. Steht die Auswahl fest, kaufen wir die Waren in den entsprechendne Supermärkten oder Fachmärkten ein. Dabei verhalten sich unserer Testerinnen und Tester wie normale Kunden, das heißt, sie bleiben anonym und geben sich nicht zu erkennen.

Beim Einkauf von Frischmilch beispielsweise achten wir auf das gleiche Mindesthaltbarkeitsdatum und die gleiche Chargennummer. Der Transport ins Labor erfolgt mit unserem eigenen Kühlauto und die Temperatur wird laufend dokumentiert. Der Einkauf ist oft auch deshalb aufwendig, weil wir von jedem Produkt mehrere Packungen brauchen. Bei der Bitterschokolade waren es „nur“ 10, beim Grüntee 20!

Der Test

Beim klassischen Warentest führen wir eine technische und praktische Prüfung durch. Im technischen Teil testen wir beispielsweise die Gebrauchsfähigkeit, die Umweltverträglichkeit oder die chemische Zusammensetzung der Produkte. Im Praxisteil lassen wir Laien und Experten die Testobjekte beurteilen. Mögliche Kriterien sind zum Beispiel der Bedienungs- und Tragekomfort oder bei Lebensmitteln das Aussehen, der Geruch und der Geschmack der Produkte. Sollte die Durchführung eines Tests bei uns im Haus nicht möglich sein, vergeben wir den Auftrag – nach der Einholung von Kostenvoranschlägen – an ein geeignetes unabhängiges Spezialinstitut im In- oder Ausland. In jedem Fall wird ein schriftlicher Untersuchungsbericht erstellt.

Egal, was die Hersteller angeben: Wir messen selbst nach, sei es Lautstärke, Fassungsvolumen oder Akkulaufzeit.

Bewertung der Ergebnisse

Sobald alle Ergebnisse aus dem Test vorliegen und der Untersuchungsbericht intern freigegeben wurde, sehen wir uns diesen im Detail an. Für die abschließende Bewertung eines Produkts oder einer untersuchten Dienstleistung vergeben wir Testurteile auf einer fünfstufigen Skala („sehr gut“ bis „nicht zufriedenstellend“).

Wir vom VKI haben als Erste Kinderspielzeug auf Chrom VI untersucht und mussten uns die Frage gefallen lassen, wofür das gut sei. Heute ist diese Untersuchung Standard.

Veröffentlichung

Am Ende ist es Aufgabe unserer Redakteurinnen und Redakteure, über die durchgeführten Tests zu berichten und die Ergebnisse aufzubereiten. Die fertigen Artikel werden in unserem Testmagazin KONSUMENT sowie online veröffentlicht.

Wir trauen uns zu sagen, was gut und was schlecht ist.

  • Mehr zum Thema - Energielabel

    Viele Konsumgüter müssen seit Jahren ein Energielabel aufweisen, das Konsumenten auf einen Blick verraten soll, ob das jeweilige Produkt energieeffizient ist oder Energie unnötig verschwendet wird. So weit, so gut.

    Doch die Hersteller tricksen bei den Angaben nach allen Regeln der Kunst, außerdem wird ihnen vom Gesetzgeber eine gewisse Schwankungsbreite zugestanden – die Angaben sind also, gelinde formuliert, geschönt. Für Konsumenten bedeutet dies: Das Energielabel bietet bestenfalls eine gewisse Orientierungshilfe, ohne Hintergrundwissen kann es aber auch ganz schön in die Irre führen.

    Wer es genau wissen will, ist besser beraten, sich an unsere Tests zu halten. Denn wir sind bemüht, Tests so praxisnah wie möglich zu gestalten und Täuschungsmanöver der Industrie zu entlarven. Beispiele gefällig?

    Der leere Kühlschrank
    Das Energiesparlabel für Kühlschränke gibt den Energieverbrauch eines leeren Kühlschranks an, gemessen wird, wenn die Temperatur im Inneren 5 Grad C beträgt. Mit der Praxis hat das wenig zu tun. Denn natürlich ist der Kühlschrank meist halb voll, oft sogar komplett voll, und die Tür wird immer wieder geöffnet, warme Speisen werden zum Abkühlen hineingestellt. Also weit entfernt von den Normbedingungen des Energielabels, das eigentlich nur prüft, wieviel Strom verbraucht wird, um kalte Speisen kalt zu halten. Bei unseren Tests wird der Stromverbrauch hingegen bei unterschiedlichen Umgebungstemperaturen gemessen – bis zu 32 Grad C. Außerdem wird erhoben, wieviel Strom benötigt wird, um das Kühlgut von 25 Grad auf Kühlschranktemperatur abzusenken.

    Lauwarme Waschgänge
    Die Waschmaschinenhersteller wenden viel Zeit und Geld auf, um den Energieverbrauch im Sparprogramm zu minimieren. Denn genau das ist für die Angabe auf dem Energiesparlabel relevant. So werden beim 60 Grad-Sparprogramm selten die 60 Grad erreicht, manchmal sind es weniger als 30 Grad – was nicht zuletzt auch zu Hygieneproblemen führen kann. Wir hingegen prüfen den Strom- und Wasserverbrauch nicht nur im Sparprogramm, sondern auch in sechs weiteren Waschgängen zu 40 und 60 Grad, darunter Kurz-, Normal- und Pflegeleichtprogramme, die erfahrungsgemäß von den Konsumenten viel häufiger genutzt werden als die Sparprogramme – schon allein deshalb, weil diese Programme kürzer laufen als die Sparprogramme. Diese können sage und schreibe bis zu vier Stunden dauern, was in vielen Haushalten bedeuten würde, dass man mit dem Waschen nicht mehr nachkommt.

    Der Fernseher bleibt schwarz
    Die Hersteller messen den Stromverbrauch oft bei extrem dunklem Bild, weil da weniger Strom verbraucht wird. Bei unseren Tests werden zunächst Kontrast, Helligkeit und Farbtemperatur auf eine optimale Position eingestellt und erst dann der Verbrauch ermittelt. Natürlich liegt der dann oft deutlich über den Angaben auf dem Energielabel. Der Standby-Verbrauch ist laut Label regelmäßig erstaunlich niedrig: 0,5 Watt oder weniger. Doch dies gilt nicht für den Schnellstart-Standby, wo ein Verbrauch von 20 Watt keine Seltenheit ist. In unseren Testtabellen finden Sie selbstverständlich auch diese Messwerte.

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    Europäisches Energielabel

    Staubsauger ohne Staub
    Auch bei Staubsaugern halten sich die Hersteller an unrealistische Bedingungen, um Energieeffizienz und Reinigungswirkung möglichst hoch erscheinen zu lassen. Geprüft wird nur mit leerem Staubbeutel, was im Alltag eher die Ausnahme sein wird. Und es wird jener Normteppich ausgewählt, auf dem das eigene Gerät am besten saugt. Wir testen auch mit gefülltem Staubbeutel, alle Geräte müssen ihre Saugwirkung auf demselben Teppich beweisen.

    Nebensächliches auf dem Reifenlabel
    Auch für Autoreifen gibt es ein Energiesparlabel. Die Unterschiede beim Kraftstoffverbrauch sind allerdings meist verschwindend gering. Mehr als ein paar Zehntelliter pro 100 km können mit der Wahl eines Reifenmodells kaum eingespart werden. Wichtiger ist da schon, darauf zu achten, dass der Reifenluftdruck nicht zu hoch und nicht zu niedrig ist. Denn das hat erhebliche Auswirkungen auf den Rollwiderstand und somit auf den Treibstoffverbrauch.

    Das Energielabel gibt immerhin auch zwei andere Werte an, denen weit größere Bedeutung zukommt: das externe Rollgeräusch und die Haftung auf nasser Fahrbahn. Allerdings ist die Nasshaftung nur eines der Kriterien, die bei unseren Tests auf nasser Fahrbahn geprüft werden: da werden auch das Abbremsen, das Kurvenverhalten, das Handling und die Seitenführung kontrolliert. Völlig unberücksichtigt bleibt die Verschleißfestigkeit der Reifen und damit deren Lebensdauer – wohl eines der wichtigsten Kriterien überhaupt. Ebenso wenig sagt das Reifenlabel etwas über die Eignung auf trockener Straße aus, bei Winterreifen fehlen die Angaben zum Fahrverhalten auf Eis und Schnee. Wenn Reifenhersteller die Eigenschaften für das Energielabel optimieren, könnte es sein, dass die Ausgewogenheit des Reifens auf der Strecke bleibt. Unsere aufwendigen Tests hingegen prüfen alle wichtigen Qualitätskriterien eines Reifens – nicht nur eine Auswahl weniger Punkte.

    Und natürlich gibt es auch keinen Toleranzbereich: Reifenhersteller dürfen den Nassgriff mit Note C angeben, auch wenn das tatsächliche Verhalten darunter liegt. Bei unseren Tests gilt: Ein „durchschnittlicher“ Reifen muss die Anforderungen ohne Wenn und Aber erfüllen, sonst wird er abgestuft.

  • Mehr zum Thema - Verkostungen

    Verkostungen sind ein wichtiger Bestandteil unserer Lebensmittel-Tests. VKI-Expertin Mag. Birgit Beck hat in einem Blogbeitrag anhand unseres Grüntee-Tests den Ablauf einer Verkostung geschildert.


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